Versmold profitiert von Tagestouristen

Die Landesstatistik 2018 weist für die Fleischstadt ein deutliches Plus an Gästezahlen aus. Sie wirft aber auch Fragen auf. Selbst bei denen, die täglich mit Tourismus zu tun haben

Tasja Klusmeyer

Zimmer frei: Über 295 Betten in Beherbungsbetrieben verfügt Versmold der Statistik zufolge. Nicht jedes aber wird tatsächlich angeboten, während wiederum andere – beispielsweise in kleinen Ferienwohnungen – gar nicht mitgezählt werden. - © CC0 Pixabay
Zimmer frei: Über 295 Betten in Beherbungsbetrieben verfügt Versmold der Statistik zufolge. Nicht jedes aber wird tatsächlich angeboten, während wiederum andere – beispielsweise in kleinen Ferienwohnungen – gar nicht mitgezählt werden. (© CC0 Pixabay)

Versmold. Alle Betriebe mit mindestens zehn Betten sind zur jährlichen Meldung ihrer Gästeankünfte und Betten verpflichtet. Beim Landesbetrieb Information und Technik NRW laufen die Zahlen zusammen. »NRW-Tourismus im neunten Jahr in Folge mit Rekordergebnissen« titelte das Statistische Landesamt diesmal bei der Veröffentlichung.

Mit Blick auf die Zahlen für 2018 gehört Versmold ebenso zu den Gewinnern. 12.930 Gästeankünfte in 2018, was ein Plus von knapp 16 Prozent im Vergleich zu 2017 bedeutet, und zehn Prozent mehr Gästeübernachtungen (absolut: 38.895 Stück). Der genaue Blick aber relativiert den Eindruck. 2017 nämlich war, unter anderem bedingt durch den nassen Sommer, ein maues Jahr. 2018 kommt Versmold deshalb in etwa wieder auf die Werte von 2016.

"Schwankungen nicht überbewerten"

„Man sollte solche Schwankungen nicht überbewerten", sagt Tobias Valentin vom Teutoburger-Wald-Tourismus auf Nachfrage des Haller Kreisblattes. Eine Beobachtung der Entwicklungen über einen längeren Zeitraum hält er für aussagekräftiger. Oftmals ergäben sich bei den Jahreszahlen „statistische Ungereimtheiten" oder ein „verzerrtes Bild". Eine größere Hausmesse, Tagung oder Baustelle mit Monteuren, die Unterkünfte bräuchten, könnten die Gästezahlen in einem Jahr nach oben schnellen lassen.

Ein solcher Fall muss sich in Versmold im vergangenen Jahr ergeben haben. Auffällig ist die deutlich gestiegene Zahl an Gästen aus dem Ausland: plus 36,8 Prozent. Die absolute Zahl klingt da allerdings gleich schon etwas weniger spannend. 461 Gäste aus dem Ausland machen nur einen sehr geringen Anteil am Gesamtaufkommen aus.

Unklarheiten ergeben sich auch an anderer Stelle der Statistik. Die Zahl der Betriebe ist 2018 um einen auf acht gestiegen. Da mag sich der eingefleischte Versmolder fragen: Acht Betriebe mit mindestest zehn Betten – wo bitte sollen die sich befinden? Eine Zeile weiter relativiert sich auch diese Angabe. Denn nur fünf Betriebe – und damit einer weniger als in 2017 – hatten geöffnet.

Ferienwohnungen und Dauercamper werden nicht mitgezählt

Der Landesbetrieb IT.NRW gibt zwar keine Namen heraus, wohl aber die Betriebsart. So erfährt das Haller Kreisblatt im Gespräch mit der dortigen Pressestelle, dass sich die Zahlen für 2018 aus den gemeldeten Daten eines Hotels, einer Pension, eines Erholungsheimes und zweier Campingplätze zusammensetzen. Diese Zahl kann man sich schon eher ableiten.

Roland Krieger-Gravenbrock, der das Camp zur Rotbuche betreibt, gehört dazu. Allerdings gibt er nur die touristischen Übernachtungen weiter. Die große Zahl an Dauercampern – allein auf seinem Platz sind es 350 Plätze – fließt erst gar nicht in die Statistik ein. Ebenso finden Privatvermieter mit Ferienwohnungen keine Berücksichtigung.

Mit der Saison 2018 ist der Peckeloher aus Campersicht sehr zufrieden. Der lange, warme Sommer hat die Leute in Zelt und Wohnwagen gelockt. „Unser Hauptgeschäft sind die Dauercamper", sagt Krieger-Gravenbrock. Diese Plätze, aber auch die etwa 30 Stellplätze für klassisch touristische Nutzung seien gut besucht gewesen – vor allem in den Ferien und an den langen Wochenenden. Der Betreiber schätzt das Plus auf etwa 20 Prozent.

Von einem Anstieg in ähnlicher Größenordnung spricht Ludger Henneken, Geschäftsführer des Altstadthotels. Zum einen habe das mit der geringeren Auslastung bedingt durch dem Hotelumbau 2017, als nicht alle Zimmer zur Verfügung standen, zu tun. Zum anderen mit den guten Buchungszahlen. Hauptsächlich kommen Geschäftsreisende ins Hotel an die Wiesenstraße. Verstärkt möchte der Chef neben dem Businessbereich nun im Leisure-Bereich aktiv werden und Wochenendtouristen nach Versmold locken.

Zur Kirmes kommen Gäste aus Holland

Vor allem in den Beneluxländern sieht Henneken Potenzial und hat erste Kooperationen mit Reiseveranstaltern in den Niederlanden geschlossen, die zur Kirmes Sünne Peider anlaufen. „Die Region ist für die Niederländer interessant." Im Gegensatz zu Geschäftsreisenden, die in der Regel dem heimischen Handel oder der Gastronomie außerhalb dem Übernachtungsbetrieb einer Stadt wenig brächten, förderten Touristen die Kaufkraft. Weiterer Baustein in diesem Bereich ist die bevorstehende Zertifizierung: Dem Altstadthotel wird im Mai als erstes Hotel im Kreis Gütersloh, so Henneken, die Auszeichnung »Wanderbares Deutschland« verliehen.

Das sind Entwicklungen und Initiativen, wie es sich die Stadt wünscht. Die Statistik hingegen ist für Martina Janßen vom Stadtmarketing kaum aussagekräftig. Manager oder Monteure seien für sie keine klassischen Touristen, von denen eine Stadt profitiere. Von Tagestouristen, die mit dem Rad Versmold ansteuern oder auf ihrer Durchfahrt einen Halt machen, dagegen schon. 543 Teilnehmer an Stadtführungen zählte Versmold 2018.

Der Tagestourismus, so sagt auch Tobias Valentin, mache im Kreis Gütersloh etwa zwei Drittel aus. „Er trägt zum Wohlstand aller bei." Statistisch erfasst ist er nicht.

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