Parents for Future: Jetzt streiken auch Eltern im Kreis Gütersloh fürs Klima

Die Gütersloher Parents for Future beteiligen sich am 20. September erstmals in einem großen Klimastreik. In einem offenen Brief an die Schulen fordert die Gruppierung Straffreiheit für ihre protestierenden Kinder.

Anja Hustert

Parents for Future: Nina Steinkühler aus Versmold möchte die Kinder und Jugendlichen in ihrem Kampf für mehr Klimaschutz unterstützen. - © Andreas Frücht
Parents for Future: Nina Steinkühler aus Versmold möchte die Kinder und Jugendlichen in ihrem Kampf für mehr Klimaschutz unterstützen. (© Andreas Frücht)

Gütersloh. Längst sind es nicht nur Kinder und Jugendliche, die für das Klima auf die Straße gehen. Es sind Mütter und Väter, Omas und Opas, Wissenschaftler, Unternehmer und Pfarrer, die einen bewussteren Umgang mit dem Planeten einfordern. „Ich möchte meine Söhne, die bei Fridays for Future aktiv sind, in ihrem Engagement unterstützen", sagt Nina Steinkühler. Die Versmolderin ist eine der Initiatorinnen der Gruppe „Parents for Future" im Kreis Gütersloh – Eltern gegen den Klimawandel.

Steinkühler hat im Kreis bereits etwa 50 Mitstreiter – einige von ihnen trafen sich am Donnerstagabend in der Weberei in Gütersloh, um den globalen Klimastreik am 20. September vorzubereiten. Weltweit gehen dann Menschen auf die Straße, um nach Vorbild der jungen Schwedin Greta Thunberg Klimagerechtigkeit zu fordern und eine Energiewende herbeizuführen.

„Aus unserer Sicht - gestützt durch über 27.000 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, den ,Scientists for Future‘ - besteht dringlichster Handlungsbedarf", so Steinkühler. „Schließlich geht es um die Zukunft unserer Kinder, unserer Enkel." Dafür streiken am Aktionstag Menschen in hunderten Orten in Deutschland. Auch in Gütersloh wird es am 20. September, übrigens dem Weltkindertag, ab 12 Uhr eine Demonstration geben, eine weitere für Halle ist in Planung.

Jeder kann mitmachen - ob mit oder ohne Kinder

Vera Lengersdorf, Anette Klee und Anke Freese (v.l.) von der Gruppe Parents for Future. Anette Klee aus Isselhorst hat mit ihrem Bürgerantrag bereits ein kleines Klimaziel erreicht - die Stadt Gütersloh lässt keine mit Gas gefüllten Luftballons mehr steigen. - © P4F
Vera Lengersdorf, Anette Klee und Anke Freese (v.l.) von der Gruppe Parents for Future. Anette Klee aus Isselhorst hat mit ihrem Bürgerantrag bereits ein kleines Klimaziel erreicht - die Stadt Gütersloh lässt keine mit Gas gefüllten Luftballons mehr steigen. (© P4F)

Deutschlandweit gibt es mehr als 200 Ortsgruppen der Parents for Future-Bewegung. „Wir sind eine parteiunabhängige Initiative., die sich spontan zusammengefunden hat", sagt Steinkühler, die gemeinsam mit der Gütersloherin Anke Freese als Delegierte aus dem Kreis auch auf Bundesebene agiert. Alles sei basisdemokratisch – da dauern Diskussionen und Entscheidungen schon einmal ein wenig länger.

„Bei uns kann jeder mitmachen – egal welchen Alters, ob mit oder ohne Kinder", sagt die Versmolderin. Einig seien sich jedoch alle darin, dass sie Fridays for Future in ihrem Anliegen für eine konsequente Klimaschutzpolitik unterstützen wollen. „Wir solidarisieren uns mit den Jugendlichen und ihren Protestformen. Auch wir fordern von der Politik die Einhaltung der Pariser Klimaziele und entsprechend eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius."

In einem offenen Brief hat sich die Gruppe Parents for Future jetzt an alle Schulen im Kreis Gütersloh gewandt, das Engagement der Schülerinnen und Schüler, die freitags während der Schulzeit streiken, zu unterstützen. „Diskutieren Sie in Ihrem Kollegium die Möglichkeit, einen Sonderprojekttag oder Unterrichtsgang zur Demonstration am 20. September im Kreis Gütersloh einzurichten oder unterstützen Sie den Besuch als Maßnahme politischer Bildung", heißt es darin. „In Hamburg hat eine Waldorfschule schon angekündigt, dass sie an dem Tag komplett schließen will", sagt Steinkühler. Der Brief empfiehlt mit vielen Beispielen, den Klimaschutz im Unterricht zu thematisieren, wo immer es im Lehrplan möglich ist.

Auf Prüfungen am Streiktag sollen die Schulen verzichten

Des Weiteren schlagen die Eltern den Schulleitungen vor, sich im Kollegium dafür einzusetzen, Prüfungen am globalen Streiktag zu vermeiden. Und vor allem „Verzichten Sie insbesondere auf Strafen für Schüler und Schülerinnen, die sich für unser aller Zukunft engagieren."

Die Parents for Future wollen mit ihren Anliegen jedoch niemanden in seiner persönlchen Freiheit einschränken. „Wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger dastehen", betont Steinkühler. „Ich fahre auch weiter Auto – das ist von Versmold aus im Moment gar nicht anders möglich." Aber jeder für sich könne kleine Schritte tun.

Die bundesweite Sprecherin der Parents-for-Future-Bewegung Lena Knote meint dazu: „Klar ist aber auch: so sehr wir uns im Privaten anstrengen werden und so sehr wir unser Leben umstellen - ohne einen klaren politischen Rahmen, ohne Entschlossenheit und radikale Klimaschutzmaßnahmen wird es nicht gelingen, aus mutigen privaten Einzelentscheidungen eine große relevante Änderung herbeizuführen."

Parents-for-Future-Mitglied erwirkt Ballonverbot

Eine mutige private Einzelentscheidung hat in Gütersloh aber schon einiges bewirkt: Die Isselhorsterin Anette Klee, Mitglied bei Parents for Future, hatte in einem Bürgerantrag angeregt, dass die Stadt Gütersloh bei eigenen Veranstaltungen künftig keine mit Gas gefüllten Luftballons mehr steigen lässt. Alle Fraktionen folgten einstimmig dieser Idee – ein Beschluss, der bundesweit für Aufsehen sorgte.

Das nächste Treffen der Parents for Future ist für den 7. November um 19 Uhr in der Weberei in Gütersloh geplant. Weitere Informationen gibt es unter www.parentsforfuture.de, Kontakt ist per Email unter kreis_guetersloh@parentsforfuture.de möglich. „Wir freuen uns über weitere interessierte und engagierte Mitglieder", so Steinkühler.

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