Zukunft der Lebensmittelmärkte: „Der Wettbewerb entwickelt sich gegen uns“

Tasja Klusmeyer

Wann wird wo gebaut?: Im Wettbewerb um Kunden bringen sich die Großen der Branche in Position. Auch für Versmold gibt es verschiedene Erweiterungspläne, aktuell von Aldi und Jibi (Combi). Der inhabergeführte Rewe nimmt dabei allein durch seinen Standort eine Sonderrolle ein. Fotos: Tasja Klusmeyer, Jan Herrmann - © Montage: Sandra Neumann
Wann wird wo gebaut?: Im Wettbewerb um Kunden bringen sich die Großen der Branche in Position. Auch für Versmold gibt es verschiedene Erweiterungspläne, aktuell von Aldi und Jibi (Combi). Der inhabergeführte Rewe nimmt dabei allein durch seinen Standort eine Sonderrolle ein. Fotos: Tasja Klusmeyer, Jan Herrmann (© Montage: Sandra Neumann)

Versmold. Kevin Rädel, seit zehn Jahren selbstständig in Versmold mit dem Rewe-Markt vertreten, spricht Klartext. „Dieser Laden ist so nicht wettbewerbsfähig." In der heutigen Form und Größe geht der Kaufmann von einer „Daseinsberechtigung für weitere etwa fünf Jahre" aus. Solange, schätzt Rädel, könne er mit dem Lebensmittelmarkt noch Geld verdienen. „Ich bin 38 Jahre alt und möchte für meine Familie und mich eine Perspektive."

Seit 2012, dem bisher stärksten Jahr, gehe der Umsatz kontinuierlich zurück. Einst waren im Rewe Rädel knapp 50 Mitarbeiter beschäftigt, heute sind es 38. „Der Wettbewerb entwickelt sich gegen den stationären Einzelhandel und damit auch gegen uns", sagt Rädel. Zum einen habe das Onlinegeschäft Auswirkungen auch auf einen Vollsortimenter wie es der Rewe ist. Beispielsweise Wein oder Kosmetika würden Kunden per Klick bestellen können.

Platz und Parkfläche sind das Problem

Der einzige Weg, dem Preisdruck der Discounter oder des Onlinehandels standzuhalten, seien Spezialisierung und Service. Aber genau an dieser Stelle sieht Kevin Rädel Grenzen seines heutigen Standortes. „Wir müssen uns differenzieren. Dafür brauchen wir Platz", sagt der 38-Jährige und nennt Frischetheke, Salattheke oder Orangenpresse als Beispiele. Mit 870 Quadratmeter Verkaufsfläche sei der Rewe einer der kleinsten Märkte am Ort. Die beengten Gänge und die Parkplatzsituation seien die beiden Punkte, die bei der jährlichen Kundenbefragung der Rewe Dortmund – Hauptmieter des Gebäudes – von den Versmoldern angesprochen würden. An beiden kann Inhaber Kevin Rädel nicht wirklich etwas ändern.

Wenig Spielraum: Kevin Rädel, Inhaber des Rewe-Marktes, wünscht sich Perspektive. - © Silke Derkum, HK
Wenig Spielraum: Kevin Rädel, Inhaber des Rewe-Marktes, wünscht sich Perspektive. (© Silke Derkum, HK)

1500 Quadratmeter Verkaufsfläche wären für einen gut aufgestellten Vollsortimenter erforderlich, um den Anforderungen des Marktes standzuhalten, sagt der 38-Jährige. Die Möglichkeit zur Entwicklung in dem Gebäude mitten in der Innenstadt sieht Rädel nicht. In der Vergangenheit wurde wiederholt über andere Standorte nachgedacht, zuletzt hatte er mit dem neuen Eigentümer der Fläche des Gemeindezentrums gesprochen.

Gewollt sind solche Märkte dieser Größe außerhalb des sogenannten zentralen Versorgungsbereiches allerdings nicht. Eine Freifläche innerhalb des definierten Bereiches gibt es ebenso wenig. Der Rewe befindet sich in der Zwickmühle. Kevin Rädel schaut sich nach eigenem Bekunden auch außerhalb der Fleischstadt um; auch einen zweiten Markt könne er sich gut vorstellen. „Ich mag Versmold und habe hier mit meiner Familie den Lebensmittelpunkt. Ich betreibe den Laden aber nicht aus Nächstenliebe, sondern bin Unternehmer." Zurzeit sei der Handlungsbedarf noch nicht zu hoch. Die Weichen würden in den kommenden Jahren gestellt. „Alle Beteiligten müssen sich dessen bewusst sein, dass hier irgendwann ein Leerstand sein könnte und Versmold vielleicht gar keinen Rewe mehr hat."

Die Entwicklungen um ihn herum verfolgt Kevin Rädel sehr genau. Aktuell sind es zwei Märkte, die Pläne für Versmold haben. Einer davon ist der Jibi. Wie mehrfach berichtet, soll der Markt an der Ringallee, der ebenso wie der Rewe im Zentralen Versorgungsbereich liegt, modernisiert, in Teilen abgerissen und neu gebaut werden. Die Erweiterung war seinerzeit von einem Anwohner, der gegen die Baugenehmigung geklagt hatte, gestoppt worden. Im Oktober 2016 gab das Verwaltungsgericht Minden und wenig später die nächsthöhere Instanz in Münster dem Kreis Gütersloh recht. Die Büntin-Gruppe, die Anfang 2015 die Jibi-Märkte übernommen hatte, hätte anfangen können zu bauen. Hat sie aber nicht.

Bünting-Gruppe hält an Jibi-Umbau fest

Das im ostfriesischen Leer ansässige Unternehmen bekräftigt immer wieder, man wolle an der Erweiterung in Versmold festhalten. Diese Information bekommt das Haller Kreisblatt auch zu Beginn 2018. „Im Einklang mit der Neuausrichtung baut Bünting seine über 200 Märkte sukzessive auf die neue Marktgeneration hin um. Auch für den Jibimarkt in Versmold ist die Umstellung auf das neue Konzept vorgesehen." In der Tat waren seit der Übernahme Standorte modernisiert worden. Auf der anderen Seite hat die Gruppe, die Millionenverluste verkraften musste, viele Märkte geschlossen.

Der Standort an der Ringallee, daraus macht Kevin Rädel kein Geheimnis, wären für ihn jedenfalls optimal.

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