Wertvolle Nummern: Versmolds Storchenkinder tragen nun Ringe

Jährlich stehen NRW-weit nur 200 Ringe für Weißstörche zur Verfügung. Am Donnerstag wurden sechs in Versmold vergeben. Ein Zeichen, dass die Tiere gute Lebensbedingungen vorfinden

Tasja Klusmeyer

Was war denn das?: Geschafft und überrumpelt von der Beringung sagen die Jungstörche im Horst erstmal nichts mehr. Wenig später haben sie wieder die gewohnte Ruhe. - © Tasja Klusmeyer, HK
Was war denn das?: Geschafft und überrumpelt von der Beringung sagen die Jungstörche im Horst erstmal nichts mehr. Wenig später haben sie wieder die gewohnte Ruhe. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Der Akt in luftiger Höhe dauert nur wenige Minuten. Das Klicken, als Michael Jöbkes den Ring ansteckt, ist selbst von Boden aus zu vernehmen. Dreimal macht es das Geräusch, ein Foto mit Nummer zur Sicherheit, dann lässt der Hubsteiger den Experten der Vogelschutzwarte Recklinghausen zusammen mit Bernhard Walter, Leiter der Biologischen Station Gütersloh-Bielefeld, wieder hinunter.

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres sind die beiden Fachmänner im Versmolder Bruch unterwegs, um Ringe zu vergeben. Michael Jöbges, Leiter der Landes-AG Weißstorch NRW, macht dies ehrenamtlich und ist landesweit dazu legitimiert. Viele Anfragen gehen bei ihm ein; erfüllen kann er sie nicht alle. Denn nur 200 von etwa 600 Jungstörchen darf er pro Jahr beringen. Im Gegensatz zu anderen Arten sind die Weißstörche reglementiert.

Überdurchschnittlicher Bruterfolg

Umso genauer schaut der Experte hin, welchen Tieren er einen Ring ansteckt. Schließlich erhoffen sich die Ornithologen durch die Nummerierung wichtige Erkenntnisse über das weitere Leben der kleinen Küken. Die sind angesichts des Besuchs am Horst, der am Boden gespannt von Storchen-Sympathisanten verfolgt wird, etwas irritiert. Fliehen können sie nicht. Ihre ersten Flugversuche werden die etwa fünf bis sechs Wochen alten Vögel erst in zwei Wochen unternehmen. Weitere zwei bis drei Wochen wird es dann dauern, bis sich der Familienverbund auflösen und sich der Nachwuchs auf den Weg machen wird.

Nach den drei Ringen am bekannten Horst im Bruch gehts für Jöbges und Walter zu einer weiteren Storchenfamilie auf Versmolder Gebiet. Auch dort werden drei Vögel beringt.

"Ein schöner Naturschutzerfolg"

Der überdurchschnittliche Bruterfolg – die Regel sind 2,1 Küken pro Paar – zeige, dass die Qualität des Lebensraumes vor Ort gut sei. Entscheidend dafür sei die Landschaft drumherum, die vor allem ausreichend Nahrung bieten müsse. Plattformen allein, die von Menschenhand aufgestellt würden, reichten nicht, sagt Jöbges.

So berichtet Bernhard Walter von einem Fall auf Kreisgebiet, wo die Storchenjungen jüngst auf dem Horst gestorben seien, „vollgestopft mit Dreck und Gras". Was ein Hinweis sein könnte, „dass sie nicht ausreichend Nahrung gefunden haben".

Im Bruch ist der Tisch momentan reich gedeckt; bis drei Brutpaare kann das Gebiet gut ernähren. Die Voraussetzungen für den Nachwuchs also sind gut. Insgesamt ist der Bestand an Weißstörchen in NRW stabil. 1990 gab es nur noch drei Brutpaare in der Weseraue im Kreis Minden-Lübbecke, 2018 waren es 320. „Das ist ein schöner Naturschutzerfolg", sagt Michael Jöbges.

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