Das Leben ist wie eine Achterbahn: Samuel Koch liest in Versmold

Konzertlesung: Samuel Koch und Samuel Harfst begeistern in der Petri-Kirche. Ein Naturschauspiel rückt dabei unverhofft in den Mittelpunkt des Abends

Andre Schneider

Konzertlesung: Sänger Samuel Harfst (links) und Schauspieler Samuel Koch (Mitte) begeisterten das Publikum in der Petri-Kirche. »Buchhalterin« Nora Leiendecker assistierte. - © Andre Schneider
Konzertlesung: Sänger Samuel Harfst (links) und Schauspieler Samuel Koch (Mitte) begeisterten das Publikum in der Petri-Kirche. »Buchhalterin« Nora Leiendecker assistierte. (© Andre Schneider)

Versmold. Die Sonne strahlt durch das hintere Fenster der Petri-Kirche. Für Samuel Koch ein besonderer Moment. Der Schauspieler, der seit seinem schweren Unfall in der TV-Show »Wetten, dass...?« auf den Rollstuhl angewiesen ist, lenkt die Aufmerksamkeit seines Publikums für einen Moment auf das Naturschauspiel. Was folgt ist eine packende Konzertlesung zusammen mit dem christlichen Musiker Samuel Harfst.

Die Lesung wirkt wie ein lockeres Treffen zweier Freunde. Die Behinderung Samuel Kochs gerät in den Hintergrund. Nur einmal, ganz am Anfang, bekommen die Zuschauer einen kurzen Eindruck von Kochs schwerem Schicksal. Er betritt die Bühne, die Magnus Froböse und ehrenamtliche CVJM-Mitarbeiter aufgebaut hatten, in seinem elektronischen Rollstuhl. Koch begrüßt das Publikum schüchtern mit einem vorsichtigen „Hallo" – die Sympathie seiner Zuhörer hatte er spätestens jetzt gewonnen.

Koch kannte das verstorbene Rennsport-Idol Niki Lauda

Samuel Koch liest in der voll besetzten Petri-Kirche aus seinen Büchern. Der Sänger Samuel Harfst – in der christlichen Musik-Szene einer der Top-Stars – singt Stücke seines aktuellen Albums. Viele der Zuschauer singen mit. Aber vor allem die lockeren Gespräche faszinieren, bringen das Publikum zum Schweigen, zum Stauen oder zum Lachen. Koch berichtet über seinen Bekannten: Rennsport-Idol Niki Lauda.

Begrüßte die Gäste: Pfarrer Dirk Leiendecker. - © Andre Schneider
Begrüßte die Gäste: Pfarrer Dirk Leiendecker. (© Andre Schneider)

„Vorgestern haben wir uns über ihn unterhalten", berichtete Samuel Harfst über ein Gespräch aus dem Hotelzimmer mit seinem Freund Samuel Koch. „Als ich gehört hatte, dass er in Frieden eingeschlafen ist, glaube ich, dass es ein Stück weit Erlösung war", sagt Koch.

Spätestens bei der musikalischen Zugabe haben die Zuhörer Gänsehaut

„Glück gibt es nur in ganz kurzen Momenten", meint der Autor und vergleicht das Leben mit einer Achterbahn: „Bei der Achterbahn ist die Talfahrt das Schönste – allerdings nur mit der Erwartung, dass es wieder bergauf geht." Hier fragt Samuel Harfst nach: „Meinst du also, dass man Glück gar nicht so richtig nachhelfen kann?" Man könne sich „aktiv Leid zufügen", erklärt Koch. „Aber genauso ginge es andersherum."

Wie Menschen trotz eines schweren Schicksalsschlages glücklich sein können – Samuel Koch bietet ein eindrucksvolles Beispiel. Mindestens genauso viel Hoffnung verbirgt sich in den Stücken von Samuel Harfst. Spätestens bei der Zugabe mit dem Titel »Privileg« hat jeder Besucher Gänsehaut.

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