Versmold will Interkom-Erweiterung

Rund 40 Bürger appellierten noch einmal an den Stadtrat, das Gewerbegebiet nicht zu erweitern. Die Politiker blieben jedoch bei ihrer Meinung

Silke Derkum-Homburg

Bauabschnitt drei auf Versmolder Gebiet: Auf einer der beiden schraffierten Flächen hinter der Autobahn, könnte sich das Interkommunale Gewerbegebiet Borgholzhausen-Versmold ausdehnen. - © Ulrich Fälker
Bauabschnitt drei auf Versmolder Gebiet: Auf einer der beiden schraffierten Flächen hinter der Autobahn, könnte sich das Interkommunale Gewerbegebiet Borgholzhausen-Versmold ausdehnen. (© Ulrich Fälker)
Großer Andrang: Die Zuschauerplätze im Ratssaal waren voll besetzt. - © Silke Derkum-Homburg
Großer Andrang: Die Zuschauerplätze im Ratssaal waren voll besetzt. (© Silke Derkum-Homburg)

Versmold. Am Ende ging alles ganz ruhig über die Bühne. Mindestens 40 Bockhorster und Gegner der Erweiterung des Interkommunalen Gewerbegebietes saßen am Donnerstagabend im Zuschauerraum und hörten die Argumente der Politiker und Politikerinnen für die Erweiterung des Gebietes.

Zuvor hatte Thomas Brandherm als Sprecher der Gruppe noch einmal deren Sicht dargestellt. Das Hauptargument der Befürworter, Arbeitsplätze zu schaffen, ließ er nicht gelten. „Wir haben Vollbeschäftigung, man findet doch sowieso keine Fachkräfte mehr", sagte er. Stattdessen würden die Unternehmen osteuropäische Arbeitskräfte anheuern, die „sowieso nicht in Versmold sesshaft werden".

Zudem sei Versmold mit 40 Quadratmetern Gewerbefläche pro Einwohner überversorgt. Verl oder Halle hätten nur 30 Quadratmeter je Einwohner, Herzebrock-Clarholz 25. „Wir sollten auch Dienstleistungen ansiedeln", sagte Brandherm. „Ich bitte Sie, verbauen Sie unsere Zukunft nicht und nicht die unserer Kinder", schloss er seinen Appell.

Jetzt geht es darum, die Chancen zu erhalten

„Uns ist es wichtig, alle Belange zu berücksichtigen", hatte Bürgermeister Michael Meyer-Hermann zuvor in seinem Eingangsstatement betont. Trotzdem werde es nicht zu 100 Prozent gelingen, ein Nebeneinander von Landwirtschaft, Anwohnern und Betrieben zu erzielen. Der Vorschlag, über den der Stadtrat zu beschließen habe, sei „fundiert und abgewogen". „Wir haben die Verantwortung für eine Entscheidung, die weit über die Amtszeit der meisten hier hinausgeht." Es gehe darum, eine Chance aufrecht zu erhalten. Denn was jetzt nicht in den Regionalplan aufgenommen werde, werde 2035 auch nicht berücksichtigt. Meyer-Hermann führte noch einmal alle ihm bekannten Argumente der Gegenseite auf und versuchte sie zu entkräften.

„Es ist nicht so, dass nächste Woche die Bagger kommen", beschwichtigte Ulrich Wesolowski (CDU). Aber die Entscheidung müsse jetzt getroffen werden, um sich nicht von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung abzukoppeln. Er verwies auf das Beispiel Stockmeyer. Die Wurstfabrik siedelte 1980 von Versmold nach Füchtorf um. „Das hängt uns heute noch nach, ob wir zu blöd waren, Stockmeyer hier zu halten", so Wesolowski. Er appellierte an die Gegner, weiterhin dabei zu bleiben. „Wir müssen gemeinsam Lösungen finden, schlimm wäre es, wenn Sie sich jetzt abkoppeln. Wir müssen im Gespräch bleiben", sagte er.

Liane Fülling (SPD) schloss sich ihrem Vorredner weitgehend an und betonte, dass auch die vorherigen Bauabschnitte 1 und 2 des Interkom gemeinsam mit den Anliegern entwickelt worden seien.

Auch die Landwirtschaft ist wichtig

Für die Grünen lehnte Hans Kahre die Erweiterung ab. „Boden ist knapp und nicht vermehrbar", sagte er. Versmold habe einen guten Mix aus Industrie und Handel, aber auch eine funktionierende Landwirtschaft, die es zu schützen gelte.

In der finalen Abstimmung hoben 30 Mitglieder aus CDU, SPD, FDP und UWG sowie ein Fraktionsloser die Hand für die Erweiterung. Die drei Grünen stimmten dagegen. Je ein Mitglied der CDU und der SPD enthielt sich. Die anwesenden Bürgerinnen und Bürger nahmen das erwartbare Ergebnis ohne große Unmutsbezeugung zur Kenntnis.

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