Aktion für obdachlose Wildtiere

Melanie Wigger

Im Wald unterwegs: Eigentlich sollten Eichhörnchen zu dieser Jahreszeit überwiegend schlafen. - © Foto: Marion Richter
Im Wald unterwegs: Eigentlich sollten Eichhörnchen zu dieser Jahreszeit überwiegend schlafen. (© Foto: Marion Richter)

Versmold. Sturmtief Friederike hat in der Region radikal abgeholzt – so auch bei Marion Richter: „In unserem kleinen Wäldchen vor der Haustür sind fast alle Fichten gefallen." Doch viel schlimmer als den finanziellen Schaden findet sie, dass damit für viele Tiere Lebensraum zerstört wurde. „Für Eichhörnchen ist das eine Katastrophe." Das bestätigt auch der Versmolder Hegeringleiter Tassilo Marowsky: „Für Tiere mit Winterruhe – wie Siebenschläfer und Eichhörnchen – ist es bitter." Sie seien nun auf der Suche nach neuen Behausungen.

„Auf der Straße liegen momentan besonders viele überfahrene Eichhörnchen. Das ist für diese Jahreszeit nicht normal, dass so viele Tier unterwegs sind", so der Jäger. Leichter hingegen hätten es Hasen und Rehwild mit den Sturmfolgen: „Sie gewöhnen sich schnell um und kommen mit solchen Situationen gut klar." Diese Tiere sind nicht auf feste Plätze wie Kobel und Nester angewiesen.

Appell an Kitas und Schulen

Die Versmolderin Marion Richter hat überlegt, was man für die heimatlosen Tiere machen könnte und auf Facebook einen Aufruf gestartet: „Meine Bitte an die handwerklich Begabten unter euch – bitte baut Nistkästen und Eichhörnchenkobel."

Auch ihr Mann habe bereits mit dem Bau eines Kobels begonnen. Die Anleitung dazu fand das Paar im Internet. „Man sollte darauf achten, dass der Kobel drei Eingänge bekommt, damit die Tiere leichter hineinkommen. Und die Durchgänge sollten nicht zu klein sein, damit auch schwangere Eichhörnchenmuttis durchpassen." Laut dem deutschen Verein »Eichhörnchen Schutz« empfiehlt sich ein 30 bis 45 Zentimeter langer 25 bis 30 Zentimeter hoher Kasten. Hegeringleiter Marowsky ist zwar skeptisch, ob diese Kästen angenommen werden, rät aber, es zu versuchen.

Richter hofft, dass ihre Idee auch andere motiviert. „Viele denken gerade nur an ihren eigenen Schaden", bedauert sie im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt. Im Internet warnt Richter: „Wir sollten bedenken, dass wir ohne die Tierwelt in einer kahlen leeren Welt lebten."

Nicht nur Handwerker könnten etwas tun: „Nachdem so viele Fichten umgestürzt sind, fällt auch eine Nahrungsquelle für die Hörnchen weg – die Samen in den Zapfen." Man könnte Futterhäuser mit Nüssen und Kernen oder eine Schale mit Äpfel, Birnen, Möhren aufstellen, schlägt Richter vor. „Eichhörnchen zu füttern ist in keiner Weise schädlich für die Tiere", informiert »Eichhörnchen Schutz«. Eine Gewöhnung an ausschließlich diese Fütterungsstelle finde dabei nicht statt.

Die Aktion könnte auch pädagogisch sinnvoll sein, so Richter: „Auch für Kinder kann die Arbeit mit Holz eine tolle Erfahrung sein." Sie wünsche sich deshalb, dass sich Kindergärten und Schulen anschließen.

Bauanleitung für Kobel unter: www.eichhoernchen-schutz.de

Info

Vögel schaffen sich Alternativen

• Während so manches Wildtier unter den Sturmfolgen leidet, gibt es Entwarnung für die Vogelwelt, erläutert Jürgen Schleef, Ornithologe an der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld. Zwar haben sich einige Arten, wie Meisen, auf Fichten spezialisiert, „aber die werden auch in der Nachbarschaft fündig."

• Manche profitieren sogar durch Sturmschäden: „Abgefallene Äste sind günstig für Spechte. Sie können sich Höhlen in die Astlöcher bauen."

• Was die Behausung betrifft, schaffen sich die Vögel selbst Alternativen. Zerstörte Vogelhäuser wieder aufzuhängen, sei laut Schleef sinnvoll, „aber man sollte jetzt nicht den ganzen Wald mit Nistkästen zu pflastern."

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.