Versmolds „Kümmer-Tante“ zwischen Kaffee und Pralinen

2014 wagte Rosi Dieckmann-Rose den Schritt in die Selbstständigkeit. Die 60 Quadratmeter ihres Ladenlokals sind vollgestopft mit allerhand Leckereien. Alles begann auf Sylt

Tasja Klusmeyer

Darf es etwas Süßes sein?: Pralinen, Gebäck, Likör, Wein, Tee, ... Rosi Dieckmann-Rose ist selbst ein Genussmensch und möchte anderen mit ihren Produkten eine Freude bereiten. - © Tasja Klusmeyer, HK
Darf es etwas Süßes sein?: Pralinen, Gebäck, Likör, Wein, Tee, ... Rosi Dieckmann-Rose ist selbst ein Genussmensch und möchte anderen mit ihren Produkten eine Freude bereiten. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. In ihrem Pass steht der Vorname Sigrid. Aber Sigrid Dieckmann-Rose mag nicht so genannt werden – und erst recht nicht geschrieben werden. „Das klingt irgendwie so hart", findet sie. Auf Sigrid hört sie schon längst nicht mehr. Alle nennen sie Rosi. „Ich bin eine Rosi. Fertig!"

Rosi heißt auch ihr Geschäft an der Münsterstraße 3, das die Wahl-Versmolderin seit Ende 2014 betreibt. »Rosis – Schenken und Genießen«. Ein Name, der zum Ausdruck bringt, was der Inhaberin am Herzen liegt. „Ich war schon immer ein Mensch, der andere gerne bepuschelt hat, so eine Kümmer-Tante", sagt Rosi Dieckmannn-Rose. „Und ich liebe die schönen Dinge, den Genuss."

Von Köln über Sylt nach Versmold

Sie hat ihrem Besuch Kaffee gekocht und noch schnell etwas Milch organisiert. Auf einem Tellerchen reicht sie süßes Gebäck – eine Auswahl dessen, was es in ihrem Laden so alles Feines gibt. Um dann aus ihrem Leben zu erzählen. Was sie eigentlich gar nicht möchte, weil sie sich selbst ungern in den Vordergrund dränge. Aber nun gut ...

Schenken und Genießen – beides zieht sich wie ein roter Faden durch die Biografie der Geschäftsinhaberin. Die gebürtige Hessin macht in ihrer Heimat eine Ausbildung zur Hotelkauffrau, arbeitet längere Zeit bei der Hotelkette Maritim in verschiedenen Positionen. Dann lernt sie ihren ersten Mann kennen. Der ist selbstständig mit Marktständen, bietet Floristik, Gemüse und andere regionale Produkte an. Als „Kümmer-Tante" unterstützt Rosi Dieckmann-Rose ihren Partner in der Selbstständigkeit, ohne ihren Hauptberuf aufzugeben. Vom Hotel wechselt sie ins Brauhaus nach Köln, danach leitet sie eine Feinkosttheke in der Domstadt. „Das Leben schreibt nicht nur bunte Seiten", sagt sie. Die erste Ehe scheitert.

Rosi Dieckmann-Rose möchte noch mal neu anfangen, beruflich wie privat. 2008 zieht es sie nach Sylt, auf jene Insel, die sie von Urlauben so mag. Rosi Dieckmann-Rose sucht sich eine neue Tätigkeit im Hotel-Restaurant-Betrieb. „Ich habe mein Köfferchen gepackt und bin alleine dort hingezogen."

Neuanfang war die richtige Entscheidung

Die Entscheidung soll sich als die genau richtige herausstellen, aber das weiß sie zu dem Zeitpunkt noch nicht. Erstmals geht es der Neu-Insulanerin darum, „das Leben umzukrempeln", sich „neue Horizonte zu eröffnen".

Als Restaurantleiterin hat sie viel Kontakt mit den Gästen, die zu großen Teilen Touristen sind. Eines Tages kommt ein Versmolder zum Essen – und es macht peng! Bis 2013 führen Rosi Dieckmann-Rose und ihr Partner eine Fernbeziehung. Für das Paar kein Dauerzustand. „Einer musste seine Sachen aufgeben." Es ist die Hotelkauffrau, die der Insel auf Wiedersehen sagt und dem Herzen folgt. Ihr Mann hat eine gute Anstellung beim Landmaschinenhersteller Claas, Rosi Dieckmann-Rose arbeitet zunächst aushilfsweise bei Kerstin Wiltmann im Teeladen an der Berliner Straße.

Als diese sich zur Aufgabe ihres Geschäftes entscheidet, ergreift die Neu-Versmolderin die Gelegenheit. „Man sollte die Dinge, die man im Leben tut, mit vollem Herzen tun", nennt sie ihr Credo. Schon zu ihrer Zeit als Leiterin der Kölner Feinkosttheke habe sie sich gedacht: „So etwas könnte ich auch machen – nur etwas kleiner." Ende 2014 tut es Rosi Dieckmann-Rose. Als gelernte Kölner Frohnatur sei das neue Pflaster Versmold zunächst ungewohnt gewesen. „Die Menschen brauchen etwas länger, bis sie warm werden. Aber dann sind sie Freunde fürs Leben."

"Der ganze Laden ist ein Präsentkorb"

In ihrem Geschäft an der Münsterstraße gibt es nicht nur Tee und Kaffee. Nach und nach baut sie das Sortiment aus: Porzellan, Pralinen, Gebäck, Liköre, Essig, Öle, Weine und Marmeladen. Weiterer Schwerpunkt sind die Präsente, welche die Versmolderin inzwischen zahlreich verpackt. „Es wird jedes Jahr weiterentwickelt, wir sind noch nicht fertig." Überall finden sich kleine Hingucker, liebevoll gestaltete Ecken, trotz aller Enge Sitzmöglichkeiten für einen Plausch. „Der ganze Laden ist einziger Präsentkorb", sagt die Inhaberin. Weil es so gemütlich ist, möchte sie gar nichts Größeres.

Rosi Dieckmann-Rose fühlt sich im neuen Alltag wohl, engagiert sich neuerdings im Vorstand der heimischen Kaufmannschaft, um ihre Ideen für eine attraktive Einkaufsstadt einzubringen. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie bisher nicht bereut. Ohnehin sei es nicht ihre Art, mit dem Schicksal zu hadern. „Alles hat seine Zeit im Leben. Jetzt ist die Zeit für den Laden."

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