Nach Behandlungsfehler: Klinik zahlt Schmerzensgeld an Versmolder Patienten

Das Oberlandesgericht Hamm hat einem Versmolder Patienten, der in einem Salzufler Rehakrankenhaus nicht richtig betreut wurde, 85.000 Euro zugesprochen

Erol Kamisli

Nach der Behandlung in einer Rehaklinik in Bad Salzuflen ist ein 57-jähriger Versmolder wieder auf Dialyse angewiesen. Vor dem Oberlandesgericht Hamm bekam er jetzt Recht. - © Pixabay.com
Nach der Behandlung in einer Rehaklinik in Bad Salzuflen ist ein 57-jähriger Versmolder wieder auf Dialyse angewiesen. Vor dem Oberlandesgericht Hamm bekam er jetzt Recht. (© Pixabay.com)

Versmold/Bad Salzuflen. Eine fehlerhafte Behandlung in einer Reha-Maßnahme hat die Spenderorgane eines Mannes aus Versmold so stark geschädigt, dass ihm die Dialyse nicht erspart bleibt. Nun hat das Oberlandesgericht dem 57-Jährigen ein Schmerzensgeld von 85.000 Euro zugesprochen und damit ein Urteil des Landgerichts Detmold kassiert. Eine Revision gegen das Urteil hat das OLG nicht zugelassen.

Der Patient hatte die stundenlangen Transplantationen von neuer Niere und Bauspeicheldrüse im November 2013 ohne Komplikationen überstanden. Nach dem Marathoneingriff kam er im April 2014 für drei Wochen zur Reha in die Klinik am Burggraben nach Bad Salzuflen, wo die neuen Organe stark in Mitleidenschaft gezogen wurden.

„Bei der Aufnahme in die Rehaklinik wurde mir Blut abgenommen, um den vorgeschriebenen Medikamentenspiegel zu kontrollieren“, erinnert sich der 57-Jährige. Die Blutprobe sei dann an ein externes Labor geschickt worden, das sich aber lange Zeit nicht gemeldet habe. „Ich machte mir Sorgen, weil ich ja wusste, wie wichtig das Medikament ist. Ich habe die Ärzte jeden Tag nach dem Laborwert gefragt, aber ich wurde vertröstet“, berichtet der ehemalige Betriebsleiter.

Patient muss wieder zur Dialyse

Erst nach zwei Wochen lagen der Klinik die Werte vom Aufnahmetag vor. „Der Medikamentenspiegel lag zwar bei den vorgeschriebenen acht Nanogramm, aber als eine Woche später nach der Entlassung der Pegel vom niedergelassenen Nierenarzt bestimmt wurde, war er mit sechs Nanogramm viel zu niedrig – und niemand wusste, ob er nicht schon seit drei Wochen so tief war“, sagt der 57-Jährige. Er sei im Mai 2014 sofort in die Bochumer Uniklinik eingewiesen worden, doch es sei zu Komplikationen und Abstoßungsreaktionen gekommen. „Zum Schluss habe ich die Bauchspeicheldrüse verloren, und die Spenderniere wurde so sehr geschädigt, dass ich seitdem wieder drei Mal wöchentlich für vier Stunden zur Dialyse muss“, fügt er hinzu. Auch seine Zuckerkrankheit sei zurückgekehrt.

Sein Anwalt Heiko Partenheimer, Fachanwalt für Medizinrecht aus Verl, verklagte die Ärzte der Rehaklinik vor dem Landgericht Detmold. Dort wurde die Klage im vergangenen Jahr abgewiesen. Die Richter bewerteten es zwar als einen Befunderhebungsfehler, dass die Ärzte nicht nachgehakt hatten, als das Labor sich nicht gemeldet hatte. Sie sahen aber auch andere mögliche Gründe für die Organabstoßung, so Partenheimer.

Der Versmolder ging in Berufung und hatte nun im November 2018 in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht Erfolg. „Das Gericht folgte den Ausführungen des Gutachters. Der hatte erklärt, dass die Ärzte spätestens drei Tage nach Ausbleiben des Laborbefundes hätten nachfragen müssen“, sagte Anwalt Partenheimer. Da dies nicht geschah, habe der Gutachter dieses Vorgehen der Ärzte als einen groben Behandlungsfehler eingestuft. „Bei groben Fehlern sieht das Gesetz eine Beweislastumkehr vor – die Ärzte müssen dann nachweisen, dass ihr Handeln nicht für den Zustand des Patienten verantwortlich war. Das konnten sie nicht“, so Partenheimer.

„Mein Körper ist extrem geschwächt"

In der Urteilsbegründung des OLG heißt es: „Selbst wenn ein niedriger Medikamentenspiegel nur einer von mehreren Faktoren gewesen sein sollte, so ist die fehlende Kontrolle doch ein grober Fehler gewesen.“ Zur Höhe des Schmerzensgeldes schrieben die Richter, sie hätten die Dialysepflicht „mit all ihren Beschwernissen und Einschränkungen des täglichen Lebens berücksichtigen müssen“. Zudem muss die Haftpflichtversicherung der Rehaklinik für alle Kosten aufkommen, die dem Versmolder wegen der Schäden an der Spenderniere noch entstehen.

Der Mann, der mal einen Betrieb mit 300 Mitarbeitern geleitet hat, erhält jetzt eine Erwerbsunfähigkeitsrente. „Mein Körper ist extrem geschwächt . Durch die enorme Medikamenteneinnahme bin ich sehr vergesslich geworden“, sagt er. Die Rehaklinik wollte auf Anfrage dieser Zeitung nichts dazu sagen.

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