Warum es mit der Versmolder Schweinchen-Ampel nichts wird

Signalwirkung: Versmold hätte ein echtes Highlight im Jubiläumsjahr bekommen können. Doch Berlin spielt nicht mit

Tasja Klusmeyer

So hätten sie aussehen können: Diese Schweine hätte Kalle Möller gerne als außergewöhnliche Symbole an Fußgängerampeln in Versmold gesehen. Es scheitert am Gesetzgeber. - © Tasja Klusmeyer
So hätten sie aussehen können: Diese Schweine hätte Kalle Möller gerne als außergewöhnliche Symbole an Fußgängerampeln in Versmold gesehen. Es scheitert am Gesetzgeber. (© Tasja Klusmeyer)

Versmold. Mainz hat seine Mainzelmännchen – seit November 2016 auch auf Fußgängerampeln. Der schlaue Det gibt in Rot und Grün vor: stehen oder gehen. In Wesel wird über Esel gesprochen, in Oberhausen über Bergmänner. Stuttgart hätte gerne Äffle und Pferdle bekommen. Wird es aber nicht. Genauso wenig wie es in Versmold künftig Schweine als Piktogramm auf Fußgängerampeln geben wird. Die Straßenverkehrsordnung lässt das nicht zu.

„Ich bin sehr geknickt", sagt Karl-Heinz Möller, den alle nur Kalle nennen. Er ist derjenige, der die Idee für Versmold ins Rollen brachte und sich nun enttäuscht über die „Paragrafenreiterei" in Berlin zeigt. Der gebürtige Versmolder lebt seit Jahrzehnten in Halle, hat aber seine Heimatstadt immer im Blick.

Mitte vergangenen Jahres sei ihm erstmals die Idee gekommen, dass doch Schweine-Symbole auf den Fußgängerampeln eine originelle Sache für die Fleischstadt im Allgemeinen und zum Städtejubiläum im Besonderen wären, erzählt das DJ-Urgestein dem Haller Kreisblatt. „Vielleicht mit den heimischen Wurstproduzenten als Sponsor." Die viel frequentierte Lichtsignalanlage an der Münsterstraße an der Bahnhofskneipe Dixi hält Möller für optimal für die Umsetzung.

Bundesministerium sieht Sicherheit in Gefahr

Als gelernter Werbetechniker suchte er ein mögliches Schweine-Motiv aus und nahm Anfang des Jahres Kontakt zu Bürgermeister Michael Meyer-Hermann auf. Der befand den Vorschlag „für sehr gut" und suchte das Gespräch mit dem Straßenverkehrsamt des Kreises Gütersloh. Dort wiederum leitete man den Versmolder Wunsch ans Bundesverkehrsministerium weiter. Bis vor wenigen Monaten waren von der Berliner Behörde genehmigte Ausnahmen möglich. Mainz ist das beste Beispiel dafür.

Einen ähnlichen Vorstoß wagte man Anfang des Jahres in Stuttgart. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt hätte man gerne Pferdle und Äffle rot und grün leuchten sehen. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Benjamin Strasser hatte sich für die Liberalisierung der Ampelsymbole eingesetzt – und war gescheitert. Die Bundesregierung pocht auf Einheitlichkeit im Sinne von Sicherheit und verweist auf die Paragrafen 37 und 39 der Straßenverkehrsordnung. Die Regelungen dienten der Unfallverhütung und stellten damit Gefahrenabwehr dar, heißt es in einem Schreiben aus Berlin. Verkehrszeichen müssten eine „eindeutige Aussage treffen und schnell auf den ersten Blick für jedermann verständlich erkennbar sein". Fantasiezeichen hingegen führten zu Irritationen bei den Verkehrsteilnehmern.

Bundestagsabgeordneter Benjamin Strasser bewertet das anders. „Vereinzelte individuelle Motive an Fußgängerampeln stellen kein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr dar", wird er als Reaktion auf die Absage zitiert. Ähnlich sieht es auch Kalle Möller. „Die Farbe ist doch wichtig – egal ob da ein Hampelmann oder ein Schwein auf den Ampeln ist", sagt er. In Mainz funktionierten die Mainzelmännchen ja auch. In Rheinland-Pfalz hatte man die Idee früh genug, könnte man da sagen. Denn Bund und Länder haben sich erst Anfang 2019 darauf verständigt, keine Ausnahmen mehr zuzulassen.

Auch der Wursträger kam für die Behörden nicht in Frage

Fürs Schwein nicht und auch nicht für einen Wurstträger. Diese Idee hatte Versmolds Bürgermeister Michael Meyer-Herman nach der ersten Absage ins Spiel gebracht. Wenn schon ein Tier nicht gehe, dann vielleicht eine menschenähnliche Gestalt mit besonderem Versmolder Bezug. Aber auch das möchte Berlin nicht. Versmolds Stadtoberhaupt wandte sich in der Angelegenheit im Februar an den parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann aus Bad Rothenfelde. Der Wurstträger sei eine „Identifikationsfigur für Versmold und seine Bevölkerung". Ob vor diesem Hintergrund eine Ausnahme möglich sei, erkundigte sich Meyer-Hermann.

Nein, das ist sie nicht! „Aspekte der Brauchtumspflege oder der Förderung des Tourismus" seien nicht Inhalt der Straßenverkehrsordnung. Die Verwendung anderer Sinnbilder außer dem bekannten Fußgängermännchen sei ausgeschlossen. Soll heißen: kein grünes Licht für die Versmolder Schweinchen-Ampel.

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