Mann will Versmolderin vom Balkon werfen - Frau sticht mit Nagelschere zu

Amtsgericht: Ein 32-Jähriger ist nach schrecklichen Szenen in einer Wohnung angeklagt

Anke Schneider

Schreckliche Schilderungen: Der Angeklagte ging offenbar sehr brutal gegen seine Bekannte und ihre Tochter vor. - © CCO Pixabay
Schreckliche Schilderungen: Der Angeklagte ging offenbar sehr brutal gegen seine Bekannte und ihre Tochter vor. (© CCO Pixabay)

Versmold/Halle. Der Angeklagte stammt aus Gütersloh und lernte die Versmolderin, das spätere Opfer, im Internet kennen. Aufgrund von persönlichen Problemen in seinem Leben bot die Versmolderin dem Mann an, ein paar Tage bei ihr zu wohnen. Am 5. September kam es in der Wohnung der Frau zu einem unschönen Zwischenfall.

Betrunken und unter Drogeneinfluss lag der Beschuldigte laut Anklageschrift auf dem Sofa und schlief. Die Frau weckte ihn und forderte ihn auf, die Wohnung zu verlassen. Der Gütersloher wurde wütend und schlug mit der Faust auf den Tisch. Danach würgte er die Frau und schlug sie. Als die Geschädigte zum Telefon griff, schlug er es ihr aus der Hand. Danach versuchte er, die Frau über die Balkonbrüstung zu heben um sie hinunter zu werfen. Die Frau flüchtete in die Wohnung, wo sie der Angeklagte erneut würgte. Anschließend schlug er auch die hochschwangere Tochter der Versmolderin, die dazugekommen war.

Frau rammt Angreifer Nagelschere in den Rücken

Die Versmolderin rammte dem Angreifer daraufhin eine Nagelschere in den Rücken, woraufhin er die Wohnung verließ. Die hinzugerufenen Polizisten verfolgten den Beschuldigten und stellten ihn schließlich am Alten Postweg. Nur unter massivem Körpereinsatz konnten sie ihn fesseln und in den Streifenwagen verfrachten.

Dabei stieß der Angeklagte Schimpfwörter aus und drohte einem der Polizisten, ihn umbringen zu wollen. „Man sieht sich immer zweimal im Leben – ich kriege dich", soll er gesagt haben. Im Streifenwagen kam es zu weiteren Auseinandersetzungen und schlimmen Drohungen.

„Ich kann mich grob an den Abend erinnern", gab der Beschuldigte zu. Er wisse auch wohl, dass er sich ziemlich daneben benommen habe und auch handgreiflich geworden sei. „Im Detail kann ich aber nicht mehr genau sagen, was passiert ist", so der Gütersloher. „So, wie es in der Anklage steht, wird es wohl stimmen."

Die Geschädigte und der betroffene Polizeibeamte bestätigten die Vorwürfe nochmals. „Ich hatte überall Blutergüsse", sagte die Versmolderin. Die Tochter sei zum Glück mit einer blutenden Lippe davongekommen. Das Opfer gab an, dass der Angeklagte ihr Briefe geschrieben habe, in denen er sich entschuldigte. „Er wollte auch mit mir reden, das wollte ich aber nicht", sagte sie.

„Das hier war schon ziemlich heftig"

Der Polizist sagte, er habe schon viele betrunkene und mit Drogen vollgepumpte Randalierer ertragen müssen. „Das hier war schon ziemlich heftig", sagte er. Auch der Richter fand deutlich Worte und sagte, dass der Beschuldigte Beleidigungen „der ekligsten und widerlichsten Art" ausgestoßen hätte. Er hielt dem Mann zugute, dass er sich entschuldigt und die Tat eingeräumt hatte sowie offenbar vermindert schuldfähig gewesen sei. Allein der Blutalkoholspiegel habe um die zwei Promille betragen.

Das Gericht verurteilte den Beschuldigten zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte eine 14-monatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung gefordert. Als Auflage muss der Gütersloher eine Psychotherapie machen, regelmäßig zum Drogenscreening gehen und das der Bewährungshilfe auch nachweisen. Zudem muss er 100 Stunden gemeinnützig arbeiten.

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