Willenskraft in Person - Joey Kelly zu Gast bei den Reinert Open

Max Backhaus

Gute Tipps: Der Mensch solle laut Joey Kelly immer mit Zielen arbeiten, um voranzukommen. - © Max Backhaus, HK
Gute Tipps: Der Mensch solle laut Joey Kelly immer mit Zielen arbeiten, um voranzukommen. (© Max Backhaus, HK)

Versmold. Joey Kelly war nicht immer so, wie man ihn heute kennt. Mit seiner Schwester Patricia hatte er als junger Erwachsener eine Wette abgeschlossen. „Wenn die den Triathlon schafft, dann schaffe ich das dreimal“, erinnert er sich und zeigt den 300 Zuschauern auf dem Beamer ein Video. Ohne Training, dafür direkt im Schmetterlingsstil, warf er sich den Wellen entgegen – um an der ersten Boje schwer keuchend zu pausieren und umzudrehen.

Und vielleicht ist in diesem Moment der Joey Kelly geboren, der heute sagen kann: „Ich arbeite und lebe grundsätzlich nicht ohne Ziele.“ Jedenfalls fasste er bei seinem ersten Marathon erneut den Mut, ins Wasser zu springen, um sein Ziel zu erreichen. Und nachdem er zum ersten Mal in seinem Leben mit einem Rennrad gefahren war, überholte er sogar beim Laufen kurz vor Schluss zwei Rentner. „Und die haben miteinander geredet“, schmunzelt Kelly.

Auch wenn er sagt, dass es sich bei seinem gut einstündigen Vortrag um keine Motivationsrede handelt, tut es genau das. Kelly berichtet von etlichen Erlebnissen und Abenteuern, bei denen er versucht hat, an die Grenze seines Schaffens zu kommen und darüber hinaus. Wie etwa beim »24-Stunden-nonstop-Walking« unter Wasser. „Da bin ich dann sogar Weltmeister geworden“, erzählt er stolz und fährt fort: „Weil kein anderer Idiot so etwas macht.“

Sich durchzubeißen hat Kelly gezwungenermaßen schon sehr früh gelernt. Mit der »Kelly Family« lebte er 18 Jahre auf den Straßen Amerikas und Europas. „Wir hatten nichts und haben um unsere Existenz gekämpft“, meint der heute 45-Jährige.

Doch auch der Kampf hätte sich gelohnt. Das Album »Over the Hump« ist bis heute mit 2,25 Millionen Verkäufen das am siebterfolgreichsten verkaufte Album in Deutschland. Der spontane Applaus aus den Rängen lässt darauf deuten, dass der ein oder andere Tonträger auch in Versmolds Regalen eingeordnet sein könnte. Zum Dank verschenkt Kelly später bei der Autogrammstunde alte CDs. Dass sich Kellys Leidenschaften Musik und Sport auch mal im Weg stehen können, offenbarte sich bei einem Benefizkonzert von Michael Jackson. Die Kelly-Family sollte im Münchener Olympiastadion auftreten. Doch Joey Kelly will erst einen Marathon in Roth beenden. Vier Kilometer vor Schluss befiehlt sein Manager nun endlich in den Helikopter zu steigen. Keine Chance, Kelly will das Ziel erreichen. Letztlich schafft er es drei Sekunden vor Konzertbeginn auf die Bühne – in Sportkleidung. „Alle hatten einen dicken Hals“, erzählt Kelly lachend.

Einen dicken Hals könnte auch Stefan Raab bekommen. Wenn der erfährt, dass Kelly bei dessen TV-Format »Wok-WM« mit einem Magneten am Wok befestigt war und so den ehemaligen Rennrodler Georg Hackl durch eine bessere Rodelhaltung vom ersten Platz verwies. Unzählige dieser Geschichten erzählt der Amerikaner mit irischen Wurzeln. Von seiner Wanderung zum Südpol, den acht Ironmans innerhalb eines Jahres und dem Training mit Reiner Calmund, der in einem Jahr 35 Kilo abnahm („Wenn man mit Joey Kelly trainiert, dann freut man sich auf das Sterben“).

Auch von den 14 Spendenmarathons berichtet er. „Vielleicht spiele ich beim nächsten Mal 24 Stunden Tennis, bis die Hand abfällt“, sagt Kelly, der die „phänomenale Anlage“ des Tennisparks lobt.

Und auch wenn Kelly seinen Auftritt nicht als Motivationsrede betrachtet, sind seine Schlussworte inspirierend: „Glück ist kein Zufall und wir brauchen kein Talent, was wir brauchen ist Disziplin, Ausdauer und ein klares Ziel.“

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