Versmolder CDU sorgt sich um die Demokratie

Der Stadtverband hat André Kuper beim Kamingespräch zu Gast. Die Anwesenden äußern dabei ihre Bedenken zu vielen politischen Themen.

Rita Sprick

Gesprächsrunde: Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Wesolowski (von links), NRW-Landtagspräsident André Kuper, die Stadtverbandsvorsitzende Marianne Kampwerth und Bürgermeister Michael Meyer-Hermann. - © Rita Sprick
Gesprächsrunde: Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Wesolowski (von links), NRW-Landtagspräsident André Kuper, die Stadtverbandsvorsitzende Marianne Kampwerth und Bürgermeister Michael Meyer-Hermann. (© Rita Sprick)

Versmold-Oesterweg. Für das politische Kamingespräch mit dem NRW-Landtagspräsidenten André Kuper zum Thema »Verantwortung für die Demokratie« hatte der CDU-Stadtverband das anheimelnde Oesterweger Heimathaus gewählt. Weniger behaglich war die Stimmung unter den Anwesenden.

Kupers Vortrag und die Vorstellung seiner Amtsaufgaben wurden zwar wohlwollend aufgenommen, aber die Christdemokraten waren vor allem besorgt um den Fortbestand der Demokratie. Im Gespräch äußerten sie ihr Unbehagen zu Themen wie der Macht sozialer Medien, der Verrohung der Sprache oder der Unzufriedenheit vieler Menschen. Auch die unterschiedlichen Mindestlöhne in Europa, die Ausbreitung des Populismus, die Vorschriften in der Landwirtschaft und die fortschreitende Digitalisierung trieben sie ebenso um wie die Globalisierung, der CDU-Wählerverlust und die Bürokratie.

Einige der Fragen lagen außerhalb der Zuständigkeit des Parlamentspräsidenten. Er versprach sie an die zuständigen Stellen weiterzuleiten. „Die Wahrung der Demokratie ist nicht allein Aufgabe des Parlaments, sondern der gesamten Zivilgesellschaft. Demokratie ist nicht mehr selbstverständlich. Wie erhalten wir Bedingungen für das Gelingen unserer bewährten Demokratie?", sagte Kuper – und nannte einige Ansätze. Dazu gehörten Bürgerempfänge, Demokratiekurse für Flüchtlinge und Parlamentsgespräche zu politischen Themen. Besonders wichtig ist dem 58-Jährigen der Ausbau der Schülerprogramme. „Jeder Schüler soll einmal im Jahr Demokratiekontakt haben."

Gäste legen Finger in viele politische Wunden

Der Vater zweier erwachsener Töchter hält Gespräche und die politische Auseinandersetzung mit der jungen Generation für wichtig. Dazu besucht er Schulen und lädt Schüler in den Landtag ein. Zudem plädiert er für ein Haus der Geschichte und eine gute Ausbildung Jugendlicher. Dazu zählt er das duale Studium. „Wir wollen die Studienplätze im Kreis Gütersloh erhöhen und dafür Fachlehrer fortbilden", gab er Einblick in ein Vorhaben für ganz OWL.

Die rund 40 Anwesenden legten den Finger in viele politische Wunden. Der Vorsitzende der Jungen Union, Joel Johnson, äußerte sich zur Mitgliedergewinnung. „Im Bremer Fußballverein werden keine Mitglieder aufgenommen, die zur AfD gehören. Kann man so Wähler zurückholen?" Man könne sie nur mit Sachargumenten gewinnen, entgegnete Kuper. Er räumte ein, dass durch den Einzug der AfD der Ton im Parlament rauer geworden sei. „Bisher habe ich 35 förmliche Rügen an Fraktionsmitglieder ausgesprochen. 21 davon sowie zwei Ordnungsstrafen gingen an Mitglieder der AfD-Fraktion", sagte der ehemalige Rietberger Bürgermeister.

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