Versmolder Kaufleute fürchten die Baustelle in der Innenstadt

Die Stadt informiert in einer Bürgerveranstaltung über die Pläne für Marktplatz und Berliner Straße. Vor allem der Handel verschafft sich dabei Gehör – und äußert seine Existenzsorgen. Zudem gab es Kritik

Tasja Klusmeyer

Im Fokus der weiteren Planung: Die Parkplatz- und Gehwegsituation an der Berliner Straße wurde diskutiert. Vor allem aber die Frage, wie weit die Umgestaltung reichen soll: nur bis zum Ende der Tempo-10-Zone (Höhe Rossmann) oder darüber hinaus? - © Tasja Klusmeyer, HK
Im Fokus der weiteren Planung: Die Parkplatz- und Gehwegsituation an der Berliner Straße wurde diskutiert. Vor allem aber die Frage, wie weit die Umgestaltung reichen soll: nur bis zum Ende der Tempo-10-Zone (Höhe Rossmann) oder darüber hinaus? (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Die Baustelle ist keine zwei Monate alt. Die Sorgen der Versmolder Händler sind schon kurz nach Start groß – dabei haben sie noch einige Jahre Innenstadtumgestaltung vor sich. Von mehreren Seiten ist von spürbaren Umsatzrückgängen zu hören, nicht allein im derzeitigen direkten Baustellenbereich an Münsterstraße und Altstadtstraße, sondern auch von anderen Stellen im Zentrum. Die veränderte Verkehrsführung scheint Kunden davon abzuhalten, die Versmolder Geschäfte aufzusuchen. Und so ging es am Montagabend bei der Vorstellung der Pläne für Abschnitt vier (Marktplatz) und fünf (Berliner Straße) nicht allein um das, was sich optisch in dem Bereich ändern wird.

Stadt soll mehr Druck bei Baufirma machen

Unverständnis äußerte Michael Biedendieck, Inhaber der Modehäuser M 1 und M 10, zum bisherigen Verlauf auf der Baustelle. „Gibt es eigentlich einen verbindlichen Bauzeitenplan?", wollte er wissen. „Es ist erschreckend, was bisher geleistet wurde." Freitagsmittags sei Schluss und samstags werde gar nicht gearbeitet „Wir sind hier nicht in einem Neubaugebiet, sondern mitten in der Innenstadt", kritisierte Biedendiek die Arbeitsmoral der ausführenden Firma. Die Stadt solle mehr Druck machen.

Planer Matthias Förder aus Essen gab dem Unternehmer recht. „Ich bin Ihrer Meinung. Heute zum Beispiel waren zu wenig Leute auf der Baustelle." Zusammen mit der Stadt werde man im Rahmen der Möglichkeiten „mehr Manpower" fordern. Grundsätzlich gebe es einen Bauzeitenplan, innerhalb dessen sich das Unternehmen seine Termine legen könne. „Wir stehen ihm jeden Tag in den Hacken", sicherte Bürgermeister Michael Meyer-Hermann zu. Insgesamt werde der Bauzeitenplan bisher eingehalten.

Das subjektive Empfinden aber, „das geht mir genauso", sei bislang ein anderes. Michael Meyer-Hermann begründet dies mit den Tiefbauarbeiten zu Beginn, die zwar aufwendig seien, aber wenig Sichtbares brächten. „Wir werden jetzt deutlich mehr Fortschritte sehen", sagte der Bürgermeister mit Blick auf die begonnenen Pflasterarbeiten. Inzwischen sind auf Forderung der Stadt zwei Bautrupps im Einsatz. Matthias Förder nannte ein Datum der Fertigstellung: 11. November für Abschnitt eins des ISEK.

Die Kritik am Baufortschritt zeigt, wie bedeutend das Thema für den Handel ist. „Wir haben Angst, dass sich die Menschen durch die Bauphase anders orientieren", sagte Geschäftsinhaberin Elke Büttner. „Einfach wird es nicht", äußerte auch Rose Dieckmann-Rose vom IGEV-Vorstand Sorgen.

Klar bezogen die Kaufleute zur Diskussion um eine mögliche Marktplatzsperrung Position, die im Planungsausschuss aufkam. „Dann wäre die Berliner Straße massiv abgetrennt", kritisierte Petra Blümel-Fischer, die mit ihrer Kornblume an der Berliner Straße ansässig ist. „Eine Sperrung gegen die Interessen des Handels ist nicht machbar",. meinte Anwohner Heinz Twelkemeier.

„Bei einer Sperrung schließen Geschäfte"

Rosi Dieckmann-Rose appellierte ebenso an die Stadt, es bei der Einbahnstraßenregelung am Marktplatz zu belassen. „Sonst wird es passieren, dass Geschäfte schließen. Ohne Autos bekommen wir es nicht." Durch die Umgestaltung und das Kirschblütenband solle doch die Verbindungsachse durch die Innenstadt betont werden. Mit einer Sperrung erreiche man genau das Gegenteil.

Unterstützung bekam sie von Bürgermeister Meyer-Hermann. „Schauen Sie das Einkaufs- und Fahrverhalten an." Vorteil von Versmold sei eben die gute Erreichbarkeit der Geschäfte und das müsse aus seiner Sicht so bleiben. „Ob Umwege ökologisch sinnvoll sind, sei dahingestellt."

Unter den etwa 60 Anwesenden der Bürgerbeteiligung befanden sich aber auch mehrere Befürworter einer Platzsperrung – zugunsten von Fußgängern, mehr Aufenthaltsqualität und der Gastronomie. Nicht allein die Interessen des Handels müssten Berücksichtigung finden, so die Meinung. „Man kann nicht wirklich entspannt mit Kindern am Brunnen sein", beklagte ein Zuhörer, der von seinen Erfahrungen als Kindergartenmitarbeiter berichtete. Er plädierte für einen autofreien Marktplatz.

Aus Sicht von Immobilieneigentümer Hans-Günter Aring ist nicht die Durchfahrt das Problem. „Der Brunnen müsste zehn Meter weiter runter, dann wären alle Probleme gelöst." Aber das, so hat die Erfahrung der Vergangenheit gelehrt, ist eine andere Geschichte ...

Info
Berliner Straße

  • Sperrung ja oder nein – beim Marktplatz war die Frage nach der Verkehrsführung wesentlicher Diskussionspunkt. Bei der Berliner Straße ging es insbesondere um den genauen Bereich der Umgestaltung.´ Die Tempo-10-Zone endet zurzeit Höhe Rossmann. Soll die Neupflasterung bis dorthin reichen oder – wie Planer Matthias Förder vorschlug – weiter in die Berliner Straße hinein? Beide Varianten sollen noch mal in der Politik diskutiert werden. Kosten und Verkehrsführung spielen dabei eine Rolle.
  • Der Planungsausschuss tagt am 5. Juni, der Stadtrat final am 4. Juli. Umgestaltung wäre – Fördergelder vorausgesetzt – 2021.

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