Schnelles Internet weiterhin in der Warteschleife

Breitbandausbau: Das ursprüngliche Ziel, alle Haushalte bis Ende 2018 mit zu versorgen, ist längst verfehlt. Versmold und andere Kommunen fühlen sich von der Telekom hingehalten. Nun gibt es Hoffnung

Tasja Klusmeyer

Schenlles Surfen: Versmold muss weiter auf den Breitbandausbau warten. - © pixabay
Schenlles Surfen: Versmold muss weiter auf den Breitbandausbau warten. (© pixabay)

Versmold. „Wir können vorsichtig optimistisch sein." Die Worte von Bürgermeister Michael Meyer-Hermann klingen angesichts der Vorgeschichte positiv. Nach monatelangem Warten auf konkrete Informationen scheint nun tatsächlich Bewegung in den Breitbandausbau vor Ort zu kommen. „Man hat uns zumindest einen Zeithorizont eröffnet." Start der Arbeiten soll demnach in diesem Sommer sein. Das ist die Information, die Versmolds Verwaltungschef aktuell aus einem Gespräch zwischen Landrat Sven-Georg Adenauer und Verantwortlichen des Telekommunikationsunternehmens mit in die hiesige Politik nahm.

Am Mittwoch fand der lang ersehnte Termin statt – auf Druck des Chefs der Kreisverwaltung, nachdem die Kommunikation zuvor ziemlich schleppend verlief. Im Oktober 2018 war der Vertrag zwischen Kommunen, Telekom und Zweckverband Infokom geschlossen worden. „Seitdem warten wir auf Vorstellung der Planung", schilderte Meyer-Hermann im Planungs- und Umweltausschuss. Die SPD hatte sich nach dem Sachstand erkundigt und bekam tagesaktuelle Neuigkeiten.

Anfang Januar, so Meyer-Hermann, war ein Termin seitens der Telekom noch abgesagt worden. „Da war unser Verständnis auf den Nullpunkt geraten." Der Versmolder Bürgermeister mobilisierte seine Kontakte im Berliner Bundestag, Landrat Sven-Georg Adenauer, zugleich Infokom-Verbandsvorsteher, wandte sich an den Telekomvorstand. Diese Woche Mittwoch nun saßen beide Spitzen an einem Tisch. Offenbar, so Michael Meyer-Hermann, sei der Baustart bislang an „fehlenden Kapazitäten der Tiefbauunternehmen" gescheitert. Das solle sich nun ändern.

Die Telekom hat den Zielkonflikt erkannt

„Wir wären gerne schon weiter gewesen", räumte Meyer-Hermann sein, zeigte sich aufgrund der nun getroffenen Aussagen zumindest versöhnlich. „Wir werden den Druck aber aufrechterhalten", so Versmolds Bürgermeister. So seien beispielsweise regelmäßige Treffen vereinbart worden. Bis Ende 2020 muss die Telekom ihrer vertraglichen Verpflichtung ohnehin nachgekommen sein.

Mehr als 90 Prozent der Haushalte wären damit mittels der sogenannten Vectoringtechnik mit schnellem Internet (mindestens 50 Mbit/s) versorgt. Ausruhen will man sich darauf bei der Stadt nicht. Auch die heute unterversorgten Haushalte (weniger als 30 Mbit/s) sollen künftig schneller surfen können. Zurzeit bereitet man mit dem Zweckverband den Förderantrag für den sechsten Förderaufruf um Bundesgelder vor. Kommt Versmold da zum Zuge, ist man dem Ziel, tatsächlich alle Haushalte mit einer schnellen Leitung versorgen zu können, einen Schritt näher gekommen.

In einem weiteren Punkt erhofft sich die Stadt Fortschritte. Denjenigen Kunden im Ländlichen, denen der analoge Anschluss gekündigt worden war, von denen digitale IP-Technik aber gar nicht zu nutzen ist, soll geholfen werden. „Es ist erfreulich, dass die Telekom den Zielkonflikt erkannt hat", so Meyer-Hermann. Bürgermeister und Landrat hatten den Kontakt zum Anbieter gesucht und auf eine Lösung gedrängt.

Info

Langes Verfahren


- Mitte 2016 freute man sich im Zweckverband Infokom, der für acht Kommunen im Kreis Gütersloh einen Förderantrag auf den Weg gebracht hatte, über das millionenschwere Förderpaket von Land und Bund. Im Altkreis profitieren neben Versmold auch Borgholzhausen, Steinhagen und Werther. Der kommunale Eigenanteil liegt bei zehn Prozent.
- Im November 2017 erhielt die Telekom den Zuschlag. Seit Sommer 2018 liegen dem Unternehmen die Bewilligungsbescheide vor. Im Herbst folgte die Vertragsunterzeichnung.
- „Deutschland darf sich nicht wundern, das es im Vergleich zu anderen hinterherhinkt", sagt Bürgermeister Michael Meyer-Hermann mit Blick auf das „lange und komplizierte" Antragsverfahren.

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