Kampf gegen giftige Raupen

In Versmold ist der Eichenprozessionsspinner auf dem Vormarsch. Bekämpft werden nur Nester nahe Einrichtungen für Kinder. An anderen Orten ist Vorsicht geboten

Silke Derkum-Homburg

Gut geschützt: Solange die Raupen in ihren Gespinsten sitzen und man sie von Ferne beobachtet, ist die Gefahr gering. Erst bei Berührung beziehungsweise beim Einsaugen fliegen die feinen Härchen umher. Deshalb arbeitet Felix Klein nur mit Schutzanzug und Atemmaske. - © Silke Derkum-Homburg, HK
Gut geschützt: Solange die Raupen in ihren Gespinsten sitzen und man sie von Ferne beobachtet, ist die Gefahr gering. Erst bei Berührung beziehungsweise beim Einsaugen fliegen die feinen Härchen umher. Deshalb arbeitet Felix Klein nur mit Schutzanzug und Atemmaske. (© Silke Derkum-Homburg, HK)

Versmold. Felix Klein ist in diesen Tagen ein gefragter Mann. „Für die nächsten drei bis vier Wochen bin ich ausgebucht", sagt der Schädlingsbekämpfer aus Harsewinkel. Der Auslöser, der ihm dieses Auftragshoch beschert, ist der Eichenprozessionsspinner. Die Raupe ist von Anfang Mai bis Anfang Juli auf Eichen aktiv, bis sie sich verpuppt und in einem Gespinstnest auf die Verwandlung zum Schmetterling wartet.

Genau solche Gespinstnester hatten die Erzieherinnen der AWO-Kita Villa Kunterbunt in einem Grünstreifen zwischen Ostendorfs Hof und Julie-Steinfeld-Straße in der Nähe ihrer Kita entdeckt und die Stadt informiert. Auch auf dem Schulhof der Grundschule Loxten war, wie berichtet, die Raupe gesichtet und das Gelände sofort gesperrt worden.

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Entwarnung in Steinhagen

Mitarbeiter des Bauhofs und eines Fachunternehmens haben am Montag ein weiteres Mal den Schulhof der Grundschule Brockhagen kontrolliert und letzte Reste von Nestern des Eichenprozessionsspinners entfernt. Wie Schulamtsleiterin Gabi Schneegaß mitteilte, wurde der Schulhof danach wieder freigegeben. Wie berichtet, waren an einer Eiche mehrere Nester der gefährlichen Raupe entdeckt worden. Die feinen Härchen der Raupe können die Oberhaut und die Schleimhäute reizen. Es können Juckreiz, Entzündungen und im schlimmsten Fall Asthma auftreten. Die Grundschule Brockhagen hatte darum den Schulhof sicherheitshalber gesperrt. Die Schule ist jedes Jahr von dem Befall betroffen. Weitere Fälle auf öffentlichen Plätzen sind im Steinhagener Rathaus bisher nicht bekannt. (fja)

Mindestens zehn Meldungen ans Ordnungsamt

Mindestens zehn derartige Meldungen hat Ordnungsamtschef Thomas Tappe in den vergangenen drei Wochen erhalten. Vor allem in Peckeloh unter anderem an der Zeisigstraße, der Seenstraße, der Bleekstraße und auf dem Golfplatz wurden Raupen gemeldet.

Die Bereiche wurden mit Flatterband abgesperrt. Zugleich wurde auf die Vernunft der Passanten gesetzt, dass sie sich fernhalten. Abgesaugt, so wie am Montag an der Grundschule Loxten und der AWO-Kita, werden diese Nester nicht. „Das können wir gar nicht leisten", sagt Tappe. Man beschränke sich auf die Bekämpfung in der Nähe von Spielplätzen und Einrichtungen für Kinder.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein relativ neues Phänomen in Versmold und im ganzen Kreis Gütersloh, sagt Tappe. „Im vergangenen Jahr hatten wir zum ersten Mal einige Fälle hier und waren damit die einzigen im Kreis", sagt Tappe. Das Phänomen sei wohl von Warendorf und Bad Laer aus nach Versmold eingewandert, vermutet Tappe, denn dort kannte man sich mit den Tieren bereits bestens aus.

Steigerung von geschätzt bis zu 400 Prozent

Inzwischen melden auch Greffen und Brockhagen den Raupenbefall, sagt Felix Klein. „Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben wir jetzt eine Steigerung von 300 bis 400 Prozent", schätzt er. Die Raupen, die sich am Grünstreifen an Ostendorfs Hof eingesponnen haben, befänden sich im dritten Entwicklungsstadium. In dem würden sie noch etwa ein bis zwei Wochen so bleiben, schätzt Klein. Es sind vor allem die feinen Härchen der Raupe, die bei Berührung starkes Brennen der Haut, allergische Reaktionen sowie Atembeschwerden auslösen können, erklärt er.

Kaum zu sehen: Die Nester der Eichenprozessionsspinner gleichen farblich den Baumrinden. - © Silke Derkum-Homburg, HK
Kaum zu sehen: Die Nester der Eichenprozessionsspinner gleichen farblich den Baumrinden. (© Silke Derkum-Homburg, HK)

Wichtig sei es, nicht nur die Raupen, sondern auch die Nester vollständig zu entfernen, da die feinen Härchen in diesen noch fünf bis sieben Jahre hafteten und Reaktionen auslösen könnten. Um sich selbst bei der Bekämpfung zu schützen, trägt Felix Klein einen Schutzanzug und eine Atemmaske. Er besprüht die Gespinste mit einer Zuckerlösung, damit die Härchen nicht umherfliegen, und saugt sie dann mit einem Sauger ein. In wenigen Sekunden ist die Gefahr gebannt und die Eichen sind raupenfrei.

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