Tierwelt im Versmolder Bruch durch Trockenheit in Gefahr

Naturschutzgebiet: Im Feuchtgebiet Versmolder Bruch sorgt die seit Monaten anhaltende Trockenheit dafür, dass viele Vögel ausbleiben. Die Amphibien trifft es noch schlimmer

Silke Derkum-Homburg

Von Feuchtgebiet keine Spur: Rund um den Ziegenbach verbringen sonst Enten und andere wasserliebende Vögel den Sommer. Nun ist nicht nur das Bachbett leer, auch drumherum ist wenig Leben zu sehen. - © Silke Derkum-Homburg, HK
Von Feuchtgebiet keine Spur: Rund um den Ziegenbach verbringen sonst Enten und andere wasserliebende Vögel den Sommer. Nun ist nicht nur das Bachbett leer, auch drumherum ist wenig Leben zu sehen. (© Silke Derkum-Homburg, HK)

Versmold. Als Feuchtgebiet ist das Versmolder Bruch ein wichtiges Sommer- und Durchgangsquartier für viele Vogelarten. Doch von Feuchtgebiet kann derzeit nicht die Rede sein. Nicht nur der breite Ziegenbach, der durch das Bruch fließt, ist wie berichtet, nahezu ausgetrocknet. Auch die Wiesen und kleinere Flachgewässer liegen trocken.

Bernhard Walter, als Leiter der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld verantwortlich für das Naturschutzgebiet, schaut mit Sorge auf das zweite trockene Jahr in Folge. Denn bereits ganz am Anfang der Nahrungskette sorgt das fehlende Wasser für Probleme. „Würmer und Schnecken sind einfach nicht da", sagt er. Dabei seien sie wichtige Eiweißlieferanten für die größeren Tiere. Nun falle das zweite Jahr in Folge eine wichtige Nahrungsquelle aus. Selbst der Brachvogel mit seinem langen Schnabel könne die Regenwürmer nicht aufstöbern, da sie sich in sehr tiefe Erdregionen zurückzögen.

Nicht erst seit den Hitzewochen im Juli ist die Situation im Bruch kritisch. Die Flachgewässer seien nach dem ebenfalls recht trockenen Winter und dem nicht minder regenarmen Frühjahr schon sehr früh ausgetrocknet gewesen. „Die Amphibien trifft es deshalb noch viel schlimmer", sagt Bernhard Walter. Dabei hatten gerade Erdkröten, Gras- und Wasserfrösche zunächst von dem Fischsterben im Ziegenbach im vergangenen Sommer profitiert. „Das war ein kleiner positiver Nebeneffekt", sagt Walter, der in der ersten Jahreshälfte besonders viele Amphibienlarven im noch gefüllten Ziegenbach ausgemacht hatte.

Der Grundwasserspiegel ist viel zu tief

Aber das Austrocknen des erst im Herbst ausgebaggerten und vertieften Bachs zeige, wie es allgemein um den Grundwasserspiegel stehe. Selbst die stundenweisen Regenfälle der letzten Wochen helfen da wenig. „Man muss doch nur mal im eigenen Garten graben. Schon nach einem Zentimeter ist die Erde trotz Regen trocken", sagt Bernhard Walter. Und wenn der Ziegenbach trocken ist, sind es die Blenken erst recht.

Die aber locken normalerweise viele Enten und Durchzügler an, die auf Wasserflächen angewiesen sind. „Die landen nun gar nicht erst hier und müssen weiterfliegen – wahrscheinlich bis an die Küsten. wo sie Wasser finden", sagt Walter. Und diese längeren Flüge sorgten dafür, dass den Vögeln die Kondition für den Winter oder die nächste Brutzeit fehle. Enten suche man zur Zeit im Bruch nahezu vergebens und auch die übrigen Stammgäste wie Brachvögel, Kiebitze, Wald- und Bruchwasserläufer sind ausgeblieben.

Und noch eine Art leidet still unter der Trockenheit: die feuchtigkeitsliebenden Insekten. Bei den Sumpfgrashüpfern oder den Sumpfschrecken fehle im kommenden Jahr eine ganze Generation, sagt Walter. Und damit auch wieder wichtige Nahrung für andere Tiere. „Es ist eine Lebensgemeinschaft in den Feuchtwiesen und mehrere Jahre Trockenheit sorgen dafür, dass ganze Arten zurückgehen oder verschwinden", sagt der Biologe. Und auch wenn sich das persönlich natürlich niemand wünsche, es wäre toll, wenn es bald einige Wochen lang Bindfäden regnen würde.

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