Nicht mehr nur online: "Stoffwiese" eröffnet Geschäft in Versmolds Innenstadt

Vom Hobby zum Beruf: Seit 2014 betreibt Inga Wallmeyer einen Onlineshop namens bunte Stoffwiese. Die wächst seitdem stetig. Jetzt wagt die Mutter den Schritt zum eigenen Ladenlokal. Damit verhindert sie einen Leerstand und eine Lücke im Einzelhandel zugleich

Tasja Klusmeyer

An der Kapazitätsgrenze: In den Regalen im Wohnhaus befinden sich Stoffe in allen möglichen Farben und Mustern. Inga Wallmeyer, Inhaberin der bunten Stoffwiese, braucht dringend mehr Platz. Gefunden hat sie ihn im Versmolder Zentrum. - © Tasja Klusmeyer
An der Kapazitätsgrenze: In den Regalen im Wohnhaus befinden sich Stoffe in allen möglichen Farben und Mustern. Inga Wallmeyer, Inhaberin der bunten Stoffwiese, braucht dringend mehr Platz. Gefunden hat sie ihn im Versmolder Zentrum. (© Tasja Klusmeyer)

Versmold. Die Modeboutique Boa ist seit der Kirmes an der bisherigen Adresse von Ernstings Family und damit etwas weiter im Zentrum beheimatet. Der Räumungsverkauf am früheren Standort an der Berliner Straße 17 ist gerade beendet. Einen Leerstand wird es dort nicht geben. Neue Mieterin ist Inga Wallmeyer, die im Sommer »Ingas bunte Stoffwiese« eröffnen wird. Wo bis vor kurzem moderne Klamotten in den Regalen lagen, hält demnächst also ein anderer Trend Einzug: Es gibt alles rund ums Nähen. „Ich habe mich schon mal 2017 nach Räumen umgeschaut – der letzte Mut aber fehlte", sagt die 36-Jährige. Nun aber hat sie das passende Geschäft gefunden.

An einer weiteren Adresse im Versmolder Zentrum stehen Veränderungen ins Haus, die den finalen Ausschlag für Inga Wallmeyer gaben, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Die Stofftruhe an der Ravensberger Straße schließt Mitte Juni aus Altersgründen. Nach der Geschäftsaufgabe hätte es in Versmold keine Anlaufstelle mehr für all diejenigen gegeben, die Stoffe, Nähgarn oder Knöpfe benötigen. An Inga Wallmeyer wurde die Idee herangetragen, doch das Geschäft weiterzuführen.

Die beiden Entwicklungen – Umzug und Geschäftsaufgabe – führen dazu, dass Inga Wallmeyer jetzt den Schritt wagt. „Ich habe Respekt davor", räumt die dreifache Mutter ein, freut sich aber auf die neue Aufgabe. Die so völlig anders ist als das, was die Versmolderin ursprünglich lernte. Inga Wallmeyer arbeitete als Kinderkrankenschwester, kam nach den Babypausen in Teilzeit in den Beruf zurück. „Der Schichtdienst mit drei Kindern aber ist schwierig", sagt sie.

An Omas Nähmaschine fing sie an

Den beruflichen Neuanfang hat Inga Wallmeyer ihrem Hobby zu verdanken. Vor einigen Jahren fing sie selbst an der alten Nähmaschine der Oma an zu nähen – kleine Teile für die Kinder, als Ausgleich zum stressigen Familienalltag. Es blieb nicht bei der reinen Freizeitbeschäftigung. Die 36-Jährige begann, Stoffe online zu vertreiben, und meldete 2014 ein Gewerbe dafür an. „Ich habe ganz klein mit ein paar Stoffballen angefangen."

Zunächst sei es gar nicht so einfach gewesen, Ware zu beziehen. Inzwischen hat Inga Wallmeyer gute Kontakte zum Handel geknüpft. So gute, dass der Keller im Einfamilienhaus aus allen Nähten platzt. Fast alle Räume dienen als Lager und sind bis oben hin vollgestopft mit Stoffen aller Art. Mehr als 1.000 verschiedene Stoffe bietet sie über ihren Onlineshop an. Versand und Buchhaltung wickelt die Familienmutter im heimischen Wohnzimmer, in dem sie sich eine Arbeitsecke eingerichtet hat, ab. Weitere Kapazitäten im Wohnhaus hat die Geschäftsfrau nicht.

Im künftigen Ladenlokal an der Berliner Straße sieht das schon anders aus. 115 Quadratmeter mit Option auf Erweiterung stehen dort zur Verfügung. „Jetzt kann ich wieder ordentlich einkaufen." Ende März war Inga Wallmeyer auf der Fachmesse Handarbeit und Hobby in Köln, um sich neueste Trends anzuschauen und Kontakte zu pflegen. Jersey, Strickstoffe, Sweat, Baumwolle, Bündchen und Co. in allen möglichen Farben sind über ihre Stoffwiese erhältlich. Durch ihren Kontakt zu den Händlern könne sie auch ausgefallene Kundenwünsche ermöglichen.

Zukunftsvision: Nähkurse für Kinder und Erwachsene

Bevor im Spätsommer die Hauptsaison für Handarbeiten beginnt und sich die Kunden wieder mit Ware eindecken, soll das Geschäft eröffnet sein. Der Onlineshop läuft wie gewohnt weiter. „Nur das Ladengeschäft wäre schwierig", vermutet Inga Wallmeyer und fährt deshalb zweigleisig.

Das Ladenlokal eröffnet der Inhaberin neue Möglichkeiten. So wird sie künftig verstärkt Kurzwaren anbieten – eine sieben Meter breite Wand steht allein dafür zur Verfügung. In Christina Flottmann aus Oesterweg hat sie eine Näherin gefunden, die Auftragsarbeiten wie beispielsweise personalisierte Geschenke fertigt. Angedacht sind außerdem Nähkurse für Kinder und Erwachsene. „Das ist aber Zukunftsmusik", sagt Inga Wallmeyer.

Jetzt muss sie erstmal die Geschäftsräume so umgestalten, dass dort demnächst ihre bunte Stoffwiese neu erblühen kann. Im Idealfall im Juni, „es könnte aber auch Juli werden". Auf Sommerurlaub wird die Familie diesmal verzichten müssen – dafür hat sie bald wieder freie Kellerräume.

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