Sozial-Oscar für Wiltmann

Fleischwarenhersteller für soziale Verantwortung geehrt

Jan Herrmann

Freuen sich über die Auszeichnung: André Behrmann (von links), Dr. Ingmar Ingold, Horst Wilke, Karin Miele, Dr. Ulrich Kemper, Jürgen Aschentrup, Heinrich Ostlinning und Judith Schmitz - © Foto: Jan Herrmann
Freuen sich über die Auszeichnung: André Behrmann (von links), Dr. Ingmar Ingold, Horst Wilke, Karin Miele, Dr. Ulrich Kemper, Jürgen Aschentrup, Heinrich Ostlinning und Judith Schmitz (© Foto: Jan Herrmann)

Versmold-Peckeloh. Gerade zweieinhalb Wochen ist Dr. Ingmar Ingold als Geschäftsführer von Wiltmann im Amt – und durfte schon die erste hochkarätige Auszeichnung entgegen nehmen. Der Peckeloher Fleischwarenspezialist ist gestern Abend im Kreishaus mit dem Sozial-Oscar ausgezeichnet worden. Den mit 5000 Euro dotierten Preis übergab Schirmherrin Karin Miele und würdigte damit das herausragende Engagement des Unternehmens bei der beruflichen Integration von psychisch kranken und geistig behinderten Menschen.

Franz Wiltmann GmbH, neue Geschäftsführung um André Behrmann (links) und Dr. Ingmar Ingold - © Foto: Jan Herrmann
Franz Wiltmann GmbH, neue Geschäftsführung um André Behrmann (links) und Dr. Ingmar Ingold (© Foto: Jan Herrmann)

„Ich freue mich sehr über die Auszeichnung, sie ist eine besondere Ehre", sagte Ingmar Ingold. Als Familienunternehmen, das seit 130 Jahren in Peckeloh ansässig ist, fühle man sich den Mitarbeitern in besonderer Weise verbunden. Auch – oder gerade dann – wenn es für die Angestellten einmal nicht so gut läuft. Der Preis wurde mittlerweile zum zehnten Mal vom Kreis Gütersloh und der Gütersloher Stiftung für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen verliehen. Im Altkreis sind bislang die Gerry Weber International AG (2012) und die Timken GmbH geehrt worden.

„Trotz des hohen Wettbewerbsdrucks in der Lebensmittelbranche ist es der Firma Wiltmann gelungen, psychische kranke und behinderte Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren", lobte Dr. Ulrich Kemper, Vorsitzender der Gütersloher Stiftung. Im Unternehmen kümmert sich Horst Wilke seit 2012 hauptberuflich um soziale und gesundheitserhaltende Maßnahmen. Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende hat sein Ohr an der Belegschaft und wirkt der Entwicklung entgegen, psychische Erkrankungen als Stigma oder charakterliche Schwäche zu betrachten. Eine offene Kommunikation und ein vertrauensvoller Umgang sind die Basis, um in Notsituationen helfend agieren zu können. „Im psychischen Bereich ist es wichtig, dass wir Verständnis haben", sagte Wilke. Einen großen Teil seiner Arbeit macht die Begleitung von Suchterkrankungen wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder Spielsucht aus. „Die Hilfe ist uns wichtiger als das Sanktionieren", so Wilke.

Bei ersten Anzeichen einer Krankheit sucht er nicht nur das Gespräch mit dem Mitarbeiter, er begleitet Betroffene auch zum Hausarzt und vermittelt auf Wunsch Kontakte zu Suchtberatungsstellen. Die Gewissheit, auch in solchen Fällen den Arbeitsplatz nicht verlieren, gebe den Betroffenen auch die Motivation, Entgifungs- und Therapiemaßnahmen erfolgreich durchzuführen.

Dr. Ulrich Kemper betonte, wie wichtig es bei psychischen Erkrankungen ist, dass Betroffene ihren Arbeitsplatz behalten und dorthin zurückkehren können. „Arbeit ist für psychisch Kranke noch bedeutsamer", sagte er. Sie gibt dem Alltag eine Struktur und verhindert, dass Erkrankte zu viel grübeln. Neben den wichtigen sozialen Kontakten während der Arbeit werde zudem das Selbstwertgefühl durch das Gefühl erhöht, etwas zu leisten und zum Unternehmenserfolg beizutragen.

Neben psychisch Kranken beschäftigt der Fleischwarenhersteller mehrere Mitarbeiter mit einem Behinderungsgrad von 50 Prozent, die aufgrund ihrer geistigen Beeinträchtigung auf dem ersten Arbeitsmarkt große Schwierigkeiten hätten, eine Stelle zu finden. Arbeitsbedingungen und Erwartungshaltung werden an das individuelle Leistungsvermögen angepasst. Wiltmann ist nicht nur seit 2012 als familienfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert, der Betrieb hat im Bereich der Prävention auch eine Zusammenarbeit mit der Münsterland-Klinik in Bad Rothenfelde ins Leben gerufen. Mehr als 100 Mitarbeiter haben an Programmen teilgenommen, die Arbeitskraft und psychische Gesundheit erhalten sollen. All das trägt dazu bei, die Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen.

Für Ingold speist sich das Engagement nicht nur aus dem Wertekanon eines Familienunternehmens, sondern hat – zumindest mittelfristig – auch betriebswirtschaftlichen Nutzen: „Wer sich sicher ist, auch in schwierigen Situationen nicht fallengelassen zu werden, muss sich weniger Sorgen im Leben machen – und kann vielleicht auch mehr leisten."

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