Grundschulen sensibilisieren für sexuelle Belästigung und Gewalt

Sexuelle Belästigung und Gewalt an Kindern geschieht nicht nur im Fernsehfilm. Versmolder Eltern erfahren, wie sie ihren Nachwuchs stark machen

Marion Bulla

Auf das Bauchgefühl hören: Marco Knilli und Susanne Gorgs zeigen szenisch alltägliche, aber unangenehme Situationen, in denen Kinder und Jugendliche den Mut haben sollen, Nein zu sagen. - © Marion Bulla
Auf das Bauchgefühl hören: Marco Knilli und Susanne Gorgs zeigen szenisch alltägliche, aber unangenehme Situationen, in denen Kinder und Jugendliche den Mut haben sollen, Nein zu sagen. (© Marion Bulla)

Versmold.Seit 25 Jahren besuchen die Schauspieler der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück regelmäßig die örtlichen Grundschulen, um den Dritt- und Viertklässlern zu zeigen, wie sie sich gegen sexuelle Übergriffe wehren können und das Selbstbewusstsein entwickeln, einfach Nein zu sagen. Das Projekt gliedert sich in drei Teile auf und vermittelt auf anschauliche Weise, wie die Kinder auf Situationen eingehen können, die ihnen unangenehm sind.

Alle drei Jahre findet ein Elternabend dazu statt. 65 Mütter und Väter waren am Mittwoch in die städtische Aula an die Schulstraße gekommen. In Versmold wird die Veranstaltungsreihe von den Fördervereinen der jeweiligen Schulen sowie von der Bürgerstiftung finanziell unterstützt.

Informierten – von links: Schauspieler Marco Knilli (von links) Melanie Hagemann, Vanessa Mittendorf-Ferling (beide Förderverein), Theaterpädagogin Susanne Gorgs, Jenny Meyrahn (FV) und Ursula Rutschkowski von der Kreispolizeibehörde. - © Marion Bulla
Informierten – von links: Schauspieler Marco Knilli (von links) Melanie Hagemann, Vanessa Mittendorf-Ferling (beide Förderverein), Theaterpädagogin Susanne Gorgs, Jenny Meyrahn (FV) und Ursula Rutschkowski von der Kreispolizeibehörde. (© Marion Bulla)

„Es gibt viel Missbrauch, auch bei uns. In 80 Prozent der Fälle geschieht er im Nahbereich der Kinder und Jugendlichen. Täter können Gruppenleiter, Babysitter oder Nachbarn sein. Auch innerhalb der Familie passiert er. Da ist die Dunkelziffer so hoch wie in keinem anderen Delikt", sagt Kriminalhauptkommissarin Ursula Rutschkowski, die im Opferschutz und der Kriminalprävention tätig ist und die Versmolder Grundschuleltern informierte.

Auf das Bauchgefühl achten

Die Theaterpädagogen Marco Knilli und Susanne Gorgs zeigten den Eltern an diesem Abend anschließend die interaktiven Stücke, die die Kinder an drei verschiedenen Tagen erleben werden, quasi im Schnelldurchgang. Es werden einige Szenen aus dem Alltag der Grundschüler dargestellt. Das fängt beim harmlosen Haarekämmen an. Aber auch unsittliche Berührungen durch den Trainer beim Tennis und ungewollte Umarmungen im Schulbus werden gezeigt.

Die beiden Akteure auf der Bühne bestärken die Kinder – am Mittwoch waren es stellvertretend die Eltern – darin, auf ihr Bauchgefühl zu achten. Sie legen ihnen ans Herz, laut und deutlich Stopp zu sagen, wenn es für sie unangenehm werde. Dies fordert ein hohes Maß an Selbstbewusstsein, besonders dann, wenn es der nette Onkel oder fürsorgliche Trainer ist.

Die beiden Schauspieler beleuchteten das sensible Thema von allen Seiten. Erklärtes Ziel ist, das Thema aus der Tabuzone zu holen. Die Kinder sollen ihre Ja- und Nein-Gefühle einschätzen lernen und deutlich machen. „Der andere muss Bescheid wissen", betonen die Theaterpädagogen.

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