Verbotene Versuche: Versmolder hantiert mit Sprengstoff im Wald

Ein 22-Jähriger musste sich vor Gericht verantworten, weil er mit explosiven Stoffen experimentierte. Das Verfahren wurde eingestellt. Der Fall entpuppte sich als harmloser als anfänglich vermutet

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Einsatz: Stundenlang durchsuchten LKA-Beamte im Sommer 2017 ein Wohnhaus in Versmold und sicherten Material. - © Tasja Klusmeyer
Einsatz: Stundenlang durchsuchten LKA-Beamte im Sommer 2017 ein Wohnhaus in Versmold und sicherten Material. (© Tasja Klusmeyer)

Versmold (anke/tas). Der Einsatz sorgte im August 2017 für Aufsehen in einer Versmolder Wohnsiedlung. Landeskriminalamt und Bundespolizei durchsuchten auf Anordnung der Generalstaatsanwaltschaft Celle einen Vormittag lang ein Haus. Ein damals 20-Jähriger stand in Verdacht, explosive Stoffe zu besitzen und mit diesen unerlaubterweise umgegangen zu sein.

Das Haller Amtsgericht verhandelte in dieser Woche gegen den heute 22-Jährigen. Zusammen mit einem Bielefelder soll er sich nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bereits Ende 2016 für Sprengstoffe und den Bau von Sprengkörpern interessiert haben. Dazu schauten sich die beiden Männer auf verschiedenen Internetseiten um und lernten dort einen Mann aus Melle kennen.

Bewährungsstrafe für Meller

Die beiden Angeklagten und der gesondert verfolgte Meller, der inzwischen zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt worden ist, trafen sich am 24. Juli 2017 in einem Waldstück an der Borgholzhausener Straße in Melle und ließen dort Sprengkörper detonieren. Den Recherchen der Ermittler zufolge verwendeten sie dazu den Sprengstoff HMTD (Hexamethylentriperoxyddiamin), einen Initialsprengstoff, der nicht aufwendig gezündet werden muss, sondern durch kleinste Einwirkungen explodiert.

Kurz nach diesen verbotenen Versuchen im Wald fand bei dem Meller eine Hausdurchsuchung statt, bei der explosive Stoffe sichergestellt worden waren. Seinerzeit konnten auch politische Hintergründe nicht ausgeschlossen werden, weshalb die Generalstaatsanwaltschaft Celle in ihrer Eigenschaft als Zentralstelle für Terrorismus involviert war.

Sie ermittelte auch gegen den Versmolder und den Bielefelder. Bei den am 23. August 2017 durchgeführten Hausdurchsuchungen wurden kleine Mengen des Sprengstoffs gefunden. Die Beschuldigten gaben zu, damit experimentiert zu haben, was aber nie wirklich zum Erfolg geführt habe.

Jugendgerichtshilfe sieht gute Entwicklung

„Wir haben gemerkt, dass wir einfach nicht genug über die Materie wissen, und haben daher ziemlich schnell davon Abstand genommen", erklärte der Versmolder jetzt dem, Gericht. Man habe gemerkt, dass es umfassende Kenntnisse über Chemikalien und ihre Eigenschaften brauche, um Sprengkörper herzustellen. Der Versmolder gab weiter an, dass man für die Versuche im Wald kein HMTD verwendet habe. Man habe einen Blitzknallsatz (BKS) hergestellt. Daraus habe man Böller gemacht, die normal per Zündschnur gezündet wurden.

Die beiden Männer sind nicht einschlägig vorbestraft. Daher schlug die Vertreterin der Staatsanwalt vor, das Verfahren einzustellen. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bestätigte, dass eine Abkehr von allem, was zwischen Dummejungenstreich und Straftat liege, stattgefunden habe. Beide Heranwachsenden arbeiten und haben sich seit 2017 nichts mehr zu Schulden kommen lassen. „Ich habe den Eindruck, dass Sie verstanden haben, dass der Umgang mit Sprengstoffen jeglicher Art verboten ist", sagte der Haller Amtsrichter und stimmte dem Vorschlag der Staatsanwaltschaft schließlich zu.

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