Ex-Nölke-Geschäftsführer Dr. Götz Pieper wehrt sich gegen Kritik

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Kämpft um seinen guten Ruf: Dr. Götz Pieper ehemaliger Nölke-Geschäftsführer, will die Äußerungen von Heinrich-Stefan Nölke nicht stehen lassen. - © Foto: Marc Uthmann
Kämpft um seinen guten Ruf: Dr. Götz Pieper ehemaliger Nölke-Geschäftsführer, will die Äußerungen von Heinrich-Stefan Nölke nicht stehen lassen. (© Foto: Marc Uthmann)

Versmold. Wenn ein einst so stolzes Familienunternehmen wie der heimische Fleischwarenhersteller Nölke von Krise zu Krise taumelt, von der Pleite bedroht ist und schließlich an einen Konkurrenten verkauft werden muss, dann hinterlässt das Spuren. Berufliche Existenzen werden zerstört, Lebenswerke beschädigt – mitunter auch Verletzungen zugefügt.

Drei Jahre nachdem Nölke in die Zur-Mühlen-Gruppe integriert wurde, hat der frühere Gesellschafter Heinrich-Stefan Nölke nun öffentlich bekundet, man habe „zu lange an einem angestellten Geschäftsführer festgehalten", der das Unternehmen „falsch ausgerichtet" habe (das HK berichtete). Das sei die Hauptursache für den später notwendigen Verkauf gewesen. Für den Angesprochenen war diese Bilanz ein Stich ins Herz.

Info
Zur Person

  • Dr. Götz Pieper fing 1977 als Ressortleiter des Finanz- und Rechnungswesens bei Nölke an.
  • Der gebürtige Elmshorner wurde 1982 zum Geschäftsführer des Nölke-Unternehmens Menzefricke berufen.
  • 1985 schließlich rückte Pieper als Geschäftsführer Finanz- und Rechnungswesen in die Spitze der Nölke-Gruppe auf.
  • Zum Vorsitzenden der Geschäftsführung wurde der Manager, der seine Laufbahn bei Thyssen begonnen hatte, 1994 ernannt.
  • Bis 2003 führte Pieper das Unternehmen, wechselte dann auf den Posten als Beiratsvorsitzender, den er bis 2009 innehatte.
  • Nach seinem Wechsel in den Ruhestand übernahm der heute 73-Jährige keinen Posten mehr – sein Interesse an der Fleischwirtschaft ist allerdings nach wie vor groß.

„Eine Richtigstellung wurde ohne Wenn und Aber abgelehnt"

„Der Geschäftsführer bin offensichtlich ich, das ist für alle nur halbwegs Kundigen eindeutig und wird von der Familie Nölke auch bestätigt", sagt Dr. Götz Pieper. 32 Jahre hat er beim Versmolder Traditionsunternehmen verbracht, von 1994 bis 2003 als Vorsitzender der Geschäftsführung die Geschicke gelenkt. Was nun öffentlich über ihn gesagt wird, schmerzt den 73-Jährigen sehr. „Als ich mit 65 den Berat verlassen habe, hatte ich fast die Hälfte meines Lebens bei Nölke verbracht. Es ist doch klar, dass dieses Unternehmen in meinem Leben eine wesentliche Rolle gespielt hat."

Und darum will Götz Pieper jetzt kämpfen: um die Wahrheit, um seinen guten Ruf. Und um den alltäglichen Frieden für ihn und seine Frau Bärbel, die sich zusätzlich zu ihren Aufgaben als Vorsitzende der Hospizgruppe in Versmold schon mit „unzutreffenden Äußerungen" über seine Vergangenheit konfrontiert sehe. Er hat die Gesellschafterfamilie bereits kontaktiert, eine Richtigstellung verlangt – doch „das wurde ohne Wenn und Aber abgelehnt".

Also macht Götz Pieper nun seine eigene Bilanz auf, und die beginnt mit einer zeitlichen Einordnung: „Der Verkauf des Geschäftes mit Gutfried erfolgte 2014 – mehr als elf Jahre nach meiner Zeit als Geschäftsführer und fünf Jahre nach meiner Zeit im Beirat." Im März 2009, als Pieper in den Ruhestand ging, sei für ihn „auch nicht ansatzweise erkennbar" gewesen, dass Nölke in einen Strudel zu geraten drohte.

„Im Gegenteil, das Jahr 2009 muss sehr erfolgreich zu Ende gegangen sein", so Pieper. Denn nicht von ungefähr hätten die vier Gesellschafter 2010 angekündigt, am Standort Ziegeleistraße in den kommenden fünf Jahren 50 Millionen Euro zu investieren und ein neues Rohwurstwerk zu bauen. Alle Mitarbeiter hätten aufgrund der guten wirtschaftlichen Situation zudem eine Sonderzahlung erhalten.

Götz Pieper verortet die Gründe für den Niedergang vielmehr im Jahr 2011. Die Zahlen des Marktforschungsinstitutes GfK sagten demnach aus, dass sich der Marktanteil der Gutfried-Geflügelprodukte innerhalb weniger Monate halbiert habe, darüber hinaus solle es auch im Handelsmarkengeschäft zu signifikanten Einbrüchen gekommen sein.

Götz Pieper betont zwar, dass er zu den Gründen der Krise aus eigener Kenntnis nichts sagen könne. Aber aus zuverlässigen Quellen sein ihm die Entwicklung zugetragen worden: „2010 bis Anfang 2011 kam es zu erheblichen Rohstoffpreiserhöhungen, die an den Handel weitergegeben werden mussten." Der sei auch dazu bereit gewesen. Doch habe Nölke offenbar mit aller Konsequenz eine noch höhere als die aufgrund der Teuerung nötige Preiserhöhung durchsetzen wollen. „Dafür hat der Handel das Unternehmen offensichtlich mit massiven Auslistungen abgestraft", sagt Götz Pieper.

Der Mann, der seiner Ansicht nach das Ruder hätte herumreißen können, war 2011 aus dem Unternehmen ausgeschieden – auch wenn Pieper den Namen nicht nennt, kann es sich dabei nur um Ralf Diesing handeln. Als Zur Mühlen Nölke 2014 übernahm, sicherten sich die Verantwortlichen umgehend wieder Diesings Dienste. „In Presseveröffentlichungen ist zu nachzulesen, dass er die Trendwende bei Gutfried geschafft hat. Ich glaube, man kann das als Treppenwitz der Unternehmensgeschichte bezeichnen", sagt Götz Pieper.

Ein bitterer Satz, der verdeutlicht, wie sehr ihn die Entwicklung bei Nölke schmerzt – und wie sehr es den einstigen Manager aufwühlt und fassungslos macht, dass er dafür verantwortlich sein soll. Als aus seiner Sicht die entscheidenden Fehler gemacht wurden, gab es einen von den Gesellschaftern eingesetzten Generalbevollmächtigten. Zudem war die gesamte Familie im Beirat vertreten, hatte sogar den Vorsitz inne.

„Insbesondere von der beeindruckenden Unternehmerpersönlichkeit Ulrich Nölke habe ich viel gelernt. Dafür verehre ich ihn auch über seinen Tod hinaus", sagt Götz Pieper. Er sei dem Unternehmen und der gesamten Nölke-Familie gegenüber stets loyal gewesen. „Loyalität heißt aber nicht Nibelungentreue." Ein Satz, der das Ausmaß der Verletzungen beim früheren Geschäftsführer dokumentiert. Sie werden womöglich nicht mehr heilen.

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