CDU Versmold stellt sich selbst ein Halbzeit-Zeugnis aus

Tasja Klusmeyer

Die christdemokratische Spitze: Bürgermeister Michael Meyer-Hermann (links), Fraktionschef Ulrich Wesolowski und Stadtverbandsvorsitzende Marianne Kampwerth sind zufrieden mit der bisherigen Amtszeit und gehen optimistisch in Halbzeit zwei. - © Tasja Klusmeyer, HK
Die christdemokratische Spitze: Bürgermeister Michael Meyer-Hermann (links), Fraktionschef Ulrich Wesolowski und Stadtverbandsvorsitzende Marianne Kampwerth sind zufrieden mit der bisherigen Amtszeit und gehen optimistisch in Halbzeit zwei. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Im Sommer 2014 tagte der damals neu gewählte Stadtrat erstmals. Im Herbst 2020 entscheiden die Bürger darüber, wie sich das Gremium künftig zusammensetzen und wer die Spitze der Stadtverwaltung sein wird. Mitten im finalen Bundestagswahlkampf lenken die heimischen Christdemokraten den Blick auf kommunale Themen. Hier ein Blick auf zentrale Themen ihrer in einem Flyer veröffentlichten Halbzeitbilanz.

Bauland

Als eine ihrer „dringendsten Aufgaben" bezeichnet die CDU die Ausweisung von Baugebieten, um die große Nachfrage bedienen zu können. „Zum Amtsantritt gab es keine Grundstücke", sagt Fraktionschef Ulrich Wesolowski und sieht Versmold inzwischen deutlich besser aufgestellt.

Für die meisten Grundstücke am eher kleinen Aabachhof gebe es gleich mehrere Bewerber. Erste Zusagen für die Bockhorster Klimaschutzsiedlung wird die Stadt in diesen Tagen erteilen – wenngleich es nicht den Run gebe wie im Stadtgebiet.

Die Interessentenliste am Hohlweg sei dagegen lang. Für das große Gebiet am östlichen Stadtrand geht Bürgermeister Meyer-Hermann davon aus, erst Anfang 2019 mit der Vermarktung beginnen zu können. Am Aabachhof liegt der Quadratmeterpreis zwischen 140 bis 160 Euro, in diesem Bereich wird es sich wohl auch am Hohlweg bewegen. Damit hat Versmold in der jüngeren Vergangenheit deutliche Preissprünge zu verzeichnen. Im kreisweiten Vergleich aber, so betont die CDU, stehe man gut dar.

Wirtschaft

An anderer Stelle dürfte der Blick auf die Kreiszahlen eher schmerzen. Der Strukturbericht der Wirtschaftsförderungsgesellschaft bringt, wie berichtet, einige Schwachstellen der heimischen Wirtschaft zutage. Die Monostruktur mit einer eher kränkelnden Fleischwarenbranche macht sich unter anderem am vergleichsweise geringen Gewerbesteueraufkommen bemerkbar. Strukturelle Defizite zu verändern, sei aber „nichts für eine Wahlperiode", so Michael Meyer-Hermann angesprochen darauf.

Die Wirtschaftsförderung hatte er 2014 zu einem der Hauptthemen seines Wahlkampfes gemacht. Im Ausbildungstag, dem Wirtschaftsdialog, der im Stadtmarketing angesiedelten städtischen Wirtschaftsförderung sowie der guten Entwicklung des »Interkom« sieht der Verwaltungschef neue Perspektiven. „Wirtschaftsförderung hat wieder einen höheren Stellenwert", sagt er.

In ihrem Flyer nennen die Christdemokraten mehr als 500 neue Arbeitsplätze in Versmold und vier neue Ansiedlungen im interkommunalen Gewerbegebiet mit Borgholzhausen seit 2014 als Erfolg. Wichtig für den Wirtschaftsstandort ist aus ihrer Sicht auch, kleinen und mittelständischen Betrieben, die nicht lebensmittelorientiert sind, gute Perspektiven zu schaffen. „Wir müssen ihnen die Möglichkeiten bieten, sich hier weiterzuentwickeln", sagt Ulrich Wesolowski.

