Ein Bunker liegt im Walde

Geheimnis des Einmannbunkers soll gelüftet werden

Kerstin Spieker

Abgelegt: Ein Einmannbunker am Rande eines Waldweges. - © Foto: Kerstin Spieker
Abgelegt: Ein Einmannbunker am Rande eines Waldweges. (© Foto: Kerstin Spieker)

Versmold. Jahr für Jahr ritt Axel Henrich an dem umgestürzten, merkwürdigen Betonkegel am Wegesrand vorbei. „Ich wusste schon beim ersten Mal genau, was das ist“, erzählt er. Weiter darüber nachgedacht habe er zunächst aber nicht. Vermutlich war der Klotz irgendjemandem im Weg gewesen und schließlich im Wald gelandet, hatte sich der Versmolder überlegt.

So hätte es einst aussehen können: In Gütersloh an der Holler Straße steht auch ein Einmannbunker, die Kleinbahn wurde zu Anschauungszwecken ins Bild hineinmontiert. - © Foto: Thomas Redeker
So hätte es einst aussehen können: In Gütersloh an der Holler Straße steht auch ein Einmannbunker, die Kleinbahn wurde zu Anschauungszwecken ins Bild hineinmontiert. (© Foto: Thomas Redeker)

Von weiter weg und oberflächlich betrachtet erinnert das Monstrum im Wald zunächst an ein großes Kanalrohr. Bei genauerem Hinschauen zeigt sich jedoch, dass nur eine Seite eine gut einen Meter breite Öffnung zeigt. Die andere Seite läuft in einer schmalen Kuppel aus. Die Oberfläche des Betons ist bemoost, rundum schlagen Bäumchen und Büsche aus. Der Kegel liegt hier seit Jahrzehnten.

Dass es sich bei dem Ding um ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg handelt, weiß vor allem der Betrachter mit entsprechender Vorbildung. Die Betonkonstruktion diente dem Schutz von bis zu drei Personen im Falle etwa eines Fliegerangriffs. Luftschutzsplitterschutzzelle lautete die offizielle Bezeichnung. Einem Nah- oder Direkttreffer konnten die Kleinstbunker trotz ihrer 15 Zentimeter dicken Betonwände nicht standhalten, wohl aber boten sie Schutz vor Bombensplittern und bei Beschuss mit leichteren Waffen. Vor allem in den letzten Kriegsjahren wurden Arbeitsplätze damit ausgerüstet, an denen die Menschen sonst keinen Schutz fanden, den sie wegen seiner Wichtigkeit aber nicht verlassen sollten. Beispiele sind Schaltwartestationen oder auch Bahnwärter.

Allein 1943 ließ die Naziregierung 2000 solcher Bunker entlang der Hauptbahnstrecken aufstellen. Dass es sich um einen solchen sogenannten Einmannbunker handelt, das erkannte Axel Henrich sofort. Ein intensiveres Interesse an dem Betonkegel regte sich aber erst später. Wo mochte der Bunker wohl gestanden haben, wen sollte er schützen und wer hat ihn dort entfernt? Diese Fragen stellte er sich irgendwann. Ein möglicher Einsatzort für einen solchen Bunker könnte natürlich der nahe gelegene Bahnhof Niedick gewesen sein.

Das kann sich auch Versmolds Stadtarchivar Dr. Rolf Westheider gut vorstellen. Aber auch auf größeren landwirtschaftlichen Anwesen gab es wohl manchmal solche Einrichtungen, um den auf dem Feld Tätigen vor Tieffliegerangriffen Schutz zu bieten. Nach dem Krieg fielen die Luftschutzsplitterschutzzellen unter das Entmilitarisierungsgebot der Alliierten. Die kleinen Betonkegel mussten funktionsunfähig gemacht werden. Das war nicht so einfach angesichts des Baumaterials und der Form der Bunker.

Wer kann etwas zur Geschichte sagen?

Offenbar ließen sich die Kegel sprengen, wenn man die Einstiegsluken verschloss, durch die Sehschlitze Wasser einfüllte und dann sprengte. Danach allerdings blieb immer noch das massive Fundament, das die Bunker im Angriffsfall vor dem Umstürzen bewahren sollte. Meist wurden deshalb der Einfachheit halber die Türen der Einstiegsluken entfernt.

Beim Modell im Waldstück zwischen Versmold und Greffen sind derer zwei vorgesehen. Dem im gut einen Meter im Durchmesser messenden Innenraum ausharrenden Menschen sollte so immer ein Notausstieg bleiben. „Ich fände es angemessen, wenn der Bunker wieder aufgerichtet würde, vielleicht sogar an der Stelle einen Platz fände, an der er mal gestanden hat – ausgestattet mit einer Plakette, die seine Funktion für alle erklärt", sagt Axel Henrich.

Einen Platz zu finden, an dem der Versmolder Bunker der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnte, findet auch Dr. Rolf Westheider einen interessanten Gedanken. In manchen Orten wurden die noch erhaltenen Bunker sogar als technische Denkmäler ausgewiesen und genießen entsprechenden Schutz.

Um aktiv zu werden, müsste erst einmal mehr über die Splitterschutzzelle am Waldweg bekannt sein. Alle, die etwas darüber wissen, bittet das HK deshalb, sich unter ` (0 54 23) 4 76 23 12 oder an versmold@haller-kreisblatt.de
mit der Redaktion in Verbindung zu setzen.

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