Max mittendrin: Was passiert auf einer Tupperparty?

Zum ersten Mal war ich bei einer dieser berühmten Tupperpartys zu Gast, um für mich die Frage zu klären: Treffe ich dort auf eine lustige Runde oder ist es ein verrücktes Sammlertreffen?

Max Backhaus

Gemütliches Ambiente: Während Doris Altmann-Maschmann (vorne) über die neuesten Produkte referiert, hören die Gäste gespannt zu – oder schlagen Purzelbäume. - © Max Backhaus, HK
Gemütliches Ambiente: Während Doris Altmann-Maschmann (vorne) über die neuesten Produkte referiert, hören die Gäste gespannt zu – oder schlagen Purzelbäume. (© Max Backhaus, HK)

Versmold/Oesterweg. 18.30 Uhr: Gleich beginnt sie. Meine erste Tupperparty. Wenn ich ehrlich bin, stand eine Teilnahme an einer Tupperparty nicht gerade auf meiner To-do-Liste fürs Leben. Und von Vorurteilen freisprechen kann ich mich auch nicht. Irgendwie ist das als Kind bei mir entstandene Bild einer sektenähnlichen Versammlung von Mittdreißigerfrauen, die die Tupperdose als eine Art heiliger Gral verehren, in meinem Gehirn verankert.

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Vielleicht liegt es auch an meiner Mutter, die zu meiner Schulzeit gefühlt wöchentlich eine hauseigene Inventur durchführte, damit ja keine der wertvollen Dosen abhanden kommt. Schön, vielleicht habe ich die ein oder andere verbaselt. Wie auch immer. Der beste Weg, seine Vorurteile zu überprüfen, ist es, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Also stelle ich mein Großhirn auf null, greife zum Lenker und klingle bei Tanja Lepping in Oesterweg.

Was passiert auf einer Tupperparty?

Für die Gastgeberin lohnt sich der Abend finanziell

19 Uhr: Die Gastgeberin öffnet mir ihre Haustür und führt mich ins gemütliche Wohnzimmer. Das Feuer im Kamin prasselt und auf dem Sofatisch stehen Getränke und Snacks. Tanja Lepping macht ein paar Kerzen an und kümmert sich um ihre Söhne Felix und Theo, die gespannt dabei zusehen, wie Partymanagerin Doris Altmann-Maschmann von Tupper den großen Esszimmertisch mit Dosen und Küchengadgets füllt. „Den haben wir auch, den benutzt Papa immer für Nutellagläser", wird der achtjährige Felix später sagen, wenn Doris Altmann-Maschmann den kleinen Teigschaber hochhält.

Für Tanja Lepping ist es die erste Tupperparty, bei der sie Gastgeberin ist. Sie konnte selbst entscheiden, wen sie einlädt. Nach und nach trudeln die Gäste ein, neun sind es insgesamt. „Das lässt sich schon sehen", meint Doris Altmann-Maschmann, die betont, wie gut eine Gastgeberin finanziell bei der Party wegkommt: „Unter ’nem Hunni geht man selten raus."

Einige warten sehnsüchtig auf 
die Angebote

Doris Altmann-Maschmann - © Max Backhaus, HK
Doris Altmann-Maschmann (© Max Backhaus, HK)

19.30 Uhr: Die neun Frauen gemischten Alters nehmen Platz und richten ihren Blick auf die Partymanagerin. Man kennt sich. Nach kurzem Small Talk über vergangene Tupperpartys im Golddorf erklärt die Oesterwegerin Altmann-Maschmann den Abendablauf. „Jede kann kommen und gehen, wann sie mag", sagt sie etwa. Ungezwungen und flott soll die Party sein. „Niemand braucht, dass ich hier stundenlange Monologe halte", fährt sie fort und kündigt an, später mit den Frauen in der Küche aktiv zu werden.

Doch zunächst hält Altmann-Maschmann Teil für Teil in die Höhe und gibt dazu Anwendungs- und Zubereitungstipps. Sie erzählt den lauschenden Frauen von Deckeln mit Klimamembranen, Gefäßen mit verschiedenen Schüttöffnungsgrößen sowie aromadichten und spülmaschinengeeigneten Materialien. Viele der anwesenden Frauen nicken verständnisvoll. Einige wissen bereits bestens Bescheid und warten auf die Angebote.
Wie Steffi Kräuter, die sich die vergünstigten Schüsseln aus der Clear-Collection auf den Bestellbogen schreibt und dann vorzeitig den Heimweg antritt. Katrin Hülck ist hingegen auf ihrer ersten Tupperparty überhaupt. „Ich fand’s total interessant, man merkt, dass die Dame weiß, wovon sie redet", lobt sie Altmann-Maschmann. Nicole Jakob, ebenfalls Gast, ergänzt: „Sie kann zu jedem Teil eine Geschichte erzählen."

Für den Einstieg trägt Katrin Hülck das Peng-Schüsselset auf ihren Bestellbogen ein. „Ich beginne mal mit dem Klassiker", meint die Versmolderin. Zusätzlich bekommt sie, wie jeder Gast, ein Geschenk von Tupper. Heute gibt es eine rote Trinkflasche in Nikolausform oder ein Überraschungsgeschenk, das man sich zuschicken lassen kann.

Zum Schluss wird genascht

20.30 Uhr: Schneller als gedacht geht die kurzweilige Stunde herum. Während die Gäste den Warentisch unter die Lupe nehmen, schnippelt Doris Altmann-Maschmann mit den beiden Söhnen von Tanja Lepping in der Küche Obst, wobei immer wieder ein Gast über die Schulter guckt. Ein Schokofondue der anderen Art soll mit Hilfe des »Micro Servier und Dip« gemacht werden.

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(© HK)

Jeweils zwei Tafeln helle und dunkle Schokolade werden in Stücke zerteilt und in die beiden Behälter des Gerätes gefüllt. In das Gefäß darunter füllt Doris Altmann-Maschmann 400 Milliliter Wasser. Nach vier Minuten in der Mikrowelle auf Maximalwattzahl ist es fertig. „Man sollte die noch wirkende Hitze durch etwas Stehzeit nutzen", rät Altmann-Maschmann, ehe sie die fertige Schokolade nach dem Mikrowellenping herausholt und verrührt.

Zum Schluss wird noch genascht – und dann wird bestellt
Keine 20 Minuten später sind Banane, Weintrauben, Apfel und Mandarine vertilgt und der Gaumen befriedigt. Die Frauen geben, falls sie etwas Passendes gefunden haben, ihre Bestellscheine ab und Altmann-Maschmann rechnet zusammen. 400 Euro Partyumsatz bedeuten wiederum Prozente für Tanja Lepping, die unter dem Strich rund 90 Euro Gewinn gemacht hat. „Von meinen erwirtschafteten Punkten habe ich mir direkt das Schokofondue bestellt", sagt Lepping, die sich über einen „gelungenen, gemütlichen Abend" freut.

Und ich muss zugeben, dass meine anfängliche Skepsis vollkommen unberechtigt war. Die Stimmung war zwanglos und heiter. Obwohl ein Verkaufskonzept hinter dem Treffen steckt, wurde den Gästen kein Kaufzwang vermittelt. Also wenig Sekte, dafür umso mehr Schokolade. Läuft.

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