Versmolder Gerry-Weber-Filiale schließt endgültig

Insolvenz: Das Geschäft in Versmold ist die Keimzelle des Unternehmens. Ein Nachmieter ist nicht in Sicht

Silke Derkum-Homburg

Der Räumungsverkauf hat begonnen: Bis zum 23. September muss alles aus Gerry-Weber-Filiale raus sein. - © Silke Derkum-Homburg, HK
Der Räumungsverkauf hat begonnen: Bis zum 23. September muss alles aus Gerry-Weber-Filiale raus sein. (© Silke Derkum-Homburg, HK)

Versmold. Dass die Versmolder Filiale im Zuge der Gerry-Weber-Insolvenz schließen wird, ist seit Anfang Juni bittere Realität. Nur das Wann war bislang nicht offiziell bekannt. Seit Anfang der Woche ist es nun für jeden sichtbar: Zum 23. September wird das Geschäft an der Münsterstraße 9 endgültig seine Türen schließen. Der Räumungsverkauf hat begonnen.

Damit tut sich nicht nur ein weiterer Leerstand in der Versmolder Innenstadt auf, mit dem Modegeschäft schließt auch das Gründergeschäft des Modekonzerns, in dem 1965 alles begann. Denn Gerhard Weber startete seine Karriere als selbstständiger Geschäftsmann nicht etwa in Halle, sondern in der Fleischstadt. „Angefangen haben wir in einem Ladenlokal rund einen Kilometer stadtauswärts Richtung Peckeloh", erzählte Weber im Mai 2015 während einer kleinen Feierstunde anlässlich des 50-jährigen Jubiläums im Versmolder Gerry-Weber-Store. Dass es Versmold geworden sei, war Zufall. Es sei dort eben eine passende Immobilie frei gewesen, sagte er damals.

Später folgte dann der Umzug an die Münsterstraße. Mit seinen 54 Jahren ist das Geschäft auf jeden Fall das älteste noch bestehende Textilgeschäft in der Versmolder Innenstadt. Dass dort jetzt bald die Lichter ausgehen, trifft nicht nur die Mitarbeiterinnen, sondern auch die Kundinnen hart. „Wo soll jemand in meinem Alter denn jetzt hier noch einkaufen?", fragte eine ältere Dame, als das Haller Kreisblatt im Geschäft vorbeischaut. Sie ist die einzige, die über die Schließung etwas sagen möchte. Weder im Laden selbst, noch in der Pressestelle des Gerry-Weber-Konzerns sind Details zu erfahren.

Der Konzern hüllt sich in Schweigen

„Zu den einzelnen Filialen wollen wir nichts mehr sagen", erklärt Pressesprecher Gundolf Moritz auf HK-Anfrage. Dafür seien es einfach zu viele. So könne er auch nicht sagen, wie viele Mitarbeiterinnen in Versmold betroffen seien. Er gehe aber davon aus, dass die meisten eine Anschlussanstellung in anderen Geschäften gefunden hätten. „Das ist doch meistens so", vermutet er. Die Kundinnen werden auf einem Plakat vor dem Geschäft für die Zukunft auf die Filialen in Warendorf und Bad Rothenfelde verwiesen.

Insgesamt schließt Gerry Weber zum 30. September, 31. Oktober und 30. November 146 Filialen, davon sollen 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sein.

Auch für die Versmolder Einzelhandelslandschaft ist die Schließung ein Verlust. Denn ein Nachmieter für das 114 Quadratmeter große Ladenlokal ist nicht in Sicht. „So lange die Baustelle dort vor der Tür ist, wird sich da auch keiner finden", schätzt Immobilieneigentümer Reiner Knaeblein realistisch. Demnach dürfte es auch noch lange dauern, bis dort wieder jemand einzieht, denn der Teil der Münsterstraße vor dem Gerry-Weber-Geschäft wird im Rahmen der Innenstadtsanierung erst ab Frühjahr 2020 in Angriff genommen.

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