Dem Versmolder Jibi-Markt droht eine schwierige Zukunft

Von der großen Modernisierung ist beim Jibi-Markt weiter nichts zu sehen. Stattdessen bringen sich andere in Position. Der geplante Rewe-Standort wird laut Gutachten spürbare Auswirkungen haben

Tasja Klusmeyer

Seltener Schriftzug: Der Name Jibi ist seit der Übernahme durch die Bünting-Gruppe an vielen Märkten verschwunden und durch Combi ersetzt worden. An der Ringallee hingegen wartet man weiter auf die Umstellung aufs neue Marktkonzept – und erst recht auf längst genehmigten Teilabriss und Neubau. - © Tasja Klusmeyer, HK
Seltener Schriftzug: Der Name Jibi ist seit der Übernahme durch die Bünting-Gruppe an vielen Märkten verschwunden und durch Combi ersetzt worden. An der Ringallee hingegen wartet man weiter auf die Umstellung aufs neue Marktkonzept – und erst recht auf längst genehmigten Teilabriss und Neubau. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Vielerorts machen die Jibi-Schilder Platz für den Namen Combi. Seit Anfang 2015 ist die im ostfriesischen Leer ansässige Bünting-Gruppe Inhaberin der Lebensmittelmärkte und strukturiert sukzessive um. Nicht so in Versmold. An der Ringallee prangt nach wie vor groß der Schriftzug Jibi. Allein im Parkplatzbereich weht seit geraumer Zeit frischer Wind. Auf den Fahnen ist inzwischen Combi statt Jibi zu lesen.

Es geht nicht allein um die Umbenennung und um das, was draufsteht. Inhaltlich stellt Bünting seine Märkte aufs einheitliche Combi-Konzept um und modernisiert die Standorte. Für Versmold bestehen noch aus Zeiten vor dem Eigentümerwechsel gar große Um- und Neubaupläne.

Wie berichtet hatte ein Anwohner gegen die vom Kreis Gütersloh erteilte Baugenehmigung geklagt. Juristisch ist der Fall seit längerem geklärt. Im Oktober 2016 gab das Verwaltungsgericht Minden und kurz danach die nächsthöhere Instanz in Münster dem Kreis recht. Damit wäre der Weg für die Erweiterung frei gewesen.

Bünting-Gruppe hält am Standort fest

Die Bünting-Gruppe bekräftigt seitdem immer wieder, die Pläne weiter zu verfolgen. „Auch für Versmold ist die Umstellung auf die neue Marktgeneration vorgesehen", hieß es beispielsweise Anfang 2018 vom Unternehmen. Seitdem allerdings hat sich die Ausgangssituation im örtlichen Lebensmitteleinzelhandel verändert. Der Rewe-Markt wird vom Marktplatz auf das Nagel-Areal an die Münsterstraße ziehen. Das dafür erforderliche Bauleitverfahren hat die Stadt auf den Weg gebracht und zunächst verschiedene Gutachten eingeholt.

Eines davon ist die Auswirkungsanalyse der GMA (Gesellschaft für Absatz und Marktforschung). Im Februar 2019 wurden, wie berichtet, die wesentlichen Aussagen der Politik vorgestellt, unter anderem die voraussichtlichen Kaufkraftbewegungen. Demnach werde die Erweiterung des Rewe-Marktes einen Umsatz von 2,9 Millionen neu generieren, 2,6 Millionen Euro davon bei Lebensmitteln. Die GMA rechnet mit einer Umsatzumverteilung innerhalb des zentralen Versorgungsbereiches in Höhe von zwölf Prozent, was etwa 700.000 bis 800.000 Euro entspricht.

Gutachten rechnet mit Nachteilen für Jibi

Verlierer wäre in erster Linie der Jibi-Markt, direkter Wettbewerber im Sortiment Nahrungs- und Genussmittel innerhalb des definierten Gebietes, dem die GMA in ihrer Analyse „keinen zeitgemäßen Marktauftritt" bescheinigt.

Der größte Anteil der Umsatzumverteilung entfalle auf den Jibi-Markt, so die GMA. „Dieser ist damit stärkeren Wettbewerbswirkungen ausgesetzt." Aufgrund der Umverteilungswirkung könne „von einer betrieblichen Schwächung ausgegangen werden".

Wie geht man bei der Bünting-Gruppe mit den aktuellen Entwicklungen um? Immer wieder kursieren in Versmold Gerüchte, dass die Tage des Marktes an der Ringallee gezählt sein könnten. Von einer Schließung sei man weit entfernt, lässt die Unternehmensgruppe auf Anfrage des Haller Kreisblattes über die für Pressearbeit zuständige Agentur Impact mitteilen.

Vorhaben wird "neu bewertet"

Am Standort Versmold werde festgehalten, ebenso an dem Modernisierungsvorhaben. Vor dem Hintergrund der sich verändernden Wettbewerbssituation würden die Pläne zurzeit neu bewertet. Wie lange die Prüfung dauere und was genau sie beinhalte, ist nicht zu erfahren. Da bleibt Bünting seiner Linie treu. Noch hätte Jibi mit der vorliegenden Baugenehmigung einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Zumal die Krise des Unternehmens inzwischen überstanden scheint. Im Januar verkündete die Geschäftsführung, nach turbulenten Jahren der Konsolidierung wieder schwarze Zahlen zu schreiben und expandieren zu wollen.

Mit dem Rewe-Umzug in Versmold dagegen wird es noch etwas dauern. Zunächst muss das Bauleitverfahren vorangebracht werden. Anfang 2020 will das Autohaus Nagel ins Interkom gezogen sein; erst danach sind Abriss und Neubau an der Münsterstraße möglich.

Ebenso befinden sich die Pläne des Discounter-Riesen Aldi zurzeit in der Warteschleifen. Modernisiert ist der Markt an der Wirusstraße inzwischen. Ob der geplante Abriss samt deutlich größerem Neubau umgesetzt werden kann, ist ungewiss. Das Vorhaben ist ein Fall für die Juristen geworden. Der Kreis hatte eine Bauvoranfrage negativ beschieden. Die Anwälte der BGB-Grundstücksgesellschaft Herten, Bauherrin vieler Aldi-Märkte, reichte Klage ein. Eine Entscheidung hat das Verwaltungsgericht Minden bislang nicht gefällt.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.