VersmoldKickboxerin Tanja Huth verewigt sich im Goldenen Buch der Stadt Versmold

Tanja Huth, Kickbox-Weltmeisterin aus Versmold, verewigt sich im Goldenen Buch der Stadt. Diese Gelegenheit nutzt sie, und gibt Bürgermeister Michael Meyer-Hermann dabei eine kostenlose Fitnessvorführung

Silke Derkum-Homburg

Locker: Bürgermeister Michael Meyer-Hermann hatte Tanja Huth ins Rathaus eingeladen, wo sie sich ins Goldene Buch eintragen durfte, und bekam direkt Trainingstipps von ihr. - © Silke Derkum-Homburg
Locker: Bürgermeister Michael Meyer-Hermann hatte Tanja Huth ins Rathaus eingeladen, wo sie sich ins Goldene Buch eintragen durfte, und bekam direkt Trainingstipps von ihr. © Silke Derkum-Homburg

Versmold. Für Tanja Huth hat sich in den vergangenen 13 Monaten viel verändert. Als die Versmolderin am 27. Oktober 2017 mit dem Kickboxen begann, hätte sie kaum gedacht, dass sie ein Jahr später Amateur-Weltmeisterin in ihrer Gewichtsklasse des Verbandes WFMC sein und sich in das Goldene Buch ihrer Heimatstadt eintragen würde. Nun sitzt sie im Büro von Bürgermeister Michael Meyer-Hermann und führt ihre Zuhörer in die Welt des Kampfsports ein. Und das mit einer Begeisterung, die ahnen lässt, mit wie viel Leidenschaft sie ihren Sport betreibt.

„Wir freuen uns über Versmolder, die erfolgreich sind und die Stadt dadurch auch bekannter machen“, sagt Bürgermeister Michael Meyer-Hermann. Und setzt hinzu, dass die Fleischerstadt eben nicht nur im Handball, Fußball und Tennis einen guten Ruf habe, sondern auch gute Kampfsportler hervorbringe.

Eigentlich wollte Tanja Huth schon als Kind mit dem Kickboxen anfangen. „Aber in einer Familie mit neun Kindern war das finanziell nicht möglich“, sagt die gebürtige Sassenbergerin. Dass sie dann viele Jahre später doch zum Kampfsport kam, hat einen negativen Hintergrund. „Ein unschöner Vorfall auf der Straße hier in der Innenstadt“, wie sie sagt, brachte sie dazu, sich in Glandorf in einer Kampfkunstschule anzumelden, um zu lernen, wie man sich selbst verteidigt.

Unschönes Erlebnis brachte sie auf den Weg zum Erfolg

Im »Center of Martial Arts«, das sich mit »COMA« abkürzt, wird bald ihr Talent erkannt und nach einem halben Jahr gewinnt sie in der Disziplin K1-Fullcontact, „der Königsklasse des Kickboxens“, wie sie sagt, die ersten Turniere. Und auch die Angst, alleine auf der Straße unterwegs zu sein, hat sie nicht mehr. „Ich bin durch den Sport viel selbstbewusster geworden. Ich habe ein ganz anderes Auftreten. Früher wäre es mir schwer gefallen, hier in diesem Raum zu sitzen und mich mit Ihnen zu unterhalten“, sagt sie. Davon merkt man ihr wahrlich nichts mehr an. Trotzdem hat sie noch weitere Ziele.

„Ich bin zwar gerade erst von der D- in die C-Klasse gewechselt, aber ich trainiere wie ein Profi“, sagt die Pferdepflegerin und zeigt auf ihrem Smartphone ein Video, in dem sie mit einer Atemmaske und elastischen Seilen an Händen und Füßen trainiert, um auf diese Weise sowohl den Atemwiderstand als auch den Widerstand bei den Bewegungen zu erhöhen.

Der Bürgermeister und die beiden Damen von der schreibenden Zunft, die mit von der Partie sind, sind beeindruckt. Und angesichts dieser Fanbase zeigt Tanja Huth flink noch im Bürgermeisterbüro, was Burpees sind, die zu ihrem täglichen Trainingsplan dazugehören. Sie springt zwischen Schreibtisch und Aktenschrank zuerst in den Liegestütz, dann in die Hocke und schließlich folgt ein Strecksprung.

Ihr Ziel sei es, wenigstens bis zur A-Klasse zu kommen. „Das ist eine Klasse unter den Profis“, sagt die 33-Jährige. An Willen, Talent und Trainingsfleiß würde es wahrscheinlich nicht scheitern. „Aber ich brauche unbedingt Sponsoren, ohne die geht es nicht“, sagt sie. Denn Preisgeld gewinnt man in ihrer Kategorie noch nicht mal als Weltmeisterin. „Ich möchte als nächstes bei den British Open starten“, sagt sie, „aber auch das wird davon abhängen, ob ich die Reisekosten bezahlen kann.“