Plastik im Kunstrasen: Wie die Stadt mit einem drohenden Verbot umgeht

Die EU sieht Gummigranulat auf Sportplätzen kritisch. Versmold macht sich über alternative Materialien Gedanken

Tasja Klusmeyer

Seit fünf Jahren in Betrieb: Auf dem noch jungen Platz an der Schulstraße spielen die Fußballer auf dem in der Kritik stehenden Gummigranulat. So einfach wäre dort ein Austausch des Materials gar nicht machbar. - © Tasja Klusmeyer, HK
Seit fünf Jahren in Betrieb: Auf dem noch jungen Platz an der Schulstraße spielen die Fußballer auf dem in der Kritik stehenden Gummigranulat. So einfach wäre dort ein Austausch des Materials gar nicht machbar. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Pläne aus Brüssel bereiten zurzeit auch Sportlern und Städten in der Region Sorgen. Seit einigen Wochen machen Schlagzeilen die Runde, dass die EU über ein Verbot von Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen nachdenkt. In Versmold spielen Fußballer an drei Stellen auf dem in der Kritik stehenden Granulat. Noch steht nicht fest, welche Auswirkung eine neue Regelung aus Brüssel für die heimischen Sportstätten hätte und wann genau sie zum Tragen käme. Zumindest in einem Fall denkt die Stadt zurzeit konkret über Alternativen nach.

Der älteste Kunstrasenplatz der Stadt befindet sich in Peckeloh. 2006 wurde er gebaut; der Hersteller Heiler geht von einer Lebensdauer von 15 Jahren aus. Dieser Zeitpunkt rückt näher; immer wieder hat die intensive Nutzung in der jüngeren Vergangenheit Spuren im einst grünen Teppich hinterlassen. In diesem Jahr ist die Stadt zusammen mit dem Verein, dem SC Peckeloh, in die Gespräche zur weiteren Sportplatzsituation eingestiegen.

Erste Gespräche über Peckeloher Sportplatzsituation

20.000 Euro stehen für die planerische Überprüfung im Haushalt bereit. Zunächst einmal, so Fachbereichsleiter Dirk Niggemann, gehe es darum, zu erfahren, welche Zeiten und Plätze der Verein zurzeit nutze und wie der künftige Bedarf aussehe. Auf dieser Grundlage könne die Stadt Überlegungen anstellen, wo und in was sie genau investiert.

In diesem Zusammenhang war neben der Sanierung des vorhandenen Kunstrasens auch immer wieder der Wunsch des SCP nach einer zentralen Spielstätte laut geworden. Neben den Kosten sind zwei wesentliche Punkte zu beachten: die Flächenverfügbarkeit und der Lärmschutz. Letztlich müsste auch die Bezirksregierung regionalplanerisch ihr Okay geben. Dirk Niggemann spricht von „vielen Faktoren", die bei den weiteren Planungen eine Rolle spielten.

Kork wäre eine Möglichkeit beim Neubau

Unabhängig vom Ergebnis: Ein neuer Kunstrasenplatz wird wohl künftig kein Gummigranulat mehr bekommen. Die umweltschädlichen Teile würden nicht nur zwischen den Halmen liegen, so Niggemann, sondern durch Sportler und Wind verteilt werden. „Wir stehen im engen Austausch mit dem Hersteller, auf welches Material wir umsteigen können", sagt der Bauamtsleiter. Kork wäre eine Alternative, die auf anderen Spielstätten bereits verwendet wird.

Deutlich schwieriger als in Peckeloh, wo ohnehin in absehbarer Zeit erneuert wird, stellt sich die Sache bei den beiden jüngeren Kunstrasenplätzen in Versmold und Oesterweg dar. Seit 2014 werden beide Flächen bespielt. Die Firma Polytan legte den grünen Teppich dort aus. „Wir können ja nicht mal schnell das Mikroplastik raus und Kork reinlegen", sagt Niggemann. Genauso wie andere Städte hofft er – sollte es zum Verbot aus Brüssel kommen – auf Übergangsfristen. Sonst ständen Vereine und Verwaltungen vor einem riesigen Problem.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.