So sehen Versmolder aus: Darum stehen jetzt bunte Figuren in der Innenstadt

Um das Stadtjubiläum zu feiern, haben 15 Aktive des Versmolder Kunstkreises die »Vassemer« geschaffen. Skulpturen, die typische Versmolder aus den vergangenen drei Jahrhunderten symbolisieren

Silke Derkum-Homburg

Versmold. Seit Mittwoch hat die Versmolder Innenstadt ein paar Bewohner mehr. Sechs lebensgroße Skulpturen stehen zwischen Marktplatz und Küsterhaus auf der Straße und scheinen teilzunehmen am alltäglichen Leben der Versmolder.

Volksschullehrerin, 1967 – heißt diese Dame von Rüdiger Pfeffer. - © Tanja Hagenbäumer
Volksschullehrerin, 1967 – heißt diese Dame von Rüdiger Pfeffer. (© Tanja Hagenbäumer)

In den kommenden Tagen werden sie noch zusätzliche Gesellschaft bekommen von weiteren neun Figuren bekommen, die sich insgesamt auf der Berliner und der Münsterstraße von Petras Kornblume bis zur Buchhandlung Krüger tummeln werden.

Das Ganze ist eine Aktion des Versmolder Kunstkreises zum 300-jährigen Stadtjubiläum. „Die Aktiven wollten zum Jubiläum gerne die Stadt verschönern und zunächst kam man auf die Idee, sich vielleicht ein paar der »Alltagsmenschen« aus Rheda-Wiedenbrück auszuleihen und sie in Versmold aufzustellen", sagt Kunstkreis-Vorsitzende Tanja Hagenbäumer. Seit rund 14 Jahren gibt es in Rheda-Wiedenbrück die Alltagsmenschen, Betonskulpturen in alltäglichen Situationen, die zum Publikumsmagneten geworden sind. Doch eine Ausleihe stellte sich als zu kompliziert und teuer heraus.

Hubert – heißt der Bildhauer von Gaby Masmann. - © Tanja Hagenbäumer
Hubert – heißt der Bildhauer von Gaby Masmann. (© Tanja Hagenbäumer)

Warum also nicht selber machen? Genug Kunstschaffende hat der Kunstkreis doch zu bieten. Und so fand sich im vergangenen Sommer eine Gruppe von 15 Künstlerinnen und Künstlern, eine bunte Mischung aus Hobbykünstlern und Professionellen, die sich von nun an regelmäßig im Werkraum der Galerie et trafen. Ihre selbstgegebene Zielvorgabe lautete: Ein Abbild von Versmoldern aus allen Schichten und Zeiten zu schaffen. Der Name für die Skulpturen war schnell gefunden: »Vassemer«, das plattdeutsche Wort für Versmolder.

Einige Figuren tragen richtige Kleidung

Zunächst wurden Modelle im Miniaturformat angefertigt, bevor es daran ging, die Originale zu schaffen. Deren Grundlage sind zusammengeklebte Styroporblöcke. Mit einem Heißdrahtschneider wurden aus den kantigen Blöcken nach und nach menschliche Formen herausgeschnitten und dann mit der Feile die Feinheiten geschaffen. Als die fertig waren, wurden die Figuren mit Glasfaservlies beklebt und dann mit einer dünnen Betonschicht versehen. Einige der Figuren tragen unter der Betondecke sogar echte Kleidung, damit die Strukturen richtig herausgearbeitet werden konnten.

Wilhelm Werner – hat Benjamin Wirth den Schlachter getauft. - © Tanja Hagenbäumer
Wilhelm Werner – hat Benjamin Wirth den Schlachter getauft. (© Tanja Hagenbäumer)


Besonders kniffelig war es, die richtigen Farben zu finden, die auf dem Beton halten und wetterfest sind. Dabei stand den Künstlern der Versmolder Malerbetrieb Flachmeier mit Rat und vor allem mit Tat zur Seite, da er die richtigen Farben gleich spendete. Sowieso mussten die Styroporbildhauer sich an einige Techniken erst herantasten. „Es ist zwar viel Know-how im Kunstkreis vorhanden, aber einiges musste erst ausprobiert werden", sagt Tanja Hagenbäumer.

Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Die 15 Skulpturen wirken, als ob sie schon immer ins Stadtbild gehörten. Bis zum Herbst sollen sie erstmal stehen bleiben. Unterstützung beim Aufstellen bekam der Kunstkreis vom städtischen Bauhof, der die Betonsockel goss und die Figuren aufstellte. „Aber auch wenn ein Teil von ihnen aus Beton ist, drauf herumklettern sollte man bitte nicht", sagt Tanja Hagenbäumer.



Rundgang mit den Künstlerinnen und Künstlern

Offiziell eröffnet wird der Skulpturenweg am Sonntag, 5. Mai. Um 11.30 Uhr gibt es einen Rundgang mit den Künstlerinnen und Künstlern, die dann ihre Werke erklären. Startpunkt ist die Galerie et. Die Galerie selbst ist an diesem Tag von 10.30 bis 17 Uhr geöffnet. Dort dokumentiert eine Fotoausstellung den Entstehungsprozess der Skulpturen.

Theo – diesen Namen trägt der Kopfhörer-Junge von Annette Mai. - © Silke Derkum-Homburg, HK
Theo – diesen Namen trägt der Kopfhörer-Junge von Annette Mai. (© Silke Derkum-Homburg, HK)

Info

Die Künstlerinnen und Künstler


Jutta Redecker, Sven Keppler, Christina Meißner, Rüdiger Pfeffer, Mohammed Reza Ranjbari, Eckehard Ringewaldt, Beate Wegmann, Annette Mai, Tanja Dick, Olga Gossen, Petra Nölke, Annelie Pielsticker, Benjamin Wirth, Barbara Kahl-Zimmermann, Gaby Masmann.

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