Bekommt Versmold nun doch eine Schweinchen-Ampel?

In Bergkamen leuchten seit gut einer Woche Bergmänner auf Fußgängerampeln. In Versmold war man mit einem ähnlichen Vorstoß gescheitert. Damit will man sich nicht abfinden

Tasja Klusmeyer

Gibt nicht auf: Kalle Möller hofft weiterhin darauf, dass in Versmold die Ampel-Schweinchen den Fußgängern künftig rotes und grünes Licht senden. - © Tasja Klusmeyer
Gibt nicht auf: Kalle Möller hofft weiterhin darauf, dass in Versmold die Ampel-Schweinchen den Fußgängern künftig rotes und grünes Licht senden. (© Tasja Klusmeyer)

Versmold. Sie sollten ein besonderer Hingucker im Jubiläumsjahr werden: Fußgängerampeln, auf denen die für Versmold typischen Schweinchen den Fußgängern Rot und Grün weisen. Der gebürtige Versmolder Karl-Heinz »Kalle« Möller hatte die Idee anlässlich »300 Jahre Stadtrechte« an die Verwaltung herangetragen. Bürgermeister Michael Meyer-Hermann erkundigte sich beim Kreis, der wiederum an das Berliner Verkehrsministerium verwies. Im Frühjahr kam die Antwort aus der Bundeshauptstadt, wonach laut Straßenverkehrsordnung aus Sicherheitsgründen einheitliche Verkehrszeichen verwendet werden müssten. Die Regelungen dienten der Unfallverhütung und stellten damit Gefahrenabwehr dar. Ausnahmen seien nicht erwünscht.

Eine Ansicht, die für Kalle Möller nicht nachzuvollziehen war. Im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt, das in seiner Jubiläumsbeilage im April über das Thema berichtete, sagte er: „Die Farbe ist doch wichtig – egal ob da ein Hampelmann oder ein Schwein auf der Ampel ist." In Mainz beispielsweise funktionierten Mainzelmännchen ja auch. Den schlauen Det in Rot und Grün gibt es dort seit 2016.

Seitdem wird immer wieder über Symbole mit Lokalkolorit diskutiert. Und viele von ihnen werden umgesetzt, wie aktuell das Beispiel aus Bergkamen zeigt. In der Bergbau-Stadt wurden Anfang Juni Ampelanlagen in Betrieb genommen, auf denen kleine Bergmänner mit Helm und Grubenlampe leuchten.

"Entscheidung liegt bei der Kommune"

Da kommt die Frage auf: Warum geht im Ruhrgebiet das, was in Versmold angeblich nicht möglich ist? Das Haller Kreisblatt erkundigt sich beim Düsseldorfer Verkehrsministerium. Und die Pressestelle verweist auf eine Sitzung des Verkehrsausschusses im Dezember, in der die Landesregierung aufgrund mehrerer Anfragen zum Thema berichtete.

Bereits im Juni, so heißt es darin, habe das Ministerium in einem Erlass klargestellt, dass „die Entscheidung über die Einführung solcher Ampelmännchen ausschließlich in der Zuständigkeit der Kommunen als örtliche Straßenverkehrsbehörde liegt". Der Haken an der Sache: Für Schäden, die auf die abweichende Gestaltung zurückzuführen seien, hafte die Kommune. Das Ministerium selbst hat „erhebliche grundsätzliche und vor allem verkehrssicherheitstechnische Bedenken gegen jedwede Modifikation amtlicher Verkehrs- und Lichtzeichen".

In Emden läuft Otto bei Grün los

Offenbar sind viele Orte bereit, das Risiko in Kauf zu nehmen. Bergkamen ist nur ein Beispiel dafür. In Emden (Niedersachsen) gab der Stadtrat im Mai grünes Licht für vier Fußgängerampeln, auf denen ein Abbild des Komikers Otto Walkes zu sehen ist. Allerdings in abgespeckter Version. Während der Rotphase bleibt es bei den herkömmlichen Männchen. Ursprünglich waren die bekannte Ottifanten als Motiv im Gespräch. Von tierischen Symbolen nahm man mit Verweis auf die Straßenverkehrsordnung Abstand.

Tiere wird es bald in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart geben. Medienberichten zufolge hat sich der lange Kampf des »Äffle und Pferdle«-Fanclubs ausgezahlt. Der Petitionsausschuss des Landtags sprach sich jüngst dafür aus, die beiden schwäbischen Kultzeichentrickfiguren auf einer Ampel an einer prominenten Stelle zu installieren – neben einer regulären Fußgängerampel, finanziert vom Fanclub.

Ob Versmold doch noch eine Schweinchen-Ampel oder alternativ einen Wurstträger als Symbol bekommt, soll jetzt geklärt werden. Bürgermeister Michael Meyer-Hermann wartet noch auf eine Antwort aus Düsseldorf, die in etwa so ausfallen dürfte wie die Stellungnahme, die das HK erhalten hat. „Wir bleiben weiter dran", sagt Meyer-Hermann. Kalle Möller freut sich über die Entwicklung. „Ich habe die Hoffnung, dass sich noch etwas tut."

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