Crowdfunding: Ein Euro für die Bienenrettung

Blumen statt Mais: Drei Hobby-Landwirte starten die Aktion Stockheimer Blütenpracht. Mit einem Euro kann sich jeder an dem Naturschutzprojekt beteiligen.

Tasja Klusmeyer

Treckerfreunde: Johannes Kraak (von links), Christian Schijven und Fabio Josephs sind nebenberuflich in der Landwirtschaft aktiv. Auf dem Acker am Bockhorster Landweg wollen sie bald bunte Blumen sprießen lassen. Dafür brauchen sie die Mithilfe der Bevölkerung. - © Privat
Treckerfreunde: Johannes Kraak (von links), Christian Schijven und Fabio Josephs sind nebenberuflich in der Landwirtschaft aktiv. Auf dem Acker am Bockhorster Landweg wollen sie bald bunte Blumen sprießen lassen. Dafür brauchen sie die Mithilfe der Bevölkerung. (© Privat)

Versmold. „Wir setzen uns ein, um die Insektenvielfalt in der Region zu erhalten und zu fördern." So beschreiben die drei Initiatoren selbst ihr Projekt. Die drei – das sind Fabio Josephs und Christian Schijven aus Loxten sowie Johannes Kraak aus Borgholzhausen. Gemeinsam hat das Trecker-Trio nun eine Aktion in Bewegung gebracht, die über die Grenzen Versmolds hinaus wachsen soll. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Am 25. März haben die Hobby-Landwirte die »Stockheimer Blütenpracht« gegründet. In Form eines Crowdfundings, also einer Schwarmfinanzierung, soll bald möglichst viel Fläche bunt blühen. Pro gespendetem Euro säen die drei einen Quadratmeter Blumenwiese aus. 17.000 Quadratmeter sind das erste Ziel.

Im Berufsalltag sitzt Fabio Josephs am Steuer eines Lkw, im Team der Almdudler zieht er auch schon mal Busse. Nach Feierabend kümmert sich der Versmolder im Nebenerwerb um die Bewirtschaftung eines Ackers am Bockhorster Landweg. Zusammen mit seinem Loxtener Nachbarn Christian Schijven, der im Bereich Haustechnik fürs Unternehmen Arvato arbeitet. Dritter im Bunde ist Johannes Kraak. Der gelernte Landwirt ist als selbstständiger Maschinist tätig und hilft bei Bedarf in der Landwirtschaft aus.

Nicht nur im Kleinen der Natur helfen

Das viel diskutierte Bienen- und Insektensterben war im Gespräch miteinander oft Thema. Jeder wollte im Kleinen der Natur etwas Gutes tun: im eigenen Garten oder als Blühstreifen um den Getreideacker. Den dreien aber war das nicht genug. So reifte die Idee, ein Projekt vor Ort zu initiieren, das es anderswo in Deutschland und auch im Kreis Gütersloh in ähnlicher Form schon gibt.

So sollen jene Flächen am Hof Josephs, die bisher für Mais und Getreide genutzt werden, durch Wildblumenwiesen ersetzt werden. Im Gegensatz zu Landwirten im Vollerwerb kann der Loxtener gut auf den Anbau verzichten. „Wir leben nicht davon und haben keine Tiere zu versorgen."

Webcam sendet von der Wildblumenwiese

Die ersten knapp 200 Quadratmeter sind »eingekauft«. Bis zum 1. Mai läuft die Spendenaktion im ersten Schritt, dann erfolgt die Aussaat auf der bis dahin zusammengekommenen Fläche. Die Aktion soll sich, so die Vorstellung der Initiatoren, nicht auf die Stockheimer Blütenpracht beschränken – und auch keine Eintagsfliege sein. Im Gespräch mit anderen Landwirten versuchen Josephs, Schijven und Kraak mehrere kleine Flächen im Altkreis Halle zu gewinnen, auf denen sie längerfristig Blumenwiesen anlegen können. Das erste Feedback sei positiv, sagen sie. Viele Landwirte verfügten über kleine Flächen, die aufgrund ihrer Lage oder des Zuschnitts schwer zu bewirtschaften seien. Für jene Teilstücke könnte die Blumenwiese, um die sich das Trio kümmert, eine gute Alternative sein.

Wie viele Wildblumen künftig über wie viele Jahre in der Region blühen werden, ist von der Beteiligung der Bürger abhängig. Per Webcam über Facebook halten die Macher über das Projekt auf dem Laufenden, ebenso sollen die Geldgeber bei der Auswahl der Blumenmischung mitreden. „Ein Euro tut nicht weh", sagen die Initiatoren. Mit dem Geld refinanzieren sie die Kosten und den Aufwand. Verdienen, so sagen sie, tun sie nichts an dem Projekt. „Wir machen das aus Überzeugung. Für uns hat es ideellen Wert."

Infos und Spenden: Facebook-Seite Stockheimer Blütenpracht und www.betterplace.me/stockheimer-bluetenpracht.

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