Heinrich-Stefan Nölke räumt Fehler ein

Klare Worte: Gegenüber dem Unternehmermagazin »Impulse« äußert sich der frühere Miteigentümer des Versmolder Fleischwarenherstellers zum Verkauf – und zur Ursache dafür.

Tasja Klusmeyer

Heinrich-Stefan Nölke. - © Marion Bulla, HK
Heinrich-Stefan Nölke. (© Marion Bulla, HK)

Versmold. Mit »Aus Fehlern lernen« ist die Konferenz für Unternehmer, die Ende November in Düsseldorf stattfindet, überschrieben. Im Vorfeld der Veranstaltung äußert sich Heinrich-Stefan Nölke, einer der langjährigen Gesellschafter aus der Familie, zu seinem größten Fehler als Unternehmer.

Überraschend offen bezieht er darin Stellung zur Entwicklung des Versmolder Traditionsbetriebes, dessen Verkauf und zur Fehlentscheidung, sich als Familie aus dem operativen Geschäft herausgehalten zu haben. Stattdessen habe man auf einen externen Geschäftsführer gesetzt – „ein Fehler mit Folgen", wie das Unternehmermagazin Impulse in seiner Onlineausgabe schreibt.

„Rückblickend muss ich sagen, wir hatten nicht den Mut, uns gegenseitig zu vertrauen und selbst die Verantwortung zu übernehmen", wird Heinrich-Stefan Nölke darin zitiert. In der Tatsache, dass man zu lange an einem angestellten Geschäftsführer, der „das Unternehmen strategisch falsch ausrichtete" festgehalten habe, sieht er „die Hauptursache", die letztlich zum Verkauf geführt hätte. Dieser sei angesichts der Krise, in der Nölke sich befunden hatte, unumgänglich gewesen.

„2014 sahen wir keinen anderen Ausweg mehr und verkauften das Gutfried-Geschäft, um die Pleite zu vermeiden", so Nölke. Hätte man sich Jahre zuvor auf einen anderen Geschäftsführer geeinigt, „statt die Dinge laufenzulassen", wäre es vielleicht anders gekommen.

Das sind ungewohnt offene, ehrliche Worte von Heinrich-Stefan Nölke, der selbst mit seiner Familie schon lange in Osnabrück lebt und dort als Autor arbeitet. Seinerzeit, als es heftig kriselte im Unternehmen von der Ziegeleistraße, übte man sich lieber in Zurückhaltung. An jenem Tag im Dezember 2014, als der Verkauf der Nölke GmbH an die Zur-Mühlen-Gruppe von Clemens Tönnies öffentlich wurde, gab es eine kurze Pressemitteilung im Namen der Gesellschafterfamilie. In dem Verkauf der Heinrich Nölke GmbH sehe man einen Beitrag zur Sicherung des Unternehmens, hieß es. Weitere Anfrage für ein Interview lehnte man damals ab.

„Wir hatten nicht den Mut, selbst Verantwortung zu übernehmen"

Nun lässt Heinrich-Stefan Nölke die Fachkreise und damit die Öffentlichkeit teilhaben an seinen Gedanken und Einschätzungen. Einst waren es sein Großvater und dessen drei Brüder, die 1924 das Unternehmen gründeten. „Nachdem mein Vater 1997 aus gesundheitlichen Gründen plötzlich aus der Geschäftsführung ausscheiden musste, haben zunächst ich und im Laufe der Jahre auch die drei anderen Juniorgesellschafter es vorgezogen, uns aus dem operativen Geschäft herauszuhalten", schreibt Nölke eingangs seines Statements für Impulse. Heute – 20 Jahre nach diesem Schritt – würde Heinrich-Stefan Nölke möglicherweise anders entscheiden, ist aus de Worten herauszuhören.

Zusammenfassend sagt er: „Wir sind mit einem blauen Auge davon." Vom alten Familienkonzern ist die »Frischdienst Union« in Nölke-Hand geblieben (wir berichten). Der Lebensmittelservice für Großverbraucher laufe gut, sagt Nölke gegenüber Impulse. Wie berichte, führt Cousin Frank Nölke dort die Geschäfte. Er war es auch, der im Sommer 2012 auf dem Weg der Neuausrichtung unerwartet die Geschäfte der Nölke GmbH übernommen hatte.

Erstmals seit vielen Jahren stieg wieder jemand aus der Familie ins operative Geschäft ein und sollte das Unternehmen aus der Krise führen. Das Umdenken aber kam ganz offensichtlich zu spät. Nölke schaffte die Wende nicht. Gut zwei Jahre später war der Verkauf besiegelt.

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