Lehrer erklimmt höchsten Gipfel Afrikas

Melanie Wigger

Ganz oben angekommen: Dieses Bild hat Ralf Dehnert am Gipfel des Kilimandscharo von sich machen lassen. - © Foto: Privat
Ganz oben angekommen: Dieses Bild hat Ralf Dehnert am Gipfel des Kilimandscharo von sich machen lassen. (© Foto: Privat)

Versmold/Tansania. Drei Tage ohne Wasser zum Waschen, tägliche Blutabnahmen und immer die Gefahr vor Augen, plötzlich lebensbedrohliche Symptome zu erleiden: Diese Strapazen hat Ralf Dehnert für seinen großen Traum auf sich genommen. Und nicht nur das. Um an der medizinischen Studie auf dem höchsten afrikanischen Berg, dem Kilimandscharo, teilzunehmen, ist der Lehrer des CJD-Gymnasiums sogar früher in den Ruhestand gegangen. „Es hat mich einfach zu sehr gereizt, diese Grenzerfahrung zu machen. Eine einmalige Chance", sagt der 64-Jährige.

„Ich hatte keinen Einfluss mehr auf meine Motorik"

Begleitet wurde Dehnert dabei von drei Ärzten und 23 weiteren Probanden, die sich ebenfalls bereiterklärt hatten, an der Studie zur Erforschung der Höhenkrankheit teilzunehmen.

Die Krankheit, die oft Symp-tome wie Kopfschmerzen und Übelkeit mit sich bringt, ist nicht zu unterschätzen. Wer ihre Anzeichen ignoriert und weiter dem Gipfel entgegenstrebt, bringt sich in Lebensgefahr. Allein auf den Kilimandscharo-Touren sterben jährlich bis zu 50 Personen an der Krankheit, berichtet der Projektleiter Dr. Christian Kreisel.

Kreisel hatte im August 2017 in Zusammenarbeit mit dem Uni-Klinikum Marburg nach Teilnehmern für seine Studie gesucht, mit der er wissenschaftliche Erkenntnisse über die Höhenkrankheit sammeln will. Dehnert, der seine Sommerferien in Marburg verbrachte – dort lebt und arbeitet auch seine Frau –, bekam davon Wind und geriet ins Träumen. „Ich habe mich zwar angemeldet, aber ich habe nicht wirklich damit gerechnet, dass ich genommen werde." Da die Reise Mitte Februar, also nicht in den Schulferien, stattfand, kehrte der Lehrer dem Versmolder Gymnasium ein halbes Jahr früher als geplant den Rücken.

Vorbereitet habe er sich auf Extremerfahrung in Tansania nicht, so der ehemalige Sport- und Geschichtslehrer: „Die Bergroute war relativ leicht." Die Tour wurde in mehrere Etappen unterteilt. Sogar ein Rentnerpaar, 70 und 77 Jahre alt, bewältigte den Bergtrip.

Auch gegen die Höhenkrankheit gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen. Aus seinem Sportstudium weiß Dehnert: „Die Symptome können jeden treffen." Auch Sportler sind davor nicht besser geschützt. Das musste Dehnert am eigenen Leib erfahren: „Ich gehörte zu der Gruppe der Starkbetroffenen." Oben auf der Spitze, in 5.895 Metern Höhe, merkte er die Wucht der Höhenkrankheit noch nicht. „Auf 4.700 Metern hatte ich nur leichte Kopfschmerzen und Wasseransammlungen in den Händen." Doch auf dem Abstieg erwischte es ihn heftig. „Ich habe meinen Halt verloren und hatte keinen Einfluss mehr auf meine Motorik. Zwei Begleiter mussten mich stützen und nach unten führen."

Von den Ärzten bekam er eine Sauerstoffmaske. Nach 20 Minuten hatte er sich soweit erholt, dass er wieder selbstständig gehen konnte. „Ich bin froh, dass ich die Reise in Begleitung von Ärzten machen konnte." 18 der 24 Teilnehmer hatten ebenfalls mehr oder weniger starke Symptome. Alle wurden regelmäßig befragt und untersucht. „Es war das grandioseste Erlebnis, das ich auf sportlicher Ebene jemals gemacht habe", rekapituliert der Sportler, der bereits acht Marathonläufe für seine sportliche Laufbahn verbuchen kann.

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