Versmolder Fettschmelze ist weltweit erfolgreich

Wirtschaft: Die Firma Sonac in Siedinghausen kennen wenige, dabei hat sie weltweite Kontakte

Silke Derkum-Homburg

Ausgangsprodukt: So kommen die Fette in Siedinghausen an. Jusein Gaziov (links) hält eine Box mit Geflügelrohstoff, Tuncay Kamberov Schweinerohstoff. - © Sonac
Ausgangsprodukt: So kommen die Fette in Siedinghausen an. Jusein Gaziov (links) hält eine Box mit Geflügelrohstoff, Tuncay Kamberov Schweinerohstoff. (© Sonac)

Versmold-Bockhorst. Gut versteckt in einem Wäldchen am Casumer Bach im abgelegenen Ortsteil Siedinghausen wird tagtäglich ein guter Teil zur Versmolder Lebensmittelproduktion beigetragen. Das wissen die wenigsten. Sonac heißt das Unternehmen, das außerhalb der bekannten Industrie- und Gewerbegelände an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr produziert.

Und was? Einigen fällt vielleicht noch der Begriff Fettschmelze ein. Aber was das im Detail bedeutet, da müssen die meisten passen. „Wir stellen Schmalz, Geflügelfett und Proteinmehl her", sagt Dirk Lehmann.

Für Kunden in den Emiraten gibt’s eigene Produktionslinie

Der Steinhagener ist seit mehr als 20 Jahren Werksleiter des 35 Mitarbeiter starken Standorts. Der Rohstoff, mit dem bei Sonac gearbeitet wird, sind Schlachtnebenprodukte. Zumeist die Fettanteile, die beim Zerlegen abgetrennt werden: Speckabschnitte und Flomen. „Wir verarbeiten das fünfte Viertel vom Schwein", sagt Lehmann augenzwinkernd. Etwa drei Kilo Fett fallen pro Schwein ab.

Während das Schmalz als Bratfett oder Brotaufstrich allgemein bekannt ist, weiß man beim Proteinmehl nicht sofort, wo es verwendet wird. „Das reine Geflügelmehr enthält über 80 Prozent Protein und wird in der Lebensmittelindustrie zum Beispiel der Geflügelwurst beigemischt, damit sie – den Eigengeschmack erhält", erklärt der Werksleiter. Schweinegriebenmehl wird hauptsächlich in Hunde- und Katzenfutter verwendet. Die Haustierfutterindustrie, allen voran Nestlé oder Royal Canin, ist einer der großen Abnehmer von Sonac.

Hygiene ist das A und O: Schichtleiter Jusein Gaziov (von links), Produktionsmitarbeiter Tuncay Kamberov und Werksleiter Dirk Lehmann, an der Hygieneschleuse, die zum Produktionsbereich führt. - © Silke Derkum-Homburg, HK
Hygiene ist das A und O: Schichtleiter Jusein Gaziov (von links), Produktionsmitarbeiter Tuncay Kamberov und Werksleiter Dirk Lehmann, an der Hygieneschleuse, die zum Produktionsbereich führt. (© Silke Derkum-Homburg, HK)

Andere Kunden sitzen in Thailand, Osteuropa und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Um die arabische Kundschaft bedienen zu können, wurde bei Sonac 2014 groß investiert. Neben den normalen Produktionslinien wurde für rund drei Millionen Euro eine Geflügelproteinmehl-Linie gebaut, auf der Halal-Produkte hergestellt werden und die dafür eigens zertifiziert werden muss. Um das Halal-Zertifikat führen zu können, wird sie regelmäßig unangekündigt überprüft. Eine peinlich genaue Trennung zwischen den Geflügel- und Schweineprodukten ist unabdingbar.

Die Schmelzkessel laufen rund um die Uhr

Bis 2003 wurde in Siedinghausen neben Schweine- auch Rinderfett verarbeitet. „Dann kam die BSE-Krise und seitdem ist das Rinderfett in manchen Anwendungen nicht mehr gefragt", sagt Lehmann. Geflügel wurde 2008 in die Produktpalette aufgenommen.

50.000 Tonnen Rohstoffe verarbeitet der Betrieb pro Jahr. In drei Schichten wird täglich von Montag bis Sonntag gearbeitet. „Wir können die Rohstoffe am Wochenende nicht einfach stehen lassen, die würden verderben", sagt Lehmann. Zumal der Rhedaer Großschlachtbetrieb Tönnies. einer der Hauptlieferanten von Sonac, samstags bis 22 Uhr schlachtet und deshalb auch am Wochenende Nachschub kommt.

Endprodukt: Aus den Rohstoffen wird flüssiges Fett. Rechts vom Geflügel, in der Mitte vom Schwein. - © Silke Derkum-Homburg, HK
Endprodukt: Aus den Rohstoffen wird flüssiges Fett. Rechts vom Geflügel, in der Mitte vom Schwein. (© Silke Derkum-Homburg, HK)

Aus einem Umkreis von 300 bis 400 Kilometern holen die firmeneigenen Lkw die Rohstoffe ab. Die Fettschmelzen des Darlingkonzerns, zu dem Sonac gehört (siehe Infokasten), sind deshalb dezentral errichtet, damit die Lieferwege nicht zu lang werden.

Stolz auf das reine Naturprodukt

In Siedinghausen angekommen, laufen die Fettstücke zunächst durch Metalldetektoren und werden dann in einem Fleischwolf zerkleinert, danach kommen sie in den Schmelzkessel. Die Proteine, die zu Tierfutter verarbeitet werden, werden 60 bis 70 Minuten lang bei bis zu 120 Grad erhitzt. Die Geflügelproteine für die Lebensmittelindustrie, bei über 130 Grad nur zehn Sekunden lang behandelt. Heraus kommt ein Fett- und Griebengemisch, das dann in einer Zentrifuge voneinander getrennt wird. „Grieben sind Gewebeanteile, die an den Fettstücken sind", erklärt Dirk Lehmann. Bekannt sind sie im Schmalz, werden aber auch zu Griebenmehl verarbeitet.

Das gereinigte Fett wird flüssig in Tanks abgefüllt und mit einer Temperatur von 80 Grad an die Kunden ausgeliefert. Die Proteine werden getrocknet, gemahlen und in Säcke abgefüllt.

Fünf Mitarbeiter betreuen die Produktion pro Schicht auf der 2400 Quadratmeter großen Anlage. „Wir benötigen sehr viel Energie für das Ausschmelzen", sagt Lehmann. Für die Reinigung des Wassers, das bei der Produktion abfällt, steht auf dem Sonac-Gelände eine eigene biologische Kläranlage.

„Tierische Fette sind ein reines Naturprodukt, wir setzen nichts hinzu", sagt Dirk Lehmann und man merkt, wie überzeugt er von seinen Produkten ist. „Wir veredeln die Rohstoffe nur, aber es ist alles sortenrein."

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