Im Rollstuhl durch Paris

Silke Derkum-Homburg

Wollen einfach nur Spaß haben: Maria Bajak (Mitte) und Freundin Paula von Mrozik unterstützen vor dem Centre Pompidou musikalisch einen Straßenmusikanten. Der Platz vor dem Museum ist Anlaufstelle von tausenden jungen Leuten, die Paris besuchen. - © Andrea Pfeiffer
Wollen einfach nur Spaß haben: Maria Bajak (Mitte) und Freundin Paula von Mrozik unterstützen vor dem Centre Pompidou musikalisch einen Straßenmusikanten. Der Platz vor dem Museum ist Anlaufstelle von tausenden jungen Leuten, die Paris besuchen. (© Andrea Pfeiffer)

Versmold. Als sich Maria Bajak in der sechsten Klasse der CJD-Sekundarschule für das Wahlpflichtfach Französisch entschied, begann die Vorfreude. Zum Ende des neunten Schuljahres steht eine Klassenfahrt nach Paris auf dem Programm und die Bad Rothenfelderin war fest entschlossen, mitzureisen – und zwar im Rollstuhl. Den benötigt die inzwischen 16-Jährige, sobald sie längere Strecken zu Fuß zurücklegen muss.

„Natürlich hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich vor einer Klassenfahrt ganz andere Dinge bedenken muss als meine Mitschüler", beschreibt die Neuntklässlerin die Vorbereitungen, denn über allen Programmpunkten schwebte für sie die Frage »Wie komme ich da hin?«. Aber dank der Schule und ihrer Französischlehrerin „hatte ich als Rollstuhlfahrerin die Möglichkeit, gemeinsam mit meinen Eltern als Unterstützung an der Reise im Juni teilzunehmen." Dass sie über ihre Erfahrungen in der Zeitung berichtet, sei ihr ein besonderes Anliegen. „Ich möchte andere Rollstuhlfahrer motivieren. Auch mit Handicap kann man so etwas machen."

Ihre Eltern seien mitgefahren, damit nicht ausschließlich die Mitschüler als Helfer eingesetzt würden, berichtet Maria Bajak. Und Hilfe war an vielen Stellen nötig, „denn Paris ist nicht barrierefrei. Für fast jede Sehenswürdigkeit müssen Treppen bestiegen werden". Doch angesichts der Eindrücke, die ihr die Stadt geboten habe, sei dies nur ein geringes Problem gewesen.

Fast alle Sehenswürdigkeiten haben Stufen

„Ich habe vorher überall angerufen und mich nach den Möglichkeiten für Rollstuhlfahrer erkundigt", sagt Lehrerin Andrea Pfeiffer. Während die verschiedenen Etagen des Eiffelturms mit Aufzügen gut für Rollstuhlfahrer zu erreichen seien, sind die letzten Stufen zur Aussichtsplattform des Triumphbogens oder der Terrasse des Luxuskaufhauses Galeries Lafayettes selbst zu bewerkstelligen. „Ohne Hilfe wäre für mich diese Reise nicht möglich gewesen. Doch die Aussichten waren es wert. Der einmalige Blick vom Eiffelturm auf die Lichter des nächtlichen Paris war für mich das größte Erlebnis", schwärmt Maria Bajak und fügt hinzu: „Im weltberühmten Museum Louvre sind Rollstuhlfahrer sogar im Vorteil, denn sie dürfen an der Touristenmenge vorbei das Gemälde der famosen Mona Lisa aus nächster Nähe betrachten."

Als ganz und gar nicht rollstuhlgerecht hat sich hingegen die leider unverzichtbare Metro erwiesen, die nicht über Aufzüge erreicht werden kann. „Um die meist überfüllten Metrolinien zu nutzen, mussten viele Treppen überwunden werden", berichtet Maria Bajak. Aber sowohl ihre Eltern als auch die Mitschüler hätten ihr dabei stets geholfen. „Es geht langsam und es ist anstrengend, aber es geht", kommentiert sie diesen Part der Reise.

Alle haben mir Platz gemacht und sagten »Pardon, madame!«

„Bei unseren Ausflügen ist mir immer sehr positiv aufgefallen, dass die Pariser sehr hilfsbereit sind. Sie achten aufeinander und auf Menschen, die Schwierigkeiten haben. Sobald ich mit meinem Rollstuhl einen Durchgang passieren musste, wurde mir unverzüglich Platz gemacht und jeder sagte »Pardon, madame!«", berichtet sie.

Auch für Lehrerin Andrea Pfeiffer war die Klassenfahrt in diesem Jahr etwas Besonderes. Nicht nur wegen der speziellen Vorbereitung. „Ich war sehr beeindruckt, dass Maria sich das getraut hat, das ist nicht selbstverständlich", sagt sie. Für die 16-Jährige war es nicht der letzte Trip nach Paris: „Die Reise war für unsere Klasse super und mein Wunsch ist es, trotz mancher Hindernisse bald wiederzukommen", sagt sie, „denn es gibt in dieser Stadt noch unfassbar viel zu entdecken."

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