Nach 60 Jahren ist Schluss: Letzter Gottesdienst in Neuapostolischer Kirche

Mehr als 60 Jahre war die Neuapostolische Kirche mit einem Standort in Versmold vertreten.Mit dem Ruhestand zweier langjähriger Priester und sinkender Mitgliederzahl endet dieses Kapitel

Tasja Klusmeyer

Das Schild kommt bald ab: Die beiden ehrenamtlichen Priester Helmut Weinert (links) und Heiko Johanning sind inzwischen im Ruhestand Der Standort am Brüggenkamp wird aufgegeben. Ihre beiden Kollegen Udo Enkemeier aus Greffen und Hans-Jörg Personke aus Versmold werden künftig in umliegenden Gemeinden wirken. - © Neuapostolische Kirche Bielefeld
Das Schild kommt bald ab: Die beiden ehrenamtlichen Priester Helmut Weinert (links) und Heiko Johanning sind inzwischen im Ruhestand Der Standort am Brüggenkamp wird aufgegeben. Ihre beiden Kollegen Udo Enkemeier aus Greffen und Hans-Jörg Personke aus Versmold werden künftig in umliegenden Gemeinden wirken. (© Neuapostolische Kirche Bielefeld)

Versmold. Helmut Weinert und Heiko Johanning waren beide fast 40 Jahre für die Gemeinde vor Ort aktiv. Beide als Priester im Ehrenamt, Weinert zudem als Gemeindevorsteher. Am 31. Dezember verabschiedeten sich die Herren in den Ruhestand. Nachfolger hat der Bezirk Bielefeld der christlichen Religionsgemeinschaft nicht ordiniert und sich stattdessen zur Aufgabe des Versmolder Standortes entschlossen. Eine Entscheidung mit Weitsicht und eine Konsequenz aktueller Entwicklungen.

„Eine Gemeinde sollte dann aufhören, wenn noch etwas da ist“, sagt der Versmolder Heiko Johanning, der neben der seelsorgerischen Tätigkeit für den Bezirk Bielefeld für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Wie andere Kirchen auch hätten die Neuapostolen mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. Die Gemeindeglieder würden immer älter, neue rückten kaum nach. Etwa 30 Teilnehmer kämen zum sonntäglichen Gottesdienst; mittwochs seien es nicht mal mehr 20. Kinder- und Jugendgottesdienste gäbe es schon länger nicht mehr.

Mit dem Ruhestand von zwei der vier Priester sei der Zeitpunkt des Abschiedes aus Versmold gekommen. Die Versmolder verteilen sich künftig auf die umliegenden Gemeinden wie Halle, Steinhagen oder Warendorf. Der NAK-Bezirk Bielefeld umfasst insgesamt zwölf Gemeinden mit insgesamt knapp 3.400 Mitgliedern, die von etwa 160 Amtsträgern seelsorgerisch betreut werden.

Anfänge reichen ins Jahr 1951 zurück

Die Anfänge in Versmold reichen ins Jahr 1951 zurück – alles begann mit einer Begegnung im Krankenhaus. In der Chronik ist zu lesen, dass Erwin Weberschock aus Versmold dort den Gütersloher Rudolf Kamp kennenlernte und zum Gottesdienst in der Neuapostolischen Kirche eingeladen wurde. Am 17. Juni des Jahres wurde die Heilige Versiegelung der Versmolder Familie vorgenommen. Daraufhin fanden erste Missionsabende im Haus der Weberschocks in Peckeloh statt. Später wurde der kleinen Gemeinde ein Klassenraum in der einstigen Volksschule zur Verfügung gestellt.

Erwin Weberschock erhielt 1965 das Diakonenamt und war lange Zeit als einziger Amtsträger in der Gemeinde tätig. 1980 ging er mit Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand; wenig später übernahm Helmut Weinert. Am 12. Dezember 1984 wurde er Gemeindevorsteher.

Das Jahr war auch aus anderem Grund ein wichtiges in der Geschichte der Neuapostolen vor Ort. Herbert Zachau, damals stellvertretender Bürgermeister der Stadt sowie AWO-Vorsitzender, bot der Kirche an, einen Raum unter dem Dach der AWO am Brüggenkamp zu mieten. 1985 erfolgte der Umzug an die Altstadtstraße, wo der AWO-Ortsverein seine heutige Immobilie kaufte.

2005 fand dort der letzte Gottesdienst statt. Die Gemeinde zog zurück an den Brüggenkamp und bekam erstmals ein eigenes Domizil. Sie mietete ehemalige Geschäftsräume an und gestaltete diese zu einer Versammlungsstätte um. Der Vertrag ist nun gekündigt. Nach dem letzten Gottesdienst an diesem Sonntag ist Schluss mit dem Gemeindeleben vor Ort.

Heiko Johanning, seit 1996 im Diakonen- und seit 2002 im Priesteramt, hat sich mit 65 Jahren in den Ruhestand verabschiedet – zumindest seelsorgerisch. Weiterhin wird der Versmolder die Öffentlichkeitsarbeit für den Bezirk Bielefeld ausüben. Dort wartet eine wichtige Aufgabe: 2019 wird das 150-jährige Bestehen des Bezirkes gefeiert.

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