Schnur-Erweiterung rückt näher: Anwohner fordern Alternative

Knifflig: Die Politik beschäftigt sich heute mit dem weiteren Planverfahren für die Flächen an der Dissener Straße. Behörden und Gutachter stufen das Vorhaben als bedenkenlos ein. Den Anwohnern stinken die Pläne gewaltig

Tasja Klusmeyer

Zurzeit gehts vom Bockhorster Landweg aufs Betriebsgelände. Sollte das Entsorgungsunternehmen die rückwärtige Fläche kaufen und dort erweitern können, würde sich die Zufahrtssituation an die Dissener Straße verlagern. - © Jan Herrmann
Zurzeit gehts vom Bockhorster Landweg aufs Betriebsgelände. Sollte das Entsorgungsunternehmen die rückwärtige Fläche kaufen und dort erweitern können, würde sich die Zufahrtssituation an die Dissener Straße verlagern. (© Jan Herrmann)

Versmold-Bockhorst. Die Positionen sind klar – und kontrovers. Stefan Schnur, Geschäftsführer des rund 120 Mitarbeiter großen Entsorgungsunternehmens, braucht Platz und möchte an der Dissener Straße in eine neue Fahrzeughalle investieren. Die Nachbarschaft fühlt sich schon heute durch Geruch und Geräusche belästigt und befürchtet durch die Erweiterung zusätzliche Immissionen.

Schwierige Aufgabe der Stadt ist es, im Zuge der Flächennutzungsplanänderung und Bebauungsplanaufstellung die Interessen abzuwägen. In der Vorlage zur Sitzung des Planungs- und Stadtentwicklungsausschusses formuliert sie es folgendermaßen: Die Vereinbarkeit der jeweiligen Belange oder eine gegenseitige Kompromissbereitschaft scheinen „aktuell fraglich".

„Frieden im Dorf soll gewahrt werden"

Die betroffenen Bockhorster haben zum einen in einer Bürgerversammlung im Sommer ihrem Ärger Luft gemacht, zum anderen im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung schriftlich ihre Einwände vorgetragen. Diese sowie die Stellungnahmen der Behörden liegen der Politik heute zur Beratung vor. Neben den zu erwartenden Immissionen und dem Werteverlust ihrer Immobilien verweisen die Kritiker auf die veränderte Verkehrssituation, die sich durch die neue Zufahrt zum Firmengelände über die Dissener Straße ergäbe.

Im „Sinne einer friedlichen Koexistenz" fordern Anwohner die Verwaltung auf, „nach anderen Lösungen" zu suchen. „Wir bitten, unsere Einwände zu berücksichtigen und gemeinsam mit der Firma Schnur über geeignete Alternativen, zum Beispiel ein Standort im interkommunalen Gewerbegebiet, ernsthaft zu verhandeln, um den Frieden im Dorf zu wahren."

Die beteiligten Behörden und eingebundenen Fachleute hingegen stehen dem Vorhaben weniger kritisch gegenüber. Wasseraufsichtliche Bedenken sind laut Verwaltung inzwischen ausgeräumt, eine artenschutzrechtliche Prüfung hat keine Erkenntnisse gegen die Planungsabsichten gebracht und der Verkehrsgutachter bewertet die geplante Anbindung über die Dissener Straße sowohl hinsichtlich der Leistungsfähigkeit als auch der Verkehrssicherheit als positiv.

„Wir warten ab, was die Stadt macht, und entscheiden dann."

Zwischenzeitlich hat die Stadt als Ergebnis der Bürgerversammlung einen alternativen Hallenstandort – zum Außenbereich statt zur Straße hin – prüfen lassen. Aus städtebaulicher Sicht könne die Veränderung allerdings nicht befürwortet werden, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage. Ein breiterer Pflanzstreifen und eine gegenüber dem Vorentwurf abgestufte Höhenbegrenzung der Halle kämen aber den Interessen der Anlieger der Bogenstraße entgegen. Ob die Anwohner das genauso beurteilen, darf bezweifelt werden.

Die Verwaltung schlägt dem Fachausschuss vor, die überarbeiteten Entwürfe von Flächennutzungs- und Bebauungsplan nun öffentlich auszulegen. Planungsrechtlich scheint sich der Weg für die Erweiterung des Unternehmens Schnur mehr und mehr zu ebnen. Bliebe noch die finale Grundstücksfrage. Zurzeit befindet sich die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Eigentum der evangelischen Kirchengemeinde Bockhorst. Schnur müsste sie erst kaufen. „Wir warten ab, was die Stadt macht, und entscheiden dann", sagt Pfarrerin Birgit Gillmann. Heute Abend wird sie wieder etwas mehr wissen.

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