Hausärztemangel: Der Druck nimmt zu

Dorf sucht Doktor: ZIG-Geschäftsführer Uwe Borchers informiert die Politik über die medizinische Situation im ländlichen Raum. Versmold steht noch gut da.

Tasja Klusmeyer

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Versmold. Beim Thema medizinische Versorgung liegt eine Frage auf der Hand: Was ist eigentlich mit den Plänen von Ekkehard Risken, am Westheider Weg ein Ärztehaus errichten und damit die medizinische Versorgung vor Ort verbessern zu wollen? SPD-Ratsherr Udo Brune wollte das in der Sitzung des Sozialausschusses am Donnerstagabend wissen.

2016 machte der Unternehmer die Pläne seiner ERB Vermögensverwaltungs GmbH öffentlich. Seit 2017 ist Risken Eigentümer der Fläche, auf der früher die alte Zwirnerei Seidelmayer stand. Bisher blieb es beim Abriss des Altbestandes, ein Neubau ist noch nicht in Sicht. Bis vor etwa zwei Wochen kündete ein großes Schild vom geplanten Wilhelm-Vinke-Haus. Das ist inzwischen verschwunden. Das Aus für die Pläne?

Große Hoffnung in Medizinische Fakultät

Bürgermeister Michael Meyer-Hermann zeigte sich mit Informationen im öffentlichen Teil sparsam. Es gebe weiterhin Bestrebungen, dort eine Immobilie errichten zu lassen. „Es wird etwas entstehen. Was genau, darüber sind noch Gespräche zu führen", sagte er im Ausschuss. Es sei offenbar nicht so leicht, neue Mediziner nach Versmold zu bekommen oder alteingesessene Ärzte zum Umzug zu motivieren.

Ursprünglich hätte das Ärztehaus schon längst stehen sollen. Als sich das Haller Kreisblattes Ende Januar bei Ekkehard Risken nach dem aktuellen Stand erkundigte, bat der Unternehmer um Geduld. Er wolle erst etwas zum – offenbar überarbeiteten Vorhaben – sagen, wenn alles in trockenen Tüchern sei. Die Informationen von Bürgermeister Meyer-Hermann lassen zumindest den Schluss zu, dass ein neues Ärztehaus für Versmold nicht in Gänze gestorben ist.

Genau diesen Weg, kommunales und privates Engagement, erachtet Uwe Borchers als den richtigen Ansatz. Als Geschäftsführer des Zentrums für Innovation in der Gesundheitswirtschaft in OWL hat er die Branche genau im Blick und gibt den Beteiligten Impulse, dem drohenden oder existierenden Hausärztemangel aktiv entgegensteuern. „Es ist eine Kraftanstrengung und es ist Initiative gefordert", betont er. Als Kreis müsse man die Kräfte bündeln und gezielt Studierende ansprechen, um insbesondere die Versorgung mit Hausärzten zu sichern.

In fünf Kommunen im Kreis besteht Versorgungsbedarf

Fünf von 13 Kommunen im Kreis Gütersloh stehen aktuell im Förderverzeichnis der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KV). In diesen Bereichen besteht dringender Versorgungsbedarf, weshalb auf Antrag besondere Maßnahmen zur Sicherstellung vom KV-Vorstand gewährt werden. Versmold taucht in dieser Liste zurzeit nicht auf. Noch nicht. Denn angesichts des hohen Altersdurchschnitts der praktizierenden Allgemeinmediziner wird sich die Situation in den kommenden Jahren verändern, sollte es nicht gelingen, Nachfolgeregelungen zu finden.

Zwölf Hausärzte sind laut Übersicht der KV zurzeit in Versmold ansässig. Damit kommen, rein rechnerisch, etwa 1.900 Einwohner auf jeden von ihnen. Mehr als im Bundesschnitt, aber „nicht besorgniserregend", bewertet Uwe Borchers. Doch man müsse wachsam sein und in die Zukunft schauen.

Auffällig: Die Praxen konzentrieren sich auf die Kernstadt. Eher ungewöhnlich fürs Ländliche: Schon heute haben sich vor Ort viele Mediziner in Gemeinschaftspraxen oder unterm Dach eines Gesundheitszentrums zusammengeschlossen. „Eigentlich ist die Gesamtregion von Einzelpraxen geprägt", so der ZIG-Geschäftsführer.

Der Zusammenschluss aber scheint ein Weg für die Zukunft zu sein. Von der Gründung der neuen medizinischen Fakultät an der Uni Bielefeld erhofft man sich in der Umgebung zudem sehr viel. Erste Gespräche mit Ärzten aus dem Kreis und Vertretern der Fakultät zur Zusammenarbeit und Vernetzung seien diese Woche geführt worden.

Der sogenannte Klebeeffekt werde aber nur eintreten, wenn sich die Kommunen als attraktives Wohn- und Arbeitsumfeld positionierten, beispielsweise durch Immobilienangebote zur Niederlassung, Bau- oder Kitaplätze, eine gute Erreichbarkeit von Praxen und Parkraumbewirtschaftung. „Wir müssen etwas dafür tun, dass die jungen Mediziner in der Region bleiben."

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