VersmoldBrustkrebs: Wie diese Powerfrau nun anderen helfen will

Vor knapp vier Jahren erkrankte Manuela Paul an Brustkrebs und will nun andere Betroffene mit einer Selbsthilfegruppe unterstützen.

Silke Derkum-Homburg

Versmold. Es war im Februar 2015, als Manuela Paul erfuhr, dass sie Brustkrebs hat. „Als die Diagnose kam, hat sie mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich habe vier Wochen lang nur geheult und daran gedacht, dass ich meine Enkelkinder nicht mehr kennenlernen werde", sagt die damals 52-Jährige. „Aber dann habe ich mir gesagt: Du bist doch eine Powerfrau. Und habe mein Leben in die Hand genommen."

Fast vier Jahre später möchte sie nun mit genau dieser Power auch andere Erkrankte unterstützen und ruft in Versmold die erste Selbsthilfegruppe ins Leben. Die steht unter dem Dach des bundesweit tätigen Vereins Mamazone e.V., der sich zum Ziel gesetzt hat, dass sich an Brustkrebs erkrankte Frauen, Ärztinnen und Wissenschaftler zusammenschließen, um gemeinsam die Lebens- und Überlebensperspektive von Frauen mit Brustkrebs zu verbessern.

Den Kopf nicht in den Sand zu stecken und sich eine positive Sicht auf die Dinge zu bewahren, hat auch Manuela Paul während ihrer Krebstherapie geholfen. Sie musste sowohl Chemo-, als auch Strahlentherapie über sich ergehen lassen. „Aber ich wollte, dass mein Körper nicht nur geschwächt wird, und habe parallel zur Chemo angefangen, jeden Morgen zu walken und die Natur zu genießen", erzählt sie. Zudem verringere Bewegung die Rückfallquote um bis zu 50 Prozent. Deshalb habe sie im Zuge ihrer Erkrankung beim SC Peckeloh eine Sportgruppe für Menschen während oder nach einer Krebserkrankung ins Leben gerufen, die inzwischen in der Montagsgruppe beim SCP aufgegangen ist.

„Ich habe so viel Positives gewonnen, das möchte ich gerne weitergeben"

Nach einem knappen Jahr Therapie waren die Krebszellen bei Manuela Paul nicht mehr sichtbar. „Geheilt ist man aber nie", sagt sie, „diese Krebsart kann jederzeit wiederkommen." Sie nahm ihren alten Beruf als Schuhfachverkäuferin im Schuhhaus Nollmann wieder auf. „Aber schon nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass das nicht mehr geht und ich nicht so lange stehen kann", sagt sie, denn durch die Chemo waren die Nerven unter den Füßen geschädigt und auch sonst war sie körperlich nicht mehr so fit wie früher. „Ich wollte mir nicht eingestehen, dass ich nicht mehr so leistungsfähig bin", sagt sie über die Zeit, die sie auch psychisch stark belastete.

Info

Gespräche und Infos

• Die Selbsthilfegruppe »Mamazone« trifft sich zum ersten Mal am Samstag, 26. Januar, um 10 Uhr im Haus der Familie an der Altstadtstraße 4. Dort soll dann mit den Teilnehmern gemeinsam nach weiteren Terminen geschaut werden.
• Eingeladen sind alle Frauen und Männer, die von Brustkrebs betroffen sind oder waren. Die Gruppe richtet sich ausdrücklich nicht nur an Versmolder, sondern an alle Interessierten diesseits und jenseits der Landesgrenze.
• Neben dem Gedankenaustausch soll es auch um ganz praktische Infos gehen: Was bewirkt Bewegung? Wie weit ist die Medizin? Warum ist Vitamin D so wichtig? Was wird wie behandelt? Das sind Beispiele für mögliche Themen.
• Infos gibt Manuela Paul unter der Telefonnummer (0 54 23) 4 35 21.

Auch in der Reha wird ihr deutlich gemacht, dass ein Beruf als Verkäuferin nicht mehr infrage kommt. Also macht sie eine Umschulung zur Seniorenbetreuerin und geht in dem neuen Beruf völlig auf. „Ich habe aus der ganzen Zeit der Erkrankung so viel Positives gewonnen, das möchte ich gerne weitergeben", sagt sie.

Über Online-Gruppen, in denen sich Menschen mit Brustkrebserkrankungen austauschen, erfährt sie von Mamazone und dass es eine Regionalgruppe des Vereins in der onkologischen Rehaklinik Bad Öxen in Bad Oeynhausen gibt. „Der Austausch mit anderen Betroffenen tat so gut und ich bin alle vier Wochen dahin gefahren", sagt sie. Irgendwann wurde sie dort stellvertretende Regionalleiterin und fuhr zu Mamazone-Kongressen. „Dort bekommt man wirklich geballte Informationen", sagt sie und nennt damit eines der Ziele von Mamazone und dessen Selbsthilfegruppen. „Nur eine gut informierte Patientin kann mitentscheiden über ihre Behandlung", sagt Manuela Paul. Sie selbst habe schon öfter die Erfahrung gemacht, dass sie über bestimmte Behandlungsmethoden, Nebenwirkungen oder Therapiemöglichkeiten besser Bescheid wusste als ihre Ärzte und sie so den Behandlungserfolg mitbeeinflussen konnte.

Da Bad Oeynhausen weit ist, hat sie nun in Versmold eine Gruppe gegründet (siehe Infokasten) und hofft, auch hier im Umkreis Erkrankten helfen zu können. „Jährlich erkranken 70.000 Frauen und 500 Männer an Brustkrebs", sagt sie und betont, dass es deshalb keine reine Frauengruppe sei. Aber auch außerhalb der Gruppe steht sie Betroffenen gerne zur Seite. „Wer ein persönliches Gespräch möchte oder Trost braucht, kann mich gerne anrufen."