Ehrenamt für Zweisprachige: In Versmold werden Sprachlotsen gesucht

Sprachlotsen helfen bei Verständigungsproblemen. In Versmold und Borgholzhausen werden sowohl weitere Ehrenamtliche gesucht, als auch Institutionen, die die Dienste in Anspruch nehmen

Silke Derkum-Homburg

Sprachliche Brückenbauer: Snezana Cosic (Serbo-kroatisch, von links), Violeta Samu (Rumänisch), Kerstin Walter (Haus der Familie), Nelson Rodrigues (Kreis Gütersloh), Constantin Samu (Rumänisch), Ahmad Alali (Arabisch, Sprachlotse Pium), Ina Hirch (Kreisfamilienzentrum Borgholzhausen), Wasili Sumin (Russisch und Ukrainisch) und Dagmar Kölkebeck (Haus der Familie). Foto: Silke Derkum-Homburg - © Silke Derkum-Homburg, HK
Sprachliche Brückenbauer: Snezana Cosic (Serbo-kroatisch, von links), Violeta Samu (Rumänisch), Kerstin Walter (Haus der Familie), Nelson Rodrigues (Kreis Gütersloh), Constantin Samu (Rumänisch), Ahmad Alali (Arabisch, Sprachlotse Pium), Ina Hirch (Kreisfamilienzentrum Borgholzhausen), Wasili Sumin (Russisch und Ukrainisch) und Dagmar Kölkebeck (Haus der Familie). Foto: Silke Derkum-Homburg (© Silke Derkum-Homburg, HK)

Versmold. Zwei Dinge haben sie alle gemeinsam. Sie wissen, wie es sich anfühlt, sprachlos zu sein. Und sie wollen etwas von der Hilfe zurückgeben, die sie vor Jahren empfangen haben. Sechs Sprachlotsen gibt es derzeit in Versmold, einen in Borgholzhausen. Sie gehören zu der Gruppe von 96 Ehrenamtlichen, die im Kreis Gütersloh unterwegs sind, wenn es Verständigungsschwierigkeiten gibt.

Vor allem bei Elterngesprächen in Kindergärten und Schulen werden die Dienste der Lotsen angefordert. Aber auch bei Jugendämtern, Jobcenter, Behörden und Vereinen sind sie gefragt. „Ich habe ungefähr acht bis zehn Einsätze im Jahr", sagt Snezana Cosic. Die Versmolderin übersetzt für die serbokroatische Community. „Ich bin mit zehn Jahren nach Deutschland gekommen und konnte kein einziges Wort verstehen", erzählt sie. „Jetzt möchte ich helfen, weil ich weiß, wie wichtig das ist."

So geht es auch dem Ehepaar Constantin und Violeta Samu aus Rumänien. „Wir sind vor 29 Jahren nach Deutschland gekommen und konnten noch nicht einmal Wasser für unsere Kinder kaufen, weil wir das Wort dafür nicht kannten. Dann hat Gott uns einen guten Mann geschickt, den wir zufällig an einer Bushaltestelle getroffen haben. Er hat uns ab da geholfen", berichtet Constantin Samu. „Noch heute haben wir Tränen in den Augen, wenn wir von ihm sprechen", ergänzt Violeta Samu.

Großer Bedarf bei Rumänisch und Bulgarisch

Das rumänische Ehepaar ist ganz neu im Sprachlotsenpool der Stadt Versmold – und ein echter Glücksfall, sagt Nelson Rodrigues, Koordinator beim Kommunalen Integrationszentrum des Kreises. Denn gerade für Rumänisch und Bulgarisch steigt der Bedarf durch die Zuwanderung der Werkvertragsarbeitnehmer massiv an, und es gibt im Gegenzug kaum Sprachlotsen.

Rodrigues legt Wert darauf, dass man zwischen Sprachlotsen und den Alltagsdolmetschern, wie zum Beispiel aus dem Freundes- oder Familienkreis, unterscheidet. Die Sprachlotsen absolvieren eine circa 35-stündige Ausbildung, die acht Module umfasst. Sie sind zu absoluter Neutralität verpflichtet, haben in ihrer Ausbildung Techniken des Dolmetschens und Fachsprache erlernt und sich auch mit der eigenen Rolle auseinandergesetzt.

„Es ist nicht immer leicht, bei bestimmten Gesprächen zu übersetzen", sagt Kerstin Walter vom Versmolder Haus der Familie, die gemeinsam mit Dagmar Kölkebeck die Einsätze für Versmold koordiniert. Zum Beispiel, wenn es beim Jugendamt darum geht, dass ein Kind aus einer Familie genommen werden soll. Allerdings können die Sprachlotsen vorher Bereiche ausschließen, in denen sie nicht übersetzen möchten.

Eine Aufwandsentschädigung wird gezahlt

Insgesamt 40 Sprachen sind im Sprachlotsenpool des Kreises Gütersloh vertreten. Die Lotsen werden nicht nur in ihrem Ort eingesetzt, sondern können im gesamten Kreis angefordert werden. Sie bekommen eine Aufwandsentschädigung von 15 Euro pro 90 Minuten, in denen die Fahrzeit enthalten ist. In Versmold ist das Haus der Familie Ansprechpartner, ` (0 54 23) 9 30 20 8, in Borgholzhausen das Kreisfamilienzentrum, ` (0 54 25) 9 32 89 6. Es werden sowohl noch Sprachlotsen gesucht, als auch gemeinnützige Institutionen, die die Dienste in Anspruch nehmen möchten.

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