In Versmold entsteht an vielen Stellen neuer Wohnraum

Vor drei Monaten gab die Stadt die Baustraße am Hohlweg frei. Erste Wände stehen inzwischen, täglich werden die Handwerker in Versmolds zurzeit größtem Baugebiet mehr. Es gibt weitere Baustellen

Tasja Klusmeyer

Vor den Toren der Stadt: Am Hohlweg entsteht Wohnraum für mehr als 200 Menschen. - © Tasja Klusmeyer, HK
Vor den Toren der Stadt: Am Hohlweg entsteht Wohnraum für mehr als 200 Menschen. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Versmold wächst unübersehbar am östlichen Stadtrand. Schon von weitem sind mehrere Baukräne sichtbar, die in den Himmel ragen. Im Neubaugebiet am Hohlweg sind die Arbeiten auf mehreren Grundstücken in vollem Gange, auf anderen laufen zumindest vorbereitende Maßnahmen. Unterm Strich entsteht dort in den kommenden Monaten Wohnraum für mehr als 200 Menschen.

Am Hohlweg befindet sich das größte Baugebiet Versmolds der vergangenen Jahre. Immobilien werden zurzeit zudem in der Bockhorster Klimaschutzsiedlung und an der Wersestraße gebaut. Dazu kommen immer wieder innerstädtische Lückenschlüsse. Über zwei solcher Vorhaben hatte zuletzt die Politik beraten. Inzwischen sind sowohl auf dem noch freien Grundstück Am Zoll sowie an der Gartenstraße vorbereitende Arbeiten ausgeführt worden.

Erste Erdarbeiten: Bauzaun und Absperrband deuten an der Gartenstraße auf Bauaktivität hin. Dort soll ein Komplex mit Tagespflege und betreutem Wohnen errichtet werden. - © Tasja Klusmeyer, HK
Erste Erdarbeiten: Bauzaun und Absperrband deuten an der Gartenstraße auf Bauaktivität hin. Dort soll ein Komplex mit Tagespflege und betreutem Wohnen errichtet werden. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Ein Haus mit fünf Wohneinheiten ist auf dem Areal Am Zoll geplant. Das Vorhaben stand auf der Tagesordnung des Planungsausschusses, da es von Festsetzungen des Bebauungsplanes abweicht. Statt vorgeschriebenem Satteldach soll das zweigeschossige Gebäude mit Staffelgeschoss ein Walmdach bekommen. Zudem überschreitet der Hauptbaukörper südlich und westlich die festgelegten Baugrenzen. Die Stadt gab für beides gemeindliches Einvernehmen, weil sie es für „städtebaulich vertretbar" hält und „um Nachverdichtung auf dem Grundstück zu ermöglichen".

Hochwertige Wohnanlage mit Betreuungsservice

Ebenso wirft eine größere Baustelle an der Gartenstraße ihre Schatten voraus. Wie berichtet, soll an Ecke zur Rothenfelder Straße ein Gebäudekomplex mit Tagespflege und betreutem Wohnen errichtet werden. Bauzaun und Absperrband sind dort seit Kurzem zu sehen; erste Erdarbeiten wurden getätigt.

Die Vermarktung „zentraler, hochwertiger Eigentumswohnungen" hat für ein Objekt an der Ravensberger Straße begonnen. Davon kündet ein Schild am Haus mit der Nummer 26. Der Altbestand wird in Kürze dem Boden gleich gemacht, heißt es vom Immobilienbüro Hüls. Zeitnah soll dann der Bau der beiden Sechsfamilienhäuser beginnen. Die werden barrierefrei gebaut und machen so altersgerechtes Wohnen möglich. „Erste Reservierungen gibt es schon", sagt Ansgar Hüls auf Nachfrage vom Haller Kreisblatt. Die Eigentumswohnungen werden zwischen 56 und 70 Quadratmeter groß und dem einen oder anderen Käufer sicherlich als Kapitalanlage dienen und auf diesem Wege in den Mietwohnungsmarkt fließen.

