Aldi-Neubau: Handelsriese klagt gegen den Kreis

Unklare Perspektive: Der geplante Aldi-Neubau an der Wirusstraße ist ein Fall für die Justiz geworden. Grund: das Nein zur Bauvoranfrage. Wird eine Einigung erzielt oder droht gar die Schließung?

Tasja Klusmeyer

Der Aldi Nord an der Wirusstraße in Versmold - © Tasja Klusmeyer, HK
Der Aldi Nord an der Wirusstraße in Versmold (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Ende vergangenen Jahres hatte der Kreis Gütersloh einen negativen Bauvorentscheid erteilt. Die BGB-Grundstücksgesellschaft Herten, Bauherrin vieler Aldi-Märkte und augenscheinlich Tochter der Unternehmensgruppe, wird den Neubau auf dem Wirusgelände in geplanter Größenordnung zum jetzigen Zeitpunkt nicht umsetzen können. Prompt folgte die Klage.

Ob und wann es zu einer Verhandlung beim Verwaltungsgericht in Minden kommt, ist derzeit laut dortiger Pressestelle nicht abzusehen. Zurzeit liegt der Fall bei den Anwälten beider Parteien. Die BGB wird vertreten durch die renommierte Essener Kanzlei Schmidt, van der Osten und Huber.

Vor knapp eineinhalb Jahren kamen die großen Pläne für den Versmolder Standort in der Politik auf den Tisch. Der 2004 neu errichtete Discounter auf dem Wirus-Areal soll dem Boden gleichgemacht werden; an der Stelle ist ein Neubau mit dann 1200 statt bislang 880 Quadratmeter Verkaufsfläche geplant.

2300 Märkte sollen modernisiert werden

Versmold würde sich damit einreihen in das „größte Projekt in der Geschichte der Unternehmensgruppe", wie Aldi Nord seine Investitionsoffensive selbst bezeichnet. Allein in Deutschland werden demnach in den kommenden Jahren 2300 Märkte modernisiert und auf das neue Konzept – frische Farbe, mehr Licht, breitere Gänge, übersichtlichere Warenpräsentation – umgestellt.

Zum neuen Konzept gehört offensichtlich auch, das Netz auszudünnen. Immer wieder wird die Schließung von Aldimärkten bekannt, die entweder zu den umsatzschwächeren Standorten gehören oder wo das neue Marktkonzept nicht umgesetzt werden kann.

Getroffen hat das beispielsweise die Gütersloher Filiale an der Blessenstätte, die seit April dicht ist. Eine Umsetzung des neuen Filialkonzepts sei in der Immobilie nicht möglich, ein geeigneter Ausweichstandort trotz mehrjähriger Suche nicht verfügbar gewesen, gab Aldi Nord als Gründe dafür an. In Willebadessen im Kreis Höxter ist am Monatsende Schluss. Der Markt gehört zu den weniger rentablen Standorten. 500 Märkte sollen im Zuge des Erneuerungsprozesses insgesamt weichen.

Droht dieses Szenario auch Versmold, sollte der geplante Neubau nicht umgesetzt werden können? „Eine kurzfristige Aufgabe kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden", teilt Manuel Sentker, Unternehmenskommunikation, auf Nachfrage des Haller Kreisblattes mit.

Aldi sieht „konkreten Handlungsbedarf"

Aldi Nord sehe allerdings „konkreten Handlungsbedarf" in Versmold, um den Entwicklungen im Lebensmitteleinzelhandel zu begegnen. „Wir hoffen, dass wir diesbezüglich gemeinsam mit der Stadt eine Lösung finden können." Auch Bürgermeister Michael Meyer-Hermann betont auf Nachfrage vom HK, um eine Lösung bemüht zu sein. Die Entscheidungen würden zurzeit aber auf anderer Ebene laufen.

Sollten die Bemühungen zur Neuerrichtung erfolglos bleiben, „kann die Schließung der Filiale perspektivisch leider nicht ausgeschlossen werden", heißt es vom Aldi-Konzern. Zu den genauen Hintergründen der Klage äußerte sich das Unternehmen bis Redaktionsschluss (Dienstag, 5. Juni) nicht.

Knackpunkt, warum bisher keine Einigung erzielt werden konnte, ist die geplante Verkaufsfläche. Mit 1200 Quadratmetern liegt sie über dem zulässigen Wert, der außerhalb des zentralen Versorgungsbereiches möglich ist. Das Vorhaben in dieser Größenordnung widerspricht damit den Zielen des Landesentwicklungsplanes. Entsprechend ablehnend hatte sich auch die Bezirksregierung zu den Plänen geäußert.

Vor diesen Hintergründen hatte der Kreis die Bauvoranfrage negativ beschieden. Ähnlich sieht es in direkter Nachbarschaft in Harsewinkel aus, wo der Aldimarkt ebenso ans neue Filialkonzept angepasst werde soll. Auch dort befinden sich Kreis als Baugenehmigungsbehörde und die Aldi-Immobilienverwaltung in der rechtlichen Auseinandersetzung – und werden sich womöglich ebenso vor dem Minderner Verwaltungsgericht wiedersehen.

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