Bericht eines Unfallopfers

20 Schulsanitäter des CJD-Gymnasiums im Clemenshospital Münster

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Einblick in den Krankenhausalltag: Christian Wessels, pflegerische Leitung der Intensivstation im Clemenshospital, zeigt den Schulsanitätern aus Versmold ein Patientenzimmer. - © Clemenshospital
Einblick in den Krankenhausalltag: Christian Wessels, pflegerische Leitung der Intensivstation im Clemenshospital, zeigt den Schulsanitätern aus Versmold ein Patientenzimmer. (© Clemenshospital)

Versmold/Münster. „Das Handy war durch den Unfall so kaputt, dass es nicht mehr auslesbar war. Aber der Ohrabdruck und Spuren von Gehirngewebe am Handy ließen darauf schließen, dass der Fahrer telefoniert hat.“ Udo Weiss, Polizeidirektor von Münster a. D., ist einer der Ehrenamtlichen, die sich für das Präventionsprojekt P.A.R.T.Y. (Prevent Alcohol and Risk-Related Trauma in Youth) engagieren. Und er spricht Klartext, um aufzuklären und um vorzubeugen.

Zeit zählt: Jethro Rotter, stellvertretende Leitung Anästhesie-Pflege im Clemenshospital, erklärt den Jugendlichen im Schockraum, was in den ersten zehn Minuten nach einem Unfall wichtig ist. - © Clemenshospital
Zeit zählt: Jethro Rotter, stellvertretende Leitung Anästhesie-Pflege im Clemenshospital, erklärt den Jugendlichen im Schockraum, was in den ersten zehn Minuten nach einem Unfall wichtig ist. (© Clemenshospital)

Im Clemenshospital Münster haben Versmolder Schüler der Klassen sieben bis zehn die verschiedenen Stationen eines Schwerverletzten gesehen: vom Rettungswagen über den Schockraum, die Intensivstation bis zur Physiotherapie. „Im Jahr verunglücken 20?000 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren, das sind 60 Jugendliche täglich“, erklärte Assistenzärztin Dr. Marie Kleine-König.

Das P.A.R.T.Y-Programm soll jungen Menschen bewusst machen, wie schnell und wodurch Unfälle passieren können. In einer Pressemitteilung informiert das Clemenshospital über das Projekt und den Besuch der Versmolder. Oft liegt die Ursache für Unfälle demnach nicht nur in Alkohol, Drogen oder Selbstüberschätzung. Eine große Gefahr sei die Nutzung des Handys im Straßenverkehr, egal ob als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer. „Das Gehirn konzentriert sich immer auf die Haupttätigkeit. Das ist in dem Fall das Telefonat. Dann ist automatisch die visuelle Wahrnehmung des Straßenverkehrs eingeschränkt“, erklärte Udo Weiss. „Ihr denkt, das passiert nur den anderen?“, fragte der erfahrene Polizeibeamte in die Runde, ohne auf eine Antwort zu warten. „Guckt nach links und rechts, das sind die anderen.“

Unter den ehrenamtlichen Unterstützern der Aktion sind neben den Mitarbeitern des Clemenshospitals und der Polizei auch die Berufsfeuerwehr der Stadt Münster, der Arbeiter-Samariter-Bund sowie ehemalige Unfallopfer. Darunter ein Jugendlicher, der vor drei Jahren ungebremst mit dem Motorrad in einen Sprinter gefahren war. Er erlitt ein schweres Schädelhirntrauma, seine Gesichtsknochen waren zertrümmert, die Augenhöhle und zahlreiche Rippen gebrochen, seine Lunge hatte ein Loch und die Hälfte seines Körpers war gelähmt. Seine Schilderung des langen Leidensweges, der durch einen kurzen Moment der Überschätzung verursacht wurde, beeindruckte besonders.

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