Piraten-Politiker besuchte die CJD-Realschule

Gerwald Claus-Brunner tötete einen Mann und sich selbst

Jan Herrmann,Tasja Klusmeyer

Abschlussklasse von 1988: Gerwald Claus-Brunner (hintere Reihe, Fünfter von rechts) ging in Versmold zur Schule. - © Archiv Foto: Realschule
Abschlussklasse von 1988: Gerwald Claus-Brunner (hintere Reihe, Fünfter von rechts) ging in Versmold zur Schule. (© Archiv Foto: Realschule)

Versmold. Ein Foto der Abschlussklasse hängt im Verwaltungstrakt der Realschule aus. Es zeigt die 10 b von 1988. In der hinteren Reihe steht ein groß gewachsener, junger Mann mit blauem Hemd und heller Hose. Mittendrin, als einer von 28 jungen Leuten. Unauffällig wirkt Gerwald Claus-Brunner auf der Aufnahme.

Das Mitglied Gerwald Claus-Brunner spricht am 15.09.2012 in Berlin auf dem Parteitag der Berliner Piratenpartei als Kandidat für den Landesvorstand. Der Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner ist tot. - © Foto: Britta Pedersen/dpa
Das Mitglied Gerwald Claus-Brunner spricht am 15.09.2012 in Berlin auf dem Parteitag der Berliner Piratenpartei als Kandidat für den Landesvorstand. Der Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner ist tot. (© Foto: Britta Pedersen/dpa)

„Er war schon irgendwie besonders und stach aus der Gruppe hervor, aber wir sind gut miteinander ausgekommen", sagt Carsten Meyer auf der Heide, sechs Jahre lang Mitschüler von dem Mann, der zuletzt bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Als „speziell" beschreibt Christian Ludewig den Schüler, der zwei Jahrgänge über ihm war.

So unauffällig das Foto von einst ist – die Lebensgeschichte des Berliner Politikers ist alles andere als unauffällig, das frühe Ende nun irgendwo zwischen tragisch und dramatisch. Der 43-Jährige hatte sich vor zwei Wochen selbst das Leben genommen, nachdem er einen jungen Mann getötet hatte, der seine Liebe offenbar nicht erwidern konnte. Besonders verstörend an der Tat ist, dass er den Ermordeten anschließend offenbar in einem Koffer auf einer Sackkarre durch Berlin geschoben hat.

Nach Recherchen vom »Stern« sollen die Eltern rechtsradikal gewesen sein und den Holocaust geleugnet haben. Sie sollen »Ludendorffer« gewesen sein und sich als Anhänger der völkischen Ideen des 1937 verstorbenen Generals Erich Ludendorff betrachtet haben. Sie waren für Rassentrennung und gegen Homosexualität, ihr Sohn hingegen bekennender Schwuler.

In der Versmolder Realschule erinnert man sich noch gut an die Familie. Der ältere Bruder besuchte die Realschule genauso wie die beiden Schwestern. Die Familie lebte im benachbarten Aschen-Strang, auf einem „traumhaften Bauernhof", wie sich Carsten Meyer auf der Heide erinnert. Dorthin hatte die Klasse einmal einen Ausflug unternommen, dort hatte Gerwald Claus-Brunner Kindergeburtstag gefeiert. Nachdem der Hof abbrannte, habe es viele Gerüchte gegeben. Auch habe es immer wieder Situationen in der Schule gegeben, die ungewöhnlich gewesen seien und bei denen die rechtsradikale Gesinnung der Eltern angeklungen sei. „Er war zwar ein Sonderling, etwas wortkarg vielleicht, und manchmal auch aufbrausend, aber keinesfalls ein Außenseiter. Ich kann nicht schlecht über ihn reden", so Meyer auf der Heide.

Eltern und ein Bruder wanderten irgendwann nach Kanada aus. Gerwald Claus-Brunner blieb in Deutschland. Im Oktober 2009 trat er der Piratenpartei Berlin bei, für die er 2011 bei der Landtagswahl mit einem guten Listenplatz ins Abgeordnetenhaus einzog. Den politischen Werdegang verfolgten auch frühere Weggefährten aus Versmold. Noch vor wenigen Jahren nahm Claus-Brunner am Klassentreffen in der Fleischstadt teil. Zuletzt hörten die Klassenkameraden von einst in den Medien von der schrecklichen Tat. „Er hatte eine besondere Biografie, der besondere Abgang passt irgendwie dazu", sagt Meyer auf der Heide.

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