Digitalisierung im Stall: Smartphone statt Heugabel

Tasja Klusmeyer

Warten auf Nachschub: Immer wenn der rote Wagen anrollt, wissen die Kühe: Es gibt Futter. Und Landwirt Ingo Haßheider weiß sein Vieh stets optimal versorgt. Da bleibt für ihn mehr Zeit für die Arbeit am Tier selbst. - © Tasja Klusmeyer, HK
Warten auf Nachschub: Immer wenn der rote Wagen anrollt, wissen die Kühe: Es gibt Futter. Und Landwirt Ingo Haßheider weiß sein Vieh stets optimal versorgt. Da bleibt für ihn mehr Zeit für die Arbeit am Tier selbst. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold-Bockhorst. Lafer und Lichter – benannt nach den beiden bekannten TV-Köchen – heißen auch die beiden »Chefs« der Futterküche auf dem Hof Haßheider. Streng genommen sind sie keine Köche, sondern Servicekräfte. Die beiden sorgen dafür, dass alle 200 Kühe im Bockhorster Stall sowie das Jungvieh immer genügend Futter bekommen. Tag und Nacht, rund um die Uhr. Ein Blick aufs Smartphone genügt und Landwirt Ingo Haßheider weiß sofort, in welchem Stall Lichter gerade Futter verteilt und mit welcher Futtermenge wo auf dem Hof Lafer unterwegs ist.

Neun Jahre nach Inbetriebnahme des Melkroboters hat der Bockhorster Betrieb erneut kräftig in Technik und Digitalisierung investiert. 200.000 Euro hat die Umstellung auf das autonom fahrende System insgesamt gekostet. Haßheider ist überzeugt davon, dass sowohl Mensch als auch Tier davon profitieren.

Kann der Bauer dann morgens einfach im Bett liegenbleiben? Oder braucht er nur noch sporadisch im Stall vorbeizuschauen? Ingo Haßheider verneint dies deutlich. „Digitalisierung ist keine Entfremdung vom Bauernhof. Der Bezug zum Tier leidet nicht darunter – ganz im Gegenteil. Wir haben viel mehr Kontakt zum Tier." Der Grund: Dank der Automatisierung verbringt er weniger Zeit mit aufwendigen Pflichtaufgaben. Seine beiden Mitarbeiter, der Lehrling und er selbst sind tagsüber ständig in den Ställen unterwegs.

Elektrische Wagen sind rund um die Uhr auf dem Hof unterwegs

Bis vor drei Monaten wurden jeden Morgen die verschiedenen Futtermittel aus den Silos geholt, gemischt und per Radlader in die Ställe gefahren. Ebenso war abends Fütterungszeit. Neuerdings gibts fast rund um die Uhr etwas zum Kauen, was laut Ingo Haßheider ernährungsphysiologisch viel mehr der Natur der Kuh entspräche. Vorbei ist zudem die Zeit der Rangkämpfe zu Fütterungszeiten.

Die Anlage des niederländischen Herstellers Lely besteht aus zwei autonom fahrenden Wagen – Haßheider hat sie wie erwähnt Lafer und Lichter getauft. Über Induktionsschleifen oder Ultraschall bewegen sie sich eigenständig über den Hof, prüfen per Laser, ob noch ausreichend Futter im Stall ist, und schieben vorhandenes nach. Alle zwei Stunden geschieht das.

In Parkbuchten werden die Wagen mit Strom betankt. Dadurch wird Diesel eingespart – ein weiterer wichtiger Aspekt der Anschaffung. Direkt nebenan befindet sich die Futterküche, die alle drei Tage von Ingo Haßheider mit verschiedenen Futtermitteln befüllt wird. Ein Greifarm nimmt je nach Bedarf Stroh, Maissilage, Mineralfutter und Co. Jede Gruppe hat einen eigenen Speiseplan. „Die Tiere werden topversorgt und wir bekommen – kombiniert mit dem Melkroboter – Superergebnisse."

Krankenakte der Kuh per App

Über Bluetooth kann Ingo Haßheider mit seinem Smartphone jederzeit auf die Anlage zugreifen und sie steuern. Ohnehin sind das Smartphone und der Rechner für den Landwirt inzwischen zu wichtigen Arbeitsgeräten geworden. Sie zeigen nicht nur die Futtermenge an, sie liefern darüber hinaus alle wichtigen Informationen über jedes Tier.

Eine App spuckt bei Eingabe der Nummer sofort die digitale Krankenakte einer Kuh aus, zeigt an, wann sie zuletzt gekalbt hat und wie hoch die tägliche Milchleistung ist. Selbst die durchschnittliche Wiederkauaktivität einer Herde – übermittelt über einen Transponder am Hals der Tiere – hat der Landwirt so dokumentiert. Sie gibt ihm beispielsweise Aufschluss darüber, ob Anzeichen einer Krankheit vorliegen.

Um Tiergesundheit geht es auch an anderer Stelle: Auf einer zweiten Ohrmarke sind die genomischen Werte registriert. „Wir versuchen durch Zucht, die Gesundheitsmerkmale zu verbessern." Erbkrankheiten oder schlechte Fundamente sollen minimiert werden. Zuchtziel der Haßheiders ist ebenso, dass möglichst viele Kühe A 2-Milch geben. Diese gilt wegen ihrer Zusammensetzung als bekömmlicher. Die Milch von der Bundesstraße wird ans Deutsche Milchkontor in Herford geliefert. Die Produktionsstätte für Babymilch gehört dem bayerischen Unternehmen Hipp.

Über all das können sich die Besucher beim Hoftag am Sonntag, 30. September, erkundigen . „Uns geht es darum, den Verbrauchern die Landwirtschaft näher zu bringen", sagt Ingo Haßheider .

Und wer weiß? Vielleicht kann er prominente Gäste begrüßen. Per Mail soll – als nette Geste – eine Einladung an die Namensgeber der neuen Maschinen geschickt werden. Vielleicht lassen sich Johann Lafer und Horst Lichter ja tatsächlich blicken.

Info
Infos und Aktion

Am Sonntag, 30. September, öffnet Familie Haßheider von 11 bis 18 Uhr die Türen zu ihrem Betrieb an der Bundesstraße 39.

Das Fachpublikum wird besonders die neue Lely-Fütterungsanlage interessieren. Vertreter des niederländischen Unternehmens informieren über die Technik.

Darüber hinaus bauen 20 Aussteller ihre Stände auf, darunter örtliche Landmaschinenhändler, Futtermittelhersteller und die heimischen Jäger. Zudem gibt es Kreativstände und hausgemachte Köstlichkeiten.

Hofrallye, Hüpfburg und Bullriding sorgen für Unterhaltung.

Nicht zuletzt gibts Gutes für den Magen: an Imbiss-, Getränke- und Eisstand sowie in der von den angehenden Abiturienten betriebenen Cafeteria.

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