Zukünftig soll jede Milchkanne online erreichbar sein

Breitbandausbau: Damit auch die letzten 500 Versmolder Adressen ohne schnelles Internet versorgt werden, stellt der Stadtrat 1,1 Millionen Euro zur Verfügung. Bis zur Umsetzung dauert es einige Jahre.

Silke Derkum-Homburg

Der Breitbandausbau soll bis 2022/23 abgeschlossen sein. - © Silke Derkum-Homburg
Der Breitbandausbau soll bis 2022/23 abgeschlossen sein. (© Silke Derkum-Homburg)
Grobnetzplanung: Auf dieser Karte sind die unversorgten Haushalte mit gelben Punkten markiert. Die roten Linien zeigen die Trassen an, die vom Verteiler bis in den Keller der Häuser gebaut werden. Anders als andere Orte zeichnet Versmold sich durch seine zersiedelte Struktur aus, was die Planungen aufwendiger macht. Die Karte ist auf www.versmold.de im Ratsinformationssystem zu finden. - © Silke Derkum-Homburg
Grobnetzplanung: Auf dieser Karte sind die unversorgten Haushalte mit gelben Punkten markiert. Die roten Linien zeigen die Trassen an, die vom Verteiler bis in den Keller der Häuser gebaut werden. Anders als andere Orte zeichnet Versmold sich durch seine zersiedelte Struktur aus, was die Planungen aufwendiger macht. Die Karte ist auf www.versmold.de im Ratsinformationssystem zu finden. (© Silke Derkum-Homburg)

Versmold. Im Sommer will die Telekom, wie berichtet, mit dem Netzausbau für rund 1.500 Adressen in den Außenbereichen beginnen, die bisher mit 30 Mbit pro Sekunde oder weniger surfen müssen. Für die dann immer noch unversorgten 497 Haushalte hat der Stadtrat am Donnerstag den Weg für schnelles Internet geebnet.

Als „eines der größten Infrastrukturprojekte, das in Versmold je angegangen worden ist", bezeichnete Bürgermeister Michael Meyer-Hermann den Breitbandausbau. Das Ziel der Stadt, allen Haushalten einen schnellen Internetanschluss zur Verfügung zu stellen, soll nun in der sechsten Runde des Bundesförderprogramms Breitbandausbau umgesetzt werden.

Die Kosten des Ausbaus für die letzten 497 Adressen werden insgesamt mit rund elf Millionen Euro kalkuliert. Genauer gesagt, die sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke wird mit elf Millionen Euro angegeben, die Kosten betragen mehr als das Doppelte. Von den elf Millionen trägt der Bund 5,5 Millionen Euro, das Land übernimmt 4,4 Millionen und die Stadt Versmold trägt die restlichen zehn Prozent, also 1,1 Millionen Euro. Das sind umgerechnet auf jede Adresse 22.000 Euro an öffentlichen Förderung, die Stadt trägt daran einen Anteil von 2.200 Euro.

Einstimmig, trotz kritischer Einwände

Zwar sprachen sich die Stadtratsmitglieder einstimmig für die Bereitstellung des Geldes aus Haushaltsmitteln aus, trotzdem gab es in der Diskussion auch kritische Einwände. Heiner Kamp (FDP) erkundigte sich, ob angesichts der hohen Fördersumme auch ein Eigenanteil der Haushalte eingezogen werden könne. Ja, antwortete Jan Dübner, Breitbandkoordinator des Kreises Gütersloh, aber davon würde Versmold nur zehn Prozent bekommen. „Wir stellen 22.000 Euro für 500 Privilegierte bereit. Was ist mit den anderen?", fragte Thomas Beuge (Grüne). „Für uns gilt: Internet an jeder Milchkanne. Wir sind froh, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, die 500 Haushalte anzuschließen", antwortete Liane Fülling (SPD). Ulrich Wesolwski (CDU) meinte: „Alle wollen Digitalisierung, aber wenn es dann los geht, ist klein-klein-angesagt."

Bis es aber losgeht, können noch einige Jahre ins Land ziehen. Im Herbst will der Kreis Gütersloh im Namen der betroffenen Kommunen den Förderantrag stellen. Dessen Bewilligung wird einige Monate dauern. Danach wird europaweit ausgeschrieben, so dass frühestens im ersten Halbjahr 2020 ein Unternehmen gefunden sein wird, das den Ausbau umsetzt. Wie schnell dann gearbeitet wird, liegt nur bedingt in der Hand der Behörden. Fachbereichsleiter Dirk Niggemann schätzt, dass zwischen ein und drei Jahre ins Land ziehen können, so dass es 2022/23 dauert.

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