Wohin mit dem Versmolder Klärschlamm?

Den ganzen Sommer über türmte sich im Klärwerk der Schlamm. Nun könnten deshalb die Abwassergebühren steigen

Silke Derkum-Homburg

Gar nicht so unangenehm, wie man meint: Nur Laien denken bei Klärschlamm an das Wort mit sch. Experte Khosrow Ghobadi klärt auf: „Das sind hauptsächlich die Zellwände von organischen und anorganischen Bakterien, die nicht zersetzt werden können.“ Der Schlamm besteht nur zu 25 Prozent aus Wasser und auch der Geruch erinnert eher an Gülle als an Exkremente. - © Silke Derkum-Homburg, HK
Gar nicht so unangenehm, wie man meint: Nur Laien denken bei Klärschlamm an das Wort mit sch. Experte Khosrow Ghobadi klärt auf: „Das sind hauptsächlich die Zellwände von organischen und anorganischen Bakterien, die nicht zersetzt werden können.“ Der Schlamm besteht nur zu 25 Prozent aus Wasser und auch der Geruch erinnert eher an Gülle als an Exkremente. (© Silke Derkum-Homburg, HK)

Versmold. Der Kreislauf hat über Jahre funktioniert. Das Abwasser der Versmolder wandert über die Kanalisation in die Kläranlage und wird dort gereinigt. Aus den Rückständen aus dem Schmutzwasser wird im Faulturm durch Gärung Energie und Wärme gewonnen. Was dann noch übrig bleibt, ist Klärschlamm und wird zur Düngung der Felder verwendet.

Doch seitdem im Sommer 2017 die neue Düngemittelverordnung in Kraft trat, rentiert sich das Ausbringen des Klärschlamms für die Landwirte nicht mehr, und den Klärwerken brechen die wichtigsten Abnehmer weg. In der Versmolder Kläranlage türmte sich deshalb monatelang der Klärschlamm, denn auch die Entsorgung über die Müllverbrennungsanlage war nicht mehr gewährleistet.

„Zum 31. Dezember 2017 lief der Vertrag mit unserem Entsorgungsunternehmen aus“, berichtete Fachbereichsleiter Dirk Niggemann am Dienstag im Betriebsausschuss der Stadtvertretung. „Wir haben den neuen Auftrag zur Entsorgung des Klärschlamms bundesweit ausgeschrieben und nicht ein einziges Angebot erhalten.“ So sei es auch vielen anderen Kommunen ergangen, denn für die Entsorgerfirmen sei die Beseitigung des Klärschlamms über die Müllverbrennungsanlagen wegen der hohen Nachfrage kaum noch möglich gewesen.

Jede Woche 60 Tonnen neuer Schlamm

Während man im Versmolder Rathaus nach einer Lösung suchte, wuchs der Klärschlammberg, denn wöchentlich kamen rund 60 Tonnen hinzu. Weder die Bezirksregierung noch das NRW-Umweltministerium wussten eine Lösung für das Dilemma. „Im Ministerium riet man uns, die Entsorgung selbst zu organisieren und alle Müllverbrennungsanlagen abzuklappern“, sagt Dirk Niggemann.

Das sei gar nicht so leicht gewesen. Denn viele Anlagen dürften überhaupt keinen Klärschlamm verbrennen, während andere gar keine Kapazitäten mehr hatten. Schließlich wurde Niggemann bei RWE in Essen fündig. Und auch Khosrow Ghobadi, der Betriebsleiter des Versmolder Klärwerks, fand dank seiner guten Kontakte zwei Abnehmer.

Allerdings war der Klärschlammberg im Lager inzwischen auf 4.500 Tonnen angewachsen. „Normalerweise haben wir 2.400 Tonnen im Jahr“, sagt Khosrow Ghobadi. Erschwerend hinzu kam, dass durch die dringend notwendige Sanierung einer der Faultürme geleert werden musste und auch der Schlamm aus diesem Turm in das überfüllte Lager kam. Es wurde sogar eine neues Dach errichtet, um den Schlamm vor Regen zu schützen.

Transporter bringen Klärschlamm nach Essen

Seit Sommer fahren nun mehrmals wöchentlich Transporter nach Essen, und haben bereits zwei Drittel des Klärschlammberges dorthin zur Verbrennung gebracht. Die Transporte schlagen finanziell ordentlich zu Buche. „Bisher haben wir für die Entsorgung einer Tonne 45 bis 55 Euro gezahlt. Jetzt sind es 140 Euro pro Tonne“, sagt Khosrow Ghobadi. Im Haushaltsplanentwurf 2019 sind für den Posten Klärschlammentsorgung 425.000 Euro angesetzt. Bisher waren es 264.000 Euro.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, haben sich mehrere Kommunen zum Arbeitskreis Klärschlammentsorgung OWL zusammengeschlossen. Auch Versmold ist mit dabei. Dort werden mehrere Optionen geprüft, wie die Schlammberge sinnvoll entsorgt werden können. Eine davon wäre der Bau einer eigenen Anlage zur Verbrennung. Entschieden werden soll das allerdings erst im nächsten Sommer.

Info

Erhöhung der Abwassergebühr

Die Abwassergebühren in Versmold werden sich, insbesondere durch die höheren Klärschlammentsorgungskosten, voraussichtlich ändern. Am kommenden Montag soll im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss über eine Erhöhung der Schmutzwassergebühr von aktuell 2,18 Euro je Kubikmeter Wasser auf 2,30 Euro diskutiert werden.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.