Mordfall in Neuss: Ermittlungen kurz vor dem Abschluss

Justiz: Knapp fünf Monate nach den tödlichen Schüssen auf eine 27 Jahre alte Versmolderin soll im September Anklage gegen den mutmaßlichen Täter und Ex-Freund der jungen Frau erhoben werden

Silke Derkum-Homburg

Der Tatort an der Gladbacher Straße in Neuss. - © Blaulicht Aktuell Solingen
Der Tatort an der Gladbacher Straße in Neuss. (© Blaulicht Aktuell Solingen)

Versmold/Neuss. Die Ermittlungen im Tötungsfall der Versmolderin Constanze K. stehen kurz vor dem Abschluss. Der zuständige Staatsanwalt Dr. Stefan Peters geht davon aus, dass die Polizei in ein bis zwei Wochen die Ermittlungsakten an die Staatsanwaltschaft Düsseldorf übergibt. Mitte bis Ende September könnte dann die Anklage erhoben werden.

Die werde voraussichtlich auf Mord lauten, so Peters gegenüber dem Haller Kreisblatt, denn auch der Haftbefehl lautete auf Mord. Das würde für den zum Tatzeitpunkt 31-Jährigen im Falle eines Schuldspruchs lebenslange Haft bedeuten.

Der mutmaßliche Täter, der sich seit dem 3. Mai in Untersuchungshaft in einem Justizkrankenhaus befinde, habe sich nach wie vor nicht zur Tat geäußert – ebenso wenig seine Anwälte, so Peters. Er sei aber grundsätzlich in der Lage zu kommunizieren. Es gäbe auch keinen Grund daran zu zweifeln, dass der Beschuldigte nicht an der Verhandlung teilnehmen könne.

Polizeieinsatz wegen häuslicher Gewalt

Der 31-Jährige hatte sich, nachdem er in einem Neusser Blumenladen auf seine Ex-Freundin geschossen hatte, vermutlich in suizidaler Absicht auf die nur wenige Meter entfernten Bahngleise gelegt. Dabei wurde er von einem Zug überrollt und schwerstverletzt.

Wie mehrfach berichtet, hatte die 27 Jahre alte Versmolderin nur wenige Wochen vor der Tat am 26. April bei Gericht ein Kontaktverbot beantragt, dem auch stattgegeben wurde. Der Täter habe sich ihr demzufolge nicht nähern dürfen. Wie Staatsanwalt Peters nun mitteilte, ging dem Antrag unter anderem ein Polizeieinsatz voraus. Am Neujahrstag 2019 sei es in der Wohnung des Beschuldigten zu einer Auseinandersetzung gekommen, in deren Verlauf der 31-Jährige seine Ex-Freundin gewürgt haben soll. Um sich zu befreien, soll sie ihn daraufhin gebissen haben. Die herbeigerufene Polizei verbuchte den Einsatz unter häuslicher Gewalt. Er wird nun natürlich auch eine Rolle im Prozess spielen.

Viele Augenzeugen des Tatgeschehens

Nach Medienberichten gebe es für den Prozess eine mindestens 50 Personen umfassende Zeugenliste. Diese Personen würden aber mit Sicherheit nicht alle gehört werden, so Peters, denn auf solch einer Liste stünden zum Beispiel auch sämtliche Polizeibeamte, die nach der Tat zum Einsatz kamen, inklusive der Mordkommission oder der Spurensicherung. Da der Täter seinem Opfer zunächst in einen Blumenladen gefolgt sei, dann nach den Schüssen wieder heraus- und zu den Bahngleisen gelaufen sei, könne man von einer „sehr dynamischen Tat" sprechen, so Peters. Da gebe es natürlich auch viele potenzielle Augenzeugen, die aber nicht alle im Prozess gehört werden müssten.

Zu den Ermittlungen hinsichtlich der Tatwaffe wollte sich Peters aktuell noch nicht äußern. Unmittelbar nach der Tat soll in einem nahen Gebüsch eine Pistole gefunden worden sein. Ob diese auch die Tatwaffe ist, ist bisher nicht bekannt. „Aber eine Waffe fällt nicht vom Himmel, natürlich wird es auch darum gehen, woher der Täter seine Waffe hatte", erklärt der Staatsanwalt.

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