Stadt hofft auf Umzugsketten

Für Planung und Bau ist die Wiese GmbH aus Ibbenbüren zuständig. Künftige Bewohner der Wohnanlage sollen je nach Bedarf Betreuungs- und Unterstützungsangebote bis hin zur 24-Stunden-Intensivbetreuung über die »Betreuung 24 GbR« mit Sitz in Ennigerloh in Anspruch nehmen können.

Weiterer Lückenschluss: Auf dem freien Grundstück an der Straße Am Zoll ist ein Fünffamilienhaus geplant. Das Baufenster ist bereits abgesteckt; ein Bagger vor Ort. - © Tasja Klusmeyer, HK
Weiterer Lückenschluss: Auf dem freien Grundstück an der Straße Am Zoll ist ein Fünffamilienhaus geplant. Das Baufenster ist bereits abgesteckt; ein Bagger vor Ort. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Das sind nur drei Beispiele aus der Innenstadt, an denen Baulücken geschlossen werden oder Altbestand Platz für neuen Wohnraum macht. Das Angebot scheint dringend notwendig, gestaltet sich die Wohnungssuche für viele in der Fleischstadt doch schwierig. Wohnungen und Häuser auf dem Immobilienmarkt sind rar – insbesondere für den kleineren Geldbeutel.

Am Problem, dass günstiger Wohnraum Mangelware ist, werden die Neubau-Projekte allerdings nicht unmittelbar etwas ändern. Neubauten haben ihren Preis. Im zweiten Schritt, so die oft geäußerte Hoffnung der Stadt, würden aber Umzugsketten in Gang gesetzt und damit wieder Wohnungen im meist günstigeren Altbestand frei.

Vergleichsweise viele Vier-Personen-Haushalte

Wohnen ist in Versmold – mit Blick auf andere NRW-Orte – dennoch preiswert. Die mittlere Nettokaltmiete lag laut Wohnungsmarktprofil der NRW.BANK im Jahr 2017 bei 5,50 Euro pro Quadratmeter. Im NRW-Schnitt waren es fast zwölf Prozent mehr. Der mittlere Kaufpreis für Eigenheime betrug 209.000 Euro – wobei diese Werte inzwischen aufgrund der allgemeinen Preisentwicklung gestiegen sein dürften.

Plakat kündet vom Vorhaben: Die Tage des Gebäudes an der Ravensberger Straße sind gezählt. Der Abrissbagger macht demnächst Platz für eine altengerechte, hochwertige Wohnanlage. - © Tasja Klusmeyer
Plakat kündet vom Vorhaben: Die Tage des Gebäudes an der Ravensberger Straße sind gezählt. Der Abrissbagger macht demnächst Platz für eine altengerechte, hochwertige Wohnanlage. (© Tasja Klusmeyer)

Das Wohnungsmarktprofil 2018 für Versmold gibt einen Überblick über die Strukturen vor Ort und eine Einordnung im Vergleich zu anderen Kommunen. Demnach war die Bauintensität im Zeitraum 2015-2017 überdurchschnittlich hoch im Bereich der Mehrfamilienhäuser, während weniger Ein- und Zweifamilienhäuser entstanden sind als in anderen Orten (20.000 bis 50.000 Einwohner).

9.556 Wohnungen zählte Versmold im Jahr 2017 – fast 60 Prozent davon in Ein- und Zweifamilienhäusern. Der landesweite Schnitt lag bei 41 Prozent. Versmold hat vergleichsweise wenig Wohnraum in Mehrfamilienhäusern und mit 7,4 Prozent einen geringen Anteil geförderter Mietwohnungen (Sozialwohnungen). Mit fast 30 Prozent ist die Zahl der Vier-Personen-Haushalte deutlich höher als im Land (zehn Prozent). Den größten Anteil stellen in Versmold mit genau einem Drittel die Zwei-Personen-Haushalte dar.

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