Vom Fensterputzer zum Firmenchef: Otto Howe bekommt goldenen Meisterbrief

Vor 50 Jahren bestand Otto Howe die Meisterprüfung als Gebäudereiniger und gründete seine eigene Firma. Die erledigt heute alles vom Parkettschleifen bis zur Schädlingsbekämpfung

Silke Derkum-Homburg

50 Jahre Meister: Aus den Händen seines ehemaligen Lehrlings, Hans Dieter Kottmeyer (links), der heute Obermeister der Innung ist, erhält Otto Howe seine Urkunde. - © Silke Derkum-Homburg, HK
50 Jahre Meister: Aus den Händen seines ehemaligen Lehrlings, Hans Dieter Kottmeyer (links), der heute Obermeister der Innung ist, erhält Otto Howe seine Urkunde. (© Silke Derkum-Homburg, HK)

Versmold. Als Otto Howe das erste Mal als Gebäudereiniger Fenster putzte, war die Welt – so scheint es aus heutiger Sicht – noch eine ganz andere. 1955 trat der damals 16-Jährige als ungelernte Arbeitskraft in den Dienst der Firma Rakowski, des zu der Zeit noch einzigen Gebäudereinigungsunternehmens der Stadt. 69 Jahre später bekommt Otto Howe nicht nur den Goldenen Meisterbrief überreicht, sondern blickt auch stolz auf die fast 50-jährige Firmengeschichte seines eigenen Unternehmens zurück. Die »Otto Howe Gebäudereinigungs GmbH« wird seit 2005 von Howes jüngster Tochter Miriam Howe-Bußmann geführt und hat inzwischen 94 Mitarbeiter.

„Seit damals hat sich viel verändert", sagt Otto Howe, der aber auch als Rentner das Geschehen in seinem Betrieb genau im Blick hat und seiner Tochter und seinem Schwiegersohn bei kleineren Arbeiten noch zur Hand geht. Als er mit dem Beruf begann, da wurden Gebäudereiniger fast ausschließlich zur Grundreinigung in Industriebetrieben, zur Unterhaltsreinigung in Büros und für die Glasreinigung größerer Firmen herangezogen. Wenn man damals bei der Akquise kleineren Betrieben oder Privathaushalten anbot, ihre Fenster zu putzen, dann haben die Leute einen ausgelacht, denn das machten sie damals selber, erinnert sich Otto Howe.

Inzwischen gehört nicht nur das Fensterputzen zum Standard. Der Beruf des Gebäudereinigers umfasst noch viel mehr. „Wir machen Fassadenkomplettreinigung, Parkettschleifen, Schädlingsbekämpfung, Natursteinsanierung und Teppich- und Polsterreinigung", zählt Howes Schwiegersohn Thomas Bußmann auf. Trotz dieser Vielseitigkeit habe der Beruf des Gebäudereinigers nicht das Image, das ihm gebühre. „Viele denken, wir putzen nur Fenster oder Toiletten", sagt Miriam Howe, und genau das sei nicht der Fall.

Vom Ein-Mann-Betrieb zu 94 Mitarbeitern

Gebäudereinigung sei noch echtes »Hand-Werk«", sagt Bußmann. „Wir arbeiten jeden Tag woanders, sehen viele verschiedene Betriebe"... „ und sind unser eigener Herr vor Ort", ergänzt Otto Howe.

Er selbst hat sich 1969 als Ein-Mann-Betrieb selbstständig gemacht. Nachdem er um 1960 seinen Gesellenbrief erworben und dann einige Jahre später die Meisterschule besucht und 1968 abgeschlossen hatte.

Den Goldenen Meisterbrief überreicht ihm in Hans Dieter Kottmeyer nicht nur der Obermeister der Gebäudereiniger-Innung OWL, sondern jemand, der das Handwerk auch einst von Otto Howe erlernt hat. „Deshalb ist es mir eine besondere Freude, heute meinem ehemaligen Ausbilder diese Urkunde zu überreichen", sagt Hans Dieter Kottmeyer.

Und die beiden haben sich nicht nur viel zu erzählen, was die Entwicklungen ihrer Branche betrifft. Sie teilen auch Erinnerungen. So wie die an einen Auftrag bei den Dürkopp-Werken in Bielefeld, wo sich der Azubi Kottmeyer weigerte, auf eine sehr hohe und sehr wacklig stehende Leiter zu klettern. Also musste Ausbilder Otto Howe selbst ran, was für ihn offenbar kein Problem war. „Ich habe auch damals in der zweiten Etage außen auf den Fensterbrettern gestanden, um die Fenster zu putzen", erzählt er und macht damit einen der größten Unterschiede im Job damals und heute sichtbar. „Die Sicherheitsvorkehrungen sind mittlerweile zum Glück viel besser als damals", sagt Kottmeyer.

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