Dazu gehöre auch der Weiterbau der Ortsentlastungsstraße. „Wir werden dieses zentrale Infrastrukturprojekt weiter konsequent voranbringen." Das dürfte allerdings angesichts der bisher ungesicherten Finanzierung und des Widerstandes der Flächeneigentümer keine leichte Aufgabe werden.

Schnelles Internet

Ein wichtiger Standortfaktor für viele Unternehmen ist nicht die verkehrliche Anbindung, sondern auch die ans schnelle Internet. Unter dem Titel »Versmold 2.0« hat Bürgermeister Meyer-Hermann verschiedene Punkte zusammengefasst. Dazu gehören das kostenlose WLAN in der Innenstadt, das WiBack-Netz in Oesterweg und Hesselteich sowie der erfolgte Ausbau des Glasfasernetzes. Rund 7000 Haushalte profitieren bereits – weitere 2300 sowie alle Gewerbegebiete sollen bis Ende 2018 über schnelles Internet verfügen. Bundesmittel machen den Ausbau möglich, zurzeit laufe die letzte Phase der Ausschreibung.

Finanzen

Einen „Masterplan für Finanzen" hatte Michael Meyer-Hermann bei seiner Wahl zum Bürgermeisterkandidaten mit Blick auf den hohen Schuldenstand damals angekündigt. Mit »Finanzen in Ordnung halten« überschreibt die CDU jetzt ihre Ziele und spricht vom Haushaltsausgleich bis 2020 und von der Begrenzung der Neuverschuldung. Im laufenden Haushaltsjahr ist mit knapp 18 Millionen Euro ein neuer Schuldenhöchststand erreicht, der seine Ursache auch in den finanziellen Herausforderungen der Flüchtlingskrise hat. „Wir wollen Schulden abbauen, aber weiter wichtige Zukunftsinvestitionen tätigen", so die CDU.

Zuwanderung

Der „einschneidendste Tag" seiner bisherigen Amtszeit sei laut Michael Meyer-Hermann der 7. September 2015 gewesen. Jener Montag, als Versmold innerhalb weniger Stunden am Brüggenkamp eine Landesnotunterkunft einrichten musste. „Versmold hat die Flüchtlingskrise gemeistert", sagen die Christdemokraten heute und verweisen auf den gemeinsamen Kraftakt von Rat, Verwaltung und vielen Ehrenamtlichen. Die Integration der Menschen in den Arbeitsmarkt ist eine der Herausforderungen für die Zukunft. Gespräche zur Einrichtung einer Lernwerkstatt für Flüchtlinge laufen. „Wir haben in Versmold schon viel für die Integration der Asylsuchenden getan. Von ihnen erwarten wir, dass sie ihren Anteil zur Integration erbringen, insbesondere unsere Sprache lernen und unsere Werte und Gesetze achten."

Familienfreundlichkeit

„Wir wollen die familienfreundlichste Kommune im Kreis werden", sagt Stadtverbandsvorsitzende Marianne Kampwerth. Stabile Grundschulstandorte sowie die gute Kindergartenlandschaft sind zwei Punkte dabei. Zudem nennt die CDU das „gute Schulangebot des CJD". Die sinkenden Schülerzahlen waren zuletzt immer mal wieder auch Thema in der Politik.

„Wir stellen das Schulangebot deshalb aber nicht infrage", betont Meyer-Hermann. Eine neue Schulform müsse die Chance bekommen, sich zu entwickeln und zu etablieren. „Das war damals bei der Gesamtschule nicht anders", fügt Kampwerth hinzu. Frühestens, wenn ein Jahrgang komplett die Schule durchlaufen habe und ins Berufsleben gestartet sei, könne man Bilanz ziehen.